Pornoladen: Menschen wie Du und ich

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Viel Mut beweisen die Laiendarsteller beim Stück „Pornoladen : Aus dem Unterleib der Stadt.“
Sie sind Menschen wie du und ich, doch sie beschäftigen sich mit einem Thema, was in unserer Gesellschaft immer noch zu den Tabus gezählt wird: Sex.

Die Rede ist von den Schauspielern und Laiendarstellern des neuen Schauspiel-Stückes „Pornoladen- Aus dem Unterleib der Stadt“. Und der Name ist Programm!
Die Idee zum neuen Theaterstück war Regisseur Marc-Oliver Krampe schon in Studententagen gekommen. „Damals war ich zum allerersten Mal in einem Laden mit Sex-DVDs und stand mit drei weiteren Männern vor den ausgelegten Filmen“, gibt Krampe unverblümt zu. Die Anonymität habe ihn fasziniert, die die Kunden in diesem Geschäft hatten.
„Denn in diesem Augenblick waren alle gleich: Der Student, der Banker und der Busfahrer. Diese Situation hat mich sehr berührt. Und das Thema Sex verbindet die Menschen miteinander.“
Eben diese gemeinsame Basis nahm Krampe zum Anlass, Anfang des Jahres in Zeitungen nach Menschen zu suchen, die ihre Geschichte erzählen mochten. Das konnten Prostituierte, Escort-Ladys, Stricher, Callboys sein.
Krampe seinerseits besuchte Hilfsorganisationen, war sogar auf dem Schwulenstrich, um authentisches Material für sein neues Theaterstück zu sammeln.
„Aus 700 Seiten Interviews und Protokollen entwickelte der Regisseur das zweistündige Theaterstück“, berichtet Pressesprecher Martin Siebold.
Außerdem suchte Krampe auch nach Menschen, die nicht nur gewillt waren, ihre Erfahrungen einfließen zu lassen, sondern sich auch auf der Bühne einem breiten Publikum zu öffnen. Nach vielen Castings stand die Crew mit den beiden hauptamtlichen Schauspielern Lisa Jopt und Johann David Talinski, die beispielsweise auch in „Kabale und Liebe“ auf der Bühne stehen, und zehn Laiendarstellern fest.
Nun ging es ans Proben! Und dies war ein Proben neben dem Beruf, denn „viele der Darsteller gingen von morgens bis nachmittags arbeiten und dann stand noch eine Abendprobe an“, so Siebold. So wurde den Darstellern viel abverlangt, besonders in den letzten Wochen, wo es in die heiße Probenphase ging.
Dabei betont der Pressesprecher, dass es sich bei dem Stück um eine „ganz normale Produktion“ handele. So wird nichts verrissen oder verfälscht dargestellt, sondern die Menschen wie sie wirklich sind, stehen im Mittelpunkt.
So konnten die Laiendarsteller auch Vorschläge für ihre Texte einreichen, die teilweise im Stück übernommen wurden. Besonders schön: Krampe nimmt große Rücksicht auf „seine“ Darsteller. Denn am Anfang des Stückes stehen nur die Berufsschauspieler auf der Bühne, die Laiendarsteller sind allesamt hinter eine Glaswand nur als Schatten für den Zuschauer sichtbar. Danach kommen sie mit Schirmen als Sichtschutz auf die Bühne, was die Spannung hebt.
„Ich wollte dass sich meine Darsteller langsam an die Situation auf der Bühne gewöhnen. Deswegen dieses Rantasten“, so Krampe. Umso eindrucksvoller ist dann der Augenblick wenn sich die einzelnen Schirme lüften und die Darsteller ihre Geschichte erzählen.
Auch wenn es für die Schauspieler manches Mal sicher stressig war, haben sie doch vieles in ihrer Zeit bei den Proben gelernt. „Wir haben gelernt, vielmehr auf uns zu achten, die Aussprache und das spielerische Können verbessert. Auch chorisches Sprechen wurde eingeübt, “ sagt einer der Darsteller. Und auch der Regisseur ist sich sicher: „Die Arbeit miteinander ist eine Bereicherung für beide Seiten! Und sie wirkt bewusstseinserweiternd beim Publikum, denn ich zeige soziale Nischen auf, die dem ein oder anderen vielleicht nicht so geläufig sind.“ Wer eine Talkshow erwartet, dem sei gesagt, dass man sich eben genau auf dieses Niveau nicht herablässt.
„Es sind alles Menschen wie jeder andere auch, sie haben alle Ängste und Träume und im Stück werden auch die Schattenseiten angesprochen“, so Krampe. Und so kauft man Krampe auch ab, wenn er sagt, dass er die so unterschiedlichen, mitunter impulsiven und emotionalen Menschen alle „total liebt“.

Die nächsten Termine in der Casa sind: Mittwoch, 29. Mai (mit Publikumsgespräch), jeweils um 19 Uhr; 1., 2., 9., und 30. Juni jeweils um 19 Uhr, sowie: 11. Juli um 19 Uhr.

Fotos: Markus Decker
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