Friedenspfeife geraucht

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SC-Präsident Hans-Jürgen Koch mit Obmann Fred Akin, Hanslothar Kranz und SC-Urgestein Friedhelm Kalkhoff. Foto: Henschke
 
Hans-Jürgen Koch überreichte auch eine Urkunde "für 60-jährige treue Mitgliedschaft" an Jürgen Wysocki. Foto: Henschke

Hanslothar Kranz wurde wieder in Ehren in den Verein SC Werden-Heidhausen aufgenommen


Was war, soll nun endgültig ruhen. Hans-Jürgen Koch nimmt den Brief in die Hand, stutzt und sagt dann: „Oha!“ Er hält das Schreiben in Händen, das am 7. Januar 2009 bei Hanslothar Kranz Bestürzung auslöste: Der damalige Vorstand teilte ihm seinen Ausschluss aus dem SC Werden-Heidhausen mit.

Im kürzlich eingeweihten Anbau im Sportpark Löwental sitzt der jetzige Vereinspräsident Hans-Jürgen Koch beim Kaffee zusammen mit Hanslothar Kranz und freut sich, dass der Alt-Bürgermeister so positiv auf das jüngste Vereins-Schreiben reagiert hat. Der Vorstand des SC hatte herzlich eingeladen, in der Halbzeitpause des Meisterschaftspiels gegen die Sportfreunde 07 überreichte SC-Vorsitzender Koch dem neuen, alten Ehrenmitglied die Urkunde und ein „Ehrentrainer“-Shirt. Nach diesem formellen Akt kehrte Kranz zurück ins Vereinsleben. Zuvor überreicht Koch noch eine Urkunde an SC-Mitglied Jürgen Wysocki, der dem Verein nun schon seit 60 Jahren treu ist.

Masterplan Sport

Es begann 2006 mit dem Masterplan Sport, den die Stadt Essen aufgelegt hatte, dort wurden Einsparmaßnahmen aufgelistet, eine von vielen war die Schließung des Fußballplatzes im Heidhauser Volkswald. Seit einer halben Ewigkeit Spielstätte der Kicker, bei den Gegnern gefürchtet, von den Einheimischen wegen seiner familiären Atmosphäre geliebt. Hanslothar Kranz hatte dem Verein stets helfend zur Seite gestanden, wurde dafür als Ehrenmitglied aufgenommen. Einer der Mit-Unterzeichner sitzt heute mit am Tisch: SC-Urgestein Friedhelm Kalkhoff arbeitet nun schon rund 60 Jahre lang im Vorstand mit, war damals Geschäftsführer an der Seite des legendären Clubchefs Jupp Bäcker. Kranz schmunzelt: „Ich habe die Beiden immer die siamesischen Zwillinge von Heidhausen genannt.“ Kalkhoff wuchs auf am Heidhauser Platz, wo das Fußballfeld des ehrwürdigen TuS Heidhausen lag, bevor es in den Volkswald „wanderte“. Die Baracken der „Organisation Toth“ waren Heimat für die, die sonst keine Bleibe fanden. Heute ist dort die „Hundewiese“ neben der Grundschule, wieder politisch umkämpft: Wohnbebauung, Flüchtlingsunterkunft, Ausbau von Schule und Kita? Oder alles gemeinsam? Der Stadtrat muss entscheiden, dem Kranz 45 Jahre lang für die CDU angehörte.


Porzellan zerschlagen

Im Dezember 2008 saß er noch für Werden im Rat, nach dessen Beschluss, den Platz Am Volkswald endgültig zu schließen, kam es zu unschönen Szenen vor dem Werdener Rathaus. Hanslothar Kranz wurde bei Protestaktionen beschimpft, wenig später folgte der Ausschluss aus dem Verein. Koch war zu der Zeit Jugendleiter in Heidhausen und erinnert sich, wenn auch ungern: „Das war eine vertrackte Situation. Da kam eins zum anderen, viele Leute waren nicht richtig informiert, es wurde sehr emotional debattiert und gehandelt. Da wurde viel Porzellan zerschlagen. Das hat mir nicht gefallen, das hat vielen im Verein nicht gefallen.“ Ein Politikum, wie Kranz immer wieder betont: „Ich habe für den Kunstrasen im Löwental gekämpft, auch wenn es mich Prozente bei den Wahlen gekostet hat!“ Er hätte sich ja enthalten können, oder gar der Sitzung fern bleiben? Nein, so einer ist Hanslothar Kranz nicht, stand stets zu seiner Überzeugung, auch wenn er dafür „Haue“ bekam. In dem Fall nicht zu knapp. Es traf ihn hart, Kranz vergisst nicht, aber als Christenmensch kennt er Verzeihen: „Nun freue ich mich, dass wir wieder so zusammensitzen können. Wenn der liebe Gott uns nicht verzeihen würde, wäre der Himmel leer!“

Freundschaften

Benjamin Brenk schaut kurz herein, der Sozialdemokrat ist einerseits schon ewig SC-Mitglied, trainiert die Reserve, aber auch Kollege in der Bezirksvertretung. Man kennt sich, man schätzt sich, der 30-jährige Brenk reicht Kranz die Hand, der 81-Jährige blickt ernst: „Da sind über die Parteigrenzen hinweg Freundschaften entstanden.“ Hans-Jürgen Koch reicht nun, natürlich nur symbolisch, die Friedenspfeife. Es wird ein wenig feierlich: „Für uns ist es eine gute Gelegenheit, die aus emotionalen Aufgeregtheiten entstandenen unschönen Anwürfe gegen Deine Person im Zusammenhang mit der Aufgabe des Volkswaldes endgültig zu begraben und wieder gemeinsam in die Zukunft zu sehen. Die Entscheidung, konstruktive Gespräche mit den Verantwortlichen der Stadt zu beginnen, war goldrichtig, wie man jetzt an unserer wunderschönen Anlage erkennen kann! Deine Unterstützung während dieser Phase und darüber hinaus war sehr wichtig. Ich rechne Dir hoch an, dass Du dich weiterhin für die Sache eingesetzt hast, das hätte nicht jeder getan. Dankeschön.“
Auch Hanslothar Kranz dankt, nimmt Urkunde und „Ehrentrainer“-Shirt in Empfang und bekräftigt: „Ich habe immer zum Verein, zum Werdener Sport gehalten.“
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