Der „Döres“ mit eigener „Stroot“

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Auf dem Gelände an der Grünen Harfe wird eifrig gearbeitet, die ersten Keller sind errichtet. Foto: Henschke
 
Da war noch alles grün: An das große Feld unweit des sich westlichen anschließenden Gutes Barckhoven erinnert nun der „Barkhover Feldweg“. Foto: Henschke

Die Straßennamen im Neubaugebiet Grüne Harfe erinnern an örtliche Persönlichkeiten


Ganz unbescheiden wurde Heidhausen gelobt: „Van ganz Wadden es Heiidhusen das schönste Stöck, on wä da wönnt hät werklich Glöck!“ Die Kanalarbeiten sind fast beendet, die ersten drei Keller sind bereits errichtet, lassen zumindest erahnen, wie es demnächst auf dem gesamten Baugebiet zwischen Barkhovenallee und grüne Harfe aussehen wird.

Da die neuen Grundstücke bereits gebildet wurden, ist damit zu rechnen, dass in Kürze weitere Bauanträge eingereicht werden. Bald können die ersten Bewohner einziehen. Wie wird ihr Leben in Heidhausen werden? Einige Fragen sind noch offen: Fassen wir in der neuen Heimat schnell Fuß, gibt es Kitas für unsere Kleinen, hat die Grundschule genügend Platz im offenen Ganztag? Eine Frage ist bereits beantwortet: Ihre zukünftige Adresse kennen die Neu-Heidhauser bereits! Denn in der Bezirksvertretung wurden nun die Straßennamen im Neubaugebiet festgelegt. Um für die dort entstehenden Gebäude eine ordnungsgemäße und übersichtliche Hausnummerierung zu gewährleisten, sind Benennungen für die im Bebauungsplan bis nur als „Planstraßen A-G“ bezeichneten Straßen erforderlich. Der Teilbereich der Brenscheidtstraße zwischen Hausnummer 22 und dem Barkhorstrücken wird überbaut und kann daher aufgehoben werden.

Kommission tagte

Gemäß der Hauptsatzung der Stadt Essen entscheidet die Bezirksvertretung über die Benennung oder Umbenennung von Straßen, Wegen, Plätzen und Brücken, wenn die zu benennende oder umzubenennende Verkehrsfläche bezirkliche Bedeutung hat. Eine Kommission hatte getagt und präsentierte nun die Namen von sechs bedeutenden Persönlichkeiten des Werdener und Heidhauser Lebens. Benjamin Brenk betonte den Konsens-Willen der Jury: „Von der Vielzahl der Vorschläge war ich doch überrascht. Klasse, das sich die Bürger so viele Gedanken gemacht haben. Schön, dass wir uns dennoch einigen konnten und wirklich gute Namen gefunden haben.“
Die neu zu schaffende Hauptachse des Gebietes wird gebildet vom „Barkhover Feldweg“, der von der Barkhovenallee, angelegt als Dorfanger, in das Wohngebiet hinein und dann wieder in Richtung Barkhorstrücken hinaus führt. Michael Ludger Maas hatten diesen Namen vorgeschlagen als Erinnerung an das Feld des westlichen anschließenden Gutes Barckhoven. Von diesem „Barkhover Feldweg“ gegen sechs Stichstraßen ab.

August-Hahn-Weg

Mit diesem Stich wird dem „Döres“ (waddisch für Theodor) gedacht, der auf Waddisch Platt viele Geschichten und Gedichte über Werden und vor allem Heidhausen verfasste. August Hahn hatte 1921 ein Haus in der Brenscheidtstraße gekauft, es war das Elternhaus seines jüngst verstorbenen Enkels Hans Winking. Nur unweit steht der „Mintropsteiin“, in bestem Waddisch: „de Gedenksteiin an ossen groten Heiidhuser Jong, ossen Historienmöler Döres Mintrop!“ Hannelore Kahmann vom „Komm Omend“, der sich den Erhalt des „Waddisch Platt“ auf die Fahnen geschrieben hat, schlug den ehemaligen Heimatdichter zur Straßenbenennung vor. Seine vielen „Dönekes“ sind unvergessen, ihre Themen waren Hof, Eltern und Kinder, Kirche und Küche.

Hilde-Hüsgen-Weg

Michael Ludger Maas hatte für Hilde Hüsgen, geborene Nocke, votiert. Die Kaufmannstochter Hilde Hüsgen wurde als Erbin der Gaststätte Nocke bekannt, sie übernahm früh Verantwortung und galt als Menschen- und Tierfreundin. Ihre Stiftung „Für Mensch und Tier“ bedenkt regelmäßig soziale Einrichtungen sowie den Essener Tierschutzverein.

Joseph-Herz-Weg

Marc Mülling hatte Joseph Herz vorgeschlagen. Der Metzger und Viehhändler stammte aus Kettwig vor der Brücke, war Gründer der jüdischen Gemeinde Werden und zeitweise auch Vorsteher der Synagoge. Hanslothar Kranz freute sich, einen weiteres Mitglied der jüdischen Gemeinde ehren zu können: „Neben der Familie Simon gab es noch viele bedeutende Werdener Bürger jüdischen Glaubens!“

Wilhelm-Flügge-Weg

Ein weiterer Vorschlag Marc Müllings war Wilhelm Flügge senior. Als National-Liberaler war Flügge Stadtverordneter in Werden. Als Gründer der ersten Werdener Zeitung mit dem sperrigen Namen „Werdener-Kettwiger Wochenblatt und Allgemeiner Anzeiger für Werden“, der aber bald und mehrmals geändert wurde, schuf Flügge ein wichtiges Kommunikationsmittel für Werden. Wie wichtig dies war, zeigte der, als die Zeitung wegen der Abschaffung der Pressefreiheit nicht erscheinen durfte und erst nach dem 2. Weltkrieg als „Werdener Nachrichten“ wieder erscheinen konnte.

Margarete-Rudoll-Weg

An die große Dame der Werdener Sozialdemokratie wollte Christel Keppler mit ihrem Vorschlag erinnern. Margarete Rudoll, von allen nur „Grete“ genannt, wurde kurz nach dem Krieg in den neuen Essener Stadtrat gewählt. Von 1953 bis 1969 war sie dann Mitglied des Deutschen Bundestages. Stets setzte sich „die Grete“ für die Interessen der Bürger von Werden und Heidhausen ein, war auch in der Arbeiterwohlfahrt engagiert, die sie 1975 mit neu gründete.

Josef-Aust-Weg

Hanslothar Kranz stellte Josef Aust vor, Mitbegründer der Essener CDU, Stellvertreter des damals noch CDU-Bürgermeisters Gustav Heinemann. Aust wohnte in der Bremer Straße, also ganz in der Nähe der Grünen Harfe. Er saß im Rat der Stadt, später im Landtag, war Vorsitzender des Essener Katholikenausschusses.

Anna Leipprand freute sich, dass zwei Frauen dabei sind, andere wie etwa Pina Bausch müssten warten: „Sie findet bestimmt ihre Würdigung an anderer Stelle.“ Dass die Benennung der Straßennamen Symbolkraft hat, ist auch der Grünen-Politikerin nicht entgangen: „Hoffentlich bekommen wir den Frieden, den die Sache verdient!“ Bezirksbürgermeister Dr. Michael Bonman lobte zugleich Bürgervorschläge und Kommission, hatte noch eine fast schon nachdenklich machende Anekdote zu bieten: „Da haben mich zukünftige Bewohner kontaktiert und gebeten, auf lange Straßennamen zu verzichten. Sie wollten nämlich eine kurze Postanschrift!“
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