Japan in Frohnhausen

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Bunt ging es an diesem Tag im Aposteljugendhaus her: (v.li.) Clara (23), Uwe Roth und Debbie (20).
 
Wer Hunger bekam konnte sich von den süßen und hübschen "Maids" im Maidcafé Kaffee und Kuchen bringen lassen.
Große Augen, tolle selbstgemachte Kleider und Kostüme und sehr kawaii. Das sind die Markenzeichen einer Szene aus Japan, die schon länger auch hier Fuß gefasst hat und, auch wenn man kein Fan davon ist, deren Anhänger man doch schon das eine oder andere Mal gesehen hat: Die Rede ist von der Anime- und costume play, kurz Cosplayszene.
Bereits zum neunten Mal wurde nun das Essener Anime Treffen (E.A.T) veranstaltet, dieses Mal in den ausladenden Räumlichkeiten des Aposteljugendhauses in Frohnhausen. Jeder Interessent war herzlich eingeladen, konnte sich in ihrem oder seinem selbstgeschneiderten Kostüm zeigen, an einem der vielen Angebote teilnehmen, dem Bühnenprogramm lauschen oder im Gamesroom Video-, Tanz- und Brettspiele spielen.
„2008 haben wir uns zum ersten Mal in der Gruga mit etwa 20 Leuten getroffen“, erzählt Debbie (20), Organisatorin der Veranstaltung, von den Anfängen der Cosplayszene in Essen. „Danach waren wir in Rüttenscheid, im Jugendzentrum in Holsterhausen und auch schon im Julius-Leber-Haus in Kray. Das Aposteljugendhaus eignet sich für unsere Veranstaltung hervorragend, weil es groß ist und man viele verschiedene Angebote wie Workshops machen kann. Denn wie man sehen kann, ist unsere Gruppe in der Zwischenzeit auch etwas gewachsen.“
Die Anfänge in der Cosplayszene machte Debbie schon in der Kindheit: Sie mochte Serien wie Sailermoon, Pokémon oder Digimon. Später hat sie sich mit Gleichgesinnten getroffen, sie haben zusammen Mangas gelesen und sich darüber ausgetauscht. „Zuerst war es schon etwas komisch, aber mit der Zeit hat es richtig angefangen Spass zu machen. Und weil man natürlich daran interessiert ist Mangas im Original zu lesen, hat man nebenbei auch noch ein bisschen japanisch gelernt.“
Auch Clara (23) hat die Veranstaltung mit organisiert und geplant. „Mir gefällt an dieser Szene, die in Japan selbst überwiegend eine Subkultur ist, besonders die Herzlichkeit, die verbreitet wird. Wer die Schilder mit der Aufschrift „free hugs“ kennt, der muss wissen, dass das eigentlich aus unserer Szene stammt.“
Faszinierend, man kann es einfach nicht anders sagen, waren vor allem die Kostüme, die getragen werden. Sehr oft sind sie selbstgeschneidert und auch Accessoires wie Perücken, Schmuck und Waffen werden in stundenlanger Feinarbeit selbst gemacht. „In der Regel ist es so, dass man in Charaktere schlüpft, die man mag“, erklärt Debbie weiter. „Wenn man sich dann festgelegt hat, werden für den Charakter die bezeichnenden Kostüme geschneidert. Dabei kann es schon mal vorkommen, dass man für eine Figur unzählige Outfits hat. Natürlich spielt dabei auch das Finanzielle eine Rolle, denn manche Kostüme sind unglaublich aufwendig herzustellen.“
Der Eintritt wurde an diesem Tag absichtlich niedrig gehalten: Für fünf Euro jedoch hatte das E.A.T enorm viel zu bieten. Professionelle Schneiderinnen zeigten, wie man Taschen und Portemonnaies näht, es gab einen Zeichenwettbewerb und beim Zeichenworkshop konnten sich die Besucher beibringen lassen, wie man Chibis zeichnet, kleine Animefiguren mit sehr großen Köpfen. Filigran ging es im Modellbauworkshop zu: Dort wurden kleine Figuren zusammengesetzt und per Hand bemalt. Zudem hatte man die Möglichkeit von talentierten Zeichnern Portraits und Skizzen anfertigen zu lassen, die zeigen sollten, wie man selbst als Mangafigur aussehen könnte.
Ein kleiner Flomarkt mit typischen Utensilien aus der Szene und ein Bring and Buy-Stand ließen fast keine Wünsche offen. Daneben konnte man sich dem Bühnenprogramm widmen, auf dem unter anderem verschiedene Titellieder bekannter Manga- und Animeserien auf deutsch und auch auf japanisch zum Besten gegeben wurden.
Wen der kleine Hunger überkam konnte sich in die obere Etage des Hauses begeben und sich von den süßen Mädchen im Maidcafé Kuchen und Kaffee servieren lassen. Für sonstigen Heißhunger standen natürlich auch Snack- und Getränkestände bereit.
„Wir wollten mit der Veranstaltung zeigen, dass das Aposteljugendhaus nicht nur von draußen, sondern auch von drinnen sehr bunt und vielfältig ist“, meint Uwe Roth vom pädagogischen Team im Aposteljugendhaus. „Es ist toll, wenn sich junge Leute engagieren und eine so große Veranstaltung auf die Beine stellen und das unterstützen wir vom Aposteljugendhaus in jedem Fall.“
Und weil so viele Leute gekommen sind, reichten die oberen beiden Etagen nicht aus. Auch im Keller ging es wild zur Sache. Hier nisteten sich bei entspannter Atmosphäre die Freunde der Video- und Brettspiele ein. Denn auch diese sind mit der Szene verbunden und gehören zu ihr. Die Konsolen wurden selbst mitgebracht und dann ging es bei Mario Kart und Smash Brothers heiß her.
„Was mich an der Szene noch fasziniert ist, dass man, sobald man ein Kostüm trägt, in eine andere Rolle schlüpft. Man fühlt sich dann teilweise wie ein anderer Mensch und ist in vielen Fällen sogar selbstbewusster, als einer selbst. Das schönste ist aber, wenn man auf einer Veranstaltung ist und von fremden Komplimente für sein Outfit bekommt. Dann weiß man, dass sich die ganze Arbeit durch und durch gelohnt hat“, so Debbie.
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