Die Varusschlacht war nicht in Kalkriese

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    Im unwegsamen matschigen germanischen Urwald werden die römischen Legionen des Varus vom verräterischen Arminius in den Hinterhalt gelockt, so stellt man sich heute immer noch den Untergang der Varuslegionen im Teutoburger Wald vor.

Dieses Klischee ist vor allem Mommsen zu verdanken, der unbedingt als Entdecker des Varusschlachtfeldes gelten wollte. Dabei stützt er sich aus- schließlich auf einen einzigen röm. Geschichtsschreiber, nämlich Cassius Dio, einen Senator, der aber erst aus dem 3. Jhrt n. Chr. berichtet und sich dabei kritiklos -wie er selbst einräumt- auf die Senatsakten des Kaisers Augustus stützt. Und der war nicht gerade für eine authentische Geschichtsschreibung bekannt. Unbequeme Fakten wurden verharmlost. Schließlich war Varus Mitglied der kaiserlichen Familie!
Alle anderen Autoren aus der Zeit des Geschehens 9 n.Chr. beschreiben über- einstimmend einen ganz anderen Schlachtverlauf, eben nicht eine Zermürbungsschlacht im Urwald, sondern eine, die für einen römischen Feldherrn die größte Schande bedeutet, und niemals passieren darf...

Denn, was Tacitus, der über die Schlachten des Germanicus -dem Rächer des Varus- schreibt und insbesondere über dessen Besuch auf Varusschlachtfeld, paßt in der Tat viel besser zu einem

heimtückischen Überfall in einem Lager.


In einem Lager findet Germanicus die Überreste von drei dort gefallenen Legionen und nicht wie nach Dio zu erwarten, kilometerlang im Urwald verstreut. Sie liegen auf dem Versammlungsplatz ("Campus") im "Ersten Lager" ("Prima Vari Castra"), am ehesten das Hauptquartier des Varus. Dafür spricht die "Größe für drei Legionen". Varus hatte tatsächlich eine Gesamtstreitmacht von drei Legionen. Nicht mehr und nicht weniger. Wäre es ein Marschlager im Urwald gewesen, hätte es aufgrund der ständigen Verluste auf dem Marsch merklich kleiner sein müssen.

Übrigens in Kalkriese wurde dieses wichtige Indiz -ein Dreilegionenlager- immer noch nicht gefunden, dafür aber ein Wall, über den wiederum Tacitus etwas ganz anderes erzählt.
In Kalkriese gibt es zweifelsfrei ein römisches Schlachtfeld, aber es gibt weder stichhaltige Argeumente aus der römischen Geschichtsschreibung noch aus archäologischen Funden, die eindeutig für den dortigen Untergang der Varuslegionen sprechen. Dagegen spricht alles für einen anderen römischen Feldherrn!

Die Augurenstäbe des Germanicus

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Besonders überzeugend sind die dort gefundenen sog. Litui- Auguren-stäbe, (s.Abb.) priesterliche Kultgegenstände, die nur einem Oberpriester (Auguren) gehört haben können. Und das war ausschließlich Germanicus und nicht Varus! Und sie werden unter dem dortigen Wall gefunden. Ein Fundniederschlag, der nur durch Kämpfe entsteht: Wie sollte sonst ein Wall etwas unter sich begraben. Und der ist sicher kein römischer Lagerwall!

Germanicus in Kalkriese

Tacitus berichtet ausführlich: Im Jahre 15 n.Chr. hat Germanicus die gefallenen Legionäre auf dem Varus - Schlachtfeld würdevoll bestattet. Und zwar nicht in freier Natur, sondern- man höre und staune- alle Reste der Legionäre in einem Lager! Seltsamerweise erwähnt das niemand! Wir erfahren von Tacitus sogar wichtige Detaills: das Lager hatte die Größe für drei Legionen- und über den Zustand seiner Wälle- sie waren nicht zerstört, was in Kalkriese nicht der Fall ist Das Lager muß also von innen her erobert worden sein, und genau das berichten die älteren Geschichtsschreiber Velleius Paterculus und Florus; der kurz und kanpp:

"Das Lager wurde geraubt, drei Legionen vernichtet!"


Dazu passt genau dazu,das, was Germanicus bei seinem Besuch vorfindet. Pietätvoll läßt er dann wie damals üblich einen Tumulus (Grabhügel) errichten, der groß genug ist, um die Überreste der drei untergegangenen Legionen aufzunehmen- wie gesagt die gesamte Streitmacht des Varus -ca 15000 Mann.Sie hatte also ganz offensichtlich das lager nicht einmal verlassen- ein voller Widerspruch zu Cassius Dio!
Wie soll bei der gänzlich friedvollen Bestattung seine Augurenstäbe unter den dortigen Wall gelangen? Es doch undenkbar, dass das einem röm. Prinzen und Auguren wie Germanicus unter den Augen seiner Leibgarde bei einer Bestattungszeremonie passiert. Viel wahrscheinlicher ist doch, dass Germanicus dort gekämpft hat, was sich auch mit Fug und Recht annehmen läßt..

Geanu das hat der Historiker und Archäologe Prof. Paul Höfer schon vor über hundert Jahren vorausgesagt, dass es sich in Kalkriese um ein Schlachtfeld des Germanicus und nicht des Varus handeln muß, denn weder das ausdrücklich von Tacitus erwähnte Lager geschweige denn die Knochen von annähernd drei Varuslegionen, noch die Reste eines Tumulus, sind bisher in Kalkriese gefunden worden.

Kalkriese -die Schlacht am Angrivarierwall


Vielmehr ähnelt die dortige Landschaft auch heute noch der, die Tacitus bei der Schilderung einer späteren Schlacht- nämlich der am "Angrivarierwall" in 16 n. Chr. beschrieben hat. Ein schmaler Durchlass zwischen Bergwald und Moor...

Germanicus erstürmt bei dieser letzten Schlacht persönlich einen Wall, dabei muß sein Trosswagen mit seiner ganzen Ausrüstung (also auch seine Priester-stäbe) unter den dabei einstürzenden Wall geraten sein. Dadurch entgehen sie -Gott sei Dank -den plündernden Germanen.
Auch andere Indizien (nämlich die dort gefundenen Schleuderbleie- auch von Tacitus ausdrücklich erwähnt-) und Legionskennungen sind spezifisch für Legionen des Germanicus!

Damit wird es doch immer wahrscheinlicher, dass

Kalkriese ein Gemanicus-und kein Varus-Schlachtfeld ist

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Das authentische Varusschlachtfeld muß daher woanders gesucht werden.
Warum eigentlich nicht dort, wo Tacitus es beschreibt, nämlich im lippischen Weserbergland Leider sind die Funde, von denen die Ortsgelehrten berichten, nicht gesammelt und aufbewahrt worden, aber sie liefern einen deutlichen Hinweis auf eine jahrzehntelange Präsenz der Römer im Lipperland. Dazu passen auch die Reste der Römerstraßen, die auch nach Kalkriese führten, übrigens noch ein Argument gegen den Urwaldmarsch!

Auch gibt es eine auffällige Übereinstimmung der Ortangaben (Gnita/ Knetter-heide) aus der nordischen Sage, der Edda-, in der ein Kampf gegen einen "Drachen" (römischer Heerwurm) stattfindet, dabei wird er sinnigerweise in "seinem Bett" von unten her, also heimtückisch erstochen. Ein deutlicher Hinweis auf einen Handstreich im Lager* des Varus.
Warum darf man denn Tacitus nicht mehr trauen als Cassius Dio?
*Am wahrscheinlichsten liegt der Schlachtort bei Schötmar/Bad Salzuflen!

PS. Ein Lituus ähnelt einem Bischofsstab und gehört zu den eindeutigen Insignien eines Auguren und das war Germanicus in 14 geworden.
Die 2. Abb. ist dem "Spiegel" 2009 entnommen.
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2 Kommentare
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Dr. Helmut Förster aus Essen-West | 08.04.2015 | 08:59  
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Helmut Zabel aus Herne | 08.04.2015 | 17:11  
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