Der Körper macht den Ton

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Glänzendes Metall: So sehen die Instrumente aus, aus denen der Posaunenchor der Christuskirche besteht.
 
(Fast) Alle sind anwesend: Jeden Mittwoch ab 19 Uhr wird in der Kinderkapelle der Christuskirche in Altendorf geprobt.
Sie treffen sich jeden Mittwoch um 19 Uhr in der in der Kinderkapelle der Christuskirche in Altendorf. Mit dabei, neben den eigenen Noten und sich selbst, hat jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer ein gold-gelb funkelndes Blechblasinstrument: Eine Trompete, eine Posaune oder gar ein Tenorhorn.
„Wir sind ein Chor der etwas anderen Art“, erklärt Sabine Aldenhoven, Leiterin des Posaunenchors. „Bei uns stehen Blechblasinstrumente im Vordergrund, mit denen wir die Töne erzeugen. Unsere Stimmen sind unsere Instrumente.“ Und diese Aussage darf auch im wörtlichen Sinne verstanden werden. Denn der Posaunenchor ist, wie ein normaler Chor auch, in verschiedene Stimmen unterteilt, welche da sind sopran und alt sowie tenor und bass. Erstere beiden sind Frauenstimmen, die anderen zwei übernehmen die Herren. Nun muss man diese Stimmlagen einfach auf die Instrumente übertragen, sprich die Trompeten übernehmen die Frauen- und die Posaunen sowie das Tenorhorn die Männerstimmen.
„Man muss sich diesen Umstand so vorstellen, dass, als damals die Posaunenchöre entstanden sind, einfach der Kirchenchor nachgeahmt werden sollte. Die Orgel war ein fester Bestandteil der Kirche und nicht mobil. Aus diesem Grund brauchte es alternative Instrumente, die etwa bei Beerdigungen oder Festen außerhalb den Ton angeben konnten“, so Aldenhoven weiter.
Schon ab dem frühen 16. Jahrhundert sind Posaunenchöre auf Bildquellen dokumentiert. Zu Beginn bestand der Klangkörper nur aus Posaunen, wie der Name es auch vermuten lässt. Erst im Laufe der Zeit kamen weitere Blechblasinstrumente hinzu, wie es auch beim Chor der Christuskirche der Fall ist: Insgesamt sieben Trompeten, drei Posaunen und ein Tenorhorn zählt das Ensemble.
„Wann genau unser Chor entstanden ist, kann ich gar nicht so genau sagen“, so die Leiterin und selbst Trompetenspielerin weiter. „Aber auf alle Fälle schon lange vor dem zweiten Weltkrieg. Ganz am Anfang war das Spielen im Posaunenchor reine Männersache, weshalb die Aktivitäten während des Kriegs komplett eingestellt wurden, da ja alle Männer im Feld waren. Nach dem Krieg hat es haben sich aber ganz schnell wieder Spielwillige, darunter auch Frauen, gefunden und die Tradition weiter leben lassen.“
Aktuell ist die Besetzung gut durchgemischt und zählt elf Personen, wobei von der Studentin bis zum Rentner alles dabei ist. Da vor allem die Gemeinde in der Kirche musikalisch begleitet werden soll, ist das Liedgut einerseits klassisch kirchlicher Natur. Auf er anderen Seite aber zählen zum Repertoire der Gruppe auch weltliche und moderne Stücke, wie etwa populäre Lieder, die viele Laien kennen.
„Wenn ich gefragt werde, ob es schwierig ist ein Blechblasinstrument zu lernen, kann ich darauf nicht so pauschal antworten. Ein Teil sicherlich, denn eine Trompete zum Beispiel hat nur drei Tasten. Schwieriger ist dann die Tonentwicklung. Diese findet im Körper statt, weshalb eine gute Körperbeherrschung nötig ist. Wichtig bei Blechblasinstrumenten ist auch die Mundmuskulatur und der Luftdruck, der in das Instrument geblasen wird. Das alles zusammen erzeugt dann den beziehungsweise die Töne.“ Schön ist das bei den Atem- und Warmblasübungen zu Beginn der Probe zu beobachten. Wichtig: Um im wahrsten Sinne des Wortes auf gleicher Wellenlänge zu sein, müssen die Instrumenten die selbe Temperatur haben. Je kälter ein Blechblasinstrument nämlich ist, desto tiefer ist es.
Hervorgehoben muss beim Posaunenchor auch wieder das gemeinschaftliche Element werden. „Nach jeder Probe zum Beispiel, setzen wir uns noch in gemütlicher Runde zusammen und lassen den Abend ausklingen“, beschreibt Aldenhoven. „Im Chor zu sein ist nicht nur ein schönes Hobby, sondern es ist auch ein wunderbarer Ausgleich zum Alltag. Es fällt auf, dass viele Leute mehr Stress im Beruf haben. Das ist dann eine Möglichkeit mal abzuschalten und an was anderes zu denken.“ Neben der meditativen Tätigkeit stehen des Weiteren Grillabende, Ausflüge oder ein Kegelabend auf dem Programm.
„Wenn man in hier in der Gemeinschaft zusammen Musik macht und sich jede Woche oder auch öfter sieht, lernt mach sich unglaublich gut kennen. Man geht durch viele Lebenssituationen gemeinsam, sei es eine Familienfeier oder eine Beerdigung. Wenn dann zum Beispiel jemand im Krankenhaus ist, kommen wir da mit unserem Equipment vorbei und spielen ein Gute-Besserungs-Ständchen“, schließt Aldenhoven.
Interessenten sind herzlich eingeladen, bei der Probe vorbeizukommen. Leihinstrumente sind vorhanden.
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