Spagat zwischen Tradition und Moderne

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Im hellen Jugendraum des Sportparks Löwental war die Versammlung des SC Werden-Heidhausen gut besucht. Foto: Henschke
 
Der neue Vorstand des SC Werden-Heidhausen, v.l.n.r. Klaus Küpper, Fred Akin, Frank Kalkhoff, Jürgen Bäcker, Jürgen Koch, Jupp Böhmer und Friedhelm Kalkhoff. Foto: Henschke

Bei der ersten JHV in neuen Räumen nimmt der SC Werden-Heidhausen endgültig Abschied vom Volkswald


Er ist schon was besonderes, der SC Werden-Heidhausen. Immer wieder wird erstaunt festgestellt, dass man im „Konzert der Großen“ mitspielen könne. Warum denn auch nicht? Der Club aus dem tiefen Essener Süden ist immerhin drittgrößter Fußballverein der Stadt.

26 Mannschaften? Schön. Riesige topmoderne Sportanlage? Nett. Doch fast schon verzweifelt wird das Familiäre gesucht. Vorsitzender Jürgen Koch steht für den Spagat zwischen Moderne und Geborgenheit. Die gab es Am Volkswald, dort blinkte der Charme der frühen 70er aus allen Löchern. Ascheplatz, kaputte Fenster, die Duschen ein Graus. Egal. Ein Pfund war die Stimmung im Wald, das mit viel Muskelschmalz selbst erbaute Vereinsheim. Was wurden am Volkswald fußballerische Schlachten geschlagen und feste Feste gefeiert!

Die Zukunft

Aber der Schritt in die Zukunft, der Jugend zuliebe, war nun mal fällig. Doch er tat weh, der Trennungsschmerz hielt noch verdammt lange an. Exakt bis zum 8. April 2016. Um 19.09 Uhr nahm Koch das Mikro in die Hand und begrüßte mit seiner ersten Amtshandlung im neuen Jugendraum zur Jahreshauptversammlung: „Ich denke, der Jugendraum ist schön geworden und wertet die Anlage weiter auf. Nur mit solch einer Anlage sind wir überlebensfähig. Unser so lange vermisstes Vereinsleben wird wieder einkehren, wenn wir das ‚Volkswaldfeeling‘ mit nach unten tragen. Wir sind hier im Löwental angekommen. Endlich!“
Ein arbeitsintensives Jahr liegt hinter dem Vorstand, die Umbaumaßnahme haben Einschränkungen mit sich gebracht, die aber überstanden wurden, die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Architektenpaar Waldhelm hat wunderbar funktioniert. Der Bezirksvertretung müsse man unendlich dankbar sein für die finanzielle Unterstützung, ohne sie könnten die Sportler den Innenausbau nicht stemmen.

Tanz in den Mai

SC-Obmann Fred Akin wirbelt bereits in seiner neuen „Heimat“. Der helle, hohe Jugendraum im Löwental mit seinen 22 Fenstern ist ein architektonisches Juwel, demnächst soll dort die Gastronomie eröffnen. In einer kleinen Küche werden Leckerbissen gezaubert, aus dem Hahn zapft Akin Gerstensaft. Einen Zeitplan gibt es schon, wenn auch die Decke noch abgehängt werden muss, die Strahler fehlen noch, die Theke…„Mai, spätestens Juni“, sei alles fertig, denn dann beginne die Europameisterschaft. Rudelgucken am Sportplatz ist einfach Kult. Vorher noch wird es einen kleinen, aber feinen „Tanz in den Mai“ geben, hier feiern die Ü30-Junggebliebenen ab, DJ Schmiddi legt dazu auf. Nicht nur die Fußballer fiebern der Eröffnung entgegen, auch die Mamas der unzähligen kleinen WTB-Leichtathleten, die das Löwental bevölkern, freuen sich schon auf eine Tasse Kaffee und beeindruckenden Panoramablick auf die Anlage.
Akins sportlicher Bericht fällt knapp aus: 4., 3. und 2. Mannschaft top, doch die Erste in der Bezirksliga in Abstiegsgefahr. Allerdings entwickelte Trainer Danny Konietzko mit viel Geduld und Spucke aus einer „Notelf“, auch durch sechs Winterzugänge, ein konditions- und auch kampfstarkes Kollektiv, das überrascht und so gute Chancen auf den Klassenerhalt hat. Trotz höherklassiger Angebote bleibt der Trainer, weil sein SC ihm eine Herzensangelegenheit ist.

Der Nachwuchs

Beim SC Werden-Heidhausen wird die Nachwuchsarbeit großgeschrieben. Deshalb referiert Jugendleiter Markus Graf ausführlich. Der Club wurde förmlich überrannt von Bambini und F-Jugendlichen, musste kurzfristig sogar eine Warteliste anlegen. Vier zusätzliche Mannschaften bedeuten Kapazitätsprobleme, mehr Platz und Trainer werden benötigt. Es waren keine einfachen Jahre nach dem Umzug, doch Graf meldet Vollzug: „Wir haben es geschafft!“ Tolle Turniere, großartige Spanienfahrten, beliebte Jugendferiencamps, insgesamt vier Mannschaften können noch Meister werden, Markus Graf zeigt sich stolz darüber, wie sein Jugendausschuss die „Riesenherausforderung“ angeht. Junge Leute rücken nach, so wurde der erst 20-jährige Marcel Schäfer Geschäftsführer: „Der Junge macht das klasse!“
Die Wahlen sind Formsache. Jürgen Koch wird einstimmig wiedergewählt. Obwohl, nicht ganz. Er enthält sich in eigener Sache, eine fixe SC-Tradition bei Vorstandswahlen. Auch Töchterchen Carolin aus der Damenmannschaft will nicht mit Ja stimmen. Sie weiß halt, wie viel Freizeit der Papa in seinen Verein investiert.
Neuer "Vize" wird Jupp Böhmer für Thilo Meutzner, Jürgen Bäcker löst seinen Sohn Markus als Geschäftsführer ab.
Anträge liegen vor. Es muss die Möglichkeit geben, Wertsachen in den Kabinen wegzuschließen, da hat es Diebstähle gegeben. Auch stehen die Senioren nach ihrem Training öfters unter kalten Duschen, die komplette Heizanlage der riesigen Sportanlage müsste ersetzt werden.

Neues Logo?

Dann kommt es zu lebhaften Diskussionen um eine nur scheinbare Kleinigkeit: Die insgesamt doch recht jungen Seniorenspieler ereifern sich, das vor 21 Jahren in einem Wettbewerb gekürte Vereinswappen sei „hässlich und so was von out“. Da müsse was Modernes her. Allgemeine Zustimmung, aber Herbert Hülsdell aus dem Ältestenrat legt den Finger in die Wunde: „Wir sind ein Traditionsverein, älter als Schalke oder Rot-Weiss Essen. So ein neues Wappen muss dann aber auch mindestens 50 Jahre Bestand haben!“ Da ist er wieder, der Spagat zwischen der langen Tradition eines 129-jährigen Vereins und der Moderne. Vorsitzender Jürgen Koch meistert ihn gekonnt: Vorschläge aus Reihen der Aktiven liegen bereits vor, ein Arbeitskreis hat nun ein Jahr Zeit, bis zur nächsten Versammlung ein neues Logo vorzustellen, dann können die Mitglieder darüber abstimmen. Geht doch!
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