Bücherkompass-Rezension: Gert Eckel "Sie nennt es weggehen"

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Der 73-jährige Berliner Architekt Gert Eckel hat in seinem Leben schon harte Schicksalsschläge hinter sich. Im Jahre 2012 verlor er seine erst 46 Jahre junge Partnerin, Hanna. Obwohl er ein Vierteljahrhundert älter als sie war, musste Hanna vor ihm gehen. Sie hatte Krebs. In seiner ersten autobiographischen Erzählung Sie nennt es weggehen. Tagebuch eines selbstbestimmten Sterbens offenbart uns Gert Eckel tiefe Einblicke in das Leben seiner verstorbenen Partnerin und auch das Seinige.

Das zentrale Thema ist die Vorbereitung auf das selbstbestimmte Sterben. Außerdem wird auf die physischen und psychischen Qualen, die Krebserkrankungen auslösen können, sehr deutlich eingegangen: „Niemand weiß, wie viel die Sanduhr noch enthält, es können Tage sein, Wochen, vielleicht sogar Monate.“ (Zit. Eckel 2013, 47).

Obwohl Gert Eckel und Hanna sich dessen bewusst sind, dass sie jeden Augenblick sterben kann, wollen sie ihr gemeinsames Leben noch in vollen Zügen genießen und reisen so viel, wie unter diesen Umständen möglich ist. Hanna entwickelt in dieser Zeit Verhaltensweisen, die sie früher nie für unvorstellbar gehalten hat. Zum Beispiel schaut sie nun RTL, um sich vom Ernst ihrer Situation abzulenken. Der Leser nimmt Hanna als eine warmherzige Frau mit einer direkten Art wahr, die schon immer sehr stark mit sich selbst zu kämpfen hatte, dabei aber auch sehr engagiert war.

Neben den starken Emotionen, an denen der Autor den Leser teilhaben lässt, ist dieses Buch auch eine Bereicherung für die Allgemeinbildung. Eckel gibt Einblicke in den Zweiten Weltkrieg und verweist auf sehr bedeutende Werke in den Bereichen der klassischen Musik, der Filmgeschichte und der bildenden Kunst.

Wer Theodor Fontanes Effi Briest genossen hat, wird sich sicherlich auch mit dem Schreibstil von „Sie nennt es weggehen“ anfreunden. Genauso wie Fontane geht Gert Eckel sehr stark auf die visuelle Beschreibung von Orten und Dingen, wie zum Beispiel seines Hauses und Gartens, ein. Er verwendet viele Metaphern und Denkstrukturen des common sense. Der hohe Grad an inhaltlicher Komplexität und die verwobenen Gedankengänge des Autors fordern große Aufmerksamkeit bei der Lektüre, damit keine wichtigen Informationen überlesen werden. Eine solch komplizierte Stelle beinhaltet beispielsweise die Information, dass zwei Frauen eine sehr wichtige Rolle in Eckels Leben gespielt haben: seine Ehefrau Sarah, mit der er 40 Jahre zusammengelebt hatte, und seine Partnerin Hanna.

Eckels Buch ist ein interessantes Werk, mit dem er nicht nur die eigene Trauer verarbeitet, sondern gleichzeitig dem Leser das Prinzip der Hoffnung in den dunkelsten Stunden vermittelt. Er zeigt, dass das eigene Leben auch nach dem Tod eines geliebten Menschen weitergeht.
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