TransFORMation im Kunstraum

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Holger Hagedorn führt ausführlich und mit viel Humor in die Arbeiten ein. (Foto: Renate Debus-Gohl)
 
Uwe Weißbrot verstand es, die Kunstwerke lebendig in seine Musik einzubinden. (Foto: Renate Debus-Gohl)
Essen: Apostelkirche |

Dunkle Fenster, eine halbgeschlossene Tür: Von außen ist an diesem Sonntag nicht zu erkennen, dass im Kunstraum der Apostel Notkirche in Frohnhausen ein ganz besonderer Abend im Gange ist. Erst nach dem Betreten des Vorraumes hört man die Musik des Klarinettenintros und sieht im hinteren Bereich, dem Kunstraum: Da ist was los.

Zu diesem Zeitpunkt ist dem Besucher jedoch das erste Kunstwerk bereits entgangen, doch dazu später mehr. Pfarrer Werner Sonnenberg eröffnet, nach der musikalischen Einführung durch Uwe Weißbrot, die Ausstellung "reFORMation - transFORMation". "Über 15 Jahre wurde mein Engagement für Kunst in der Kirche weitestgehend ignoriert. In der Gemeinde, und die anwesenden Mitglieder können das bestätigen, stieß es sogar auf Widerstand", erinnert er sich zurück, um sogleich seine Freude über die jetzige Öffnung von Gemeinde und der evangelischen Kirche im Rheinland insgesamt für das Thema Kunst zum Ausdruck zu bringen. Das Konzept dazu hat Sonnenberg selbst geschrieben und damit gemeinsam mit einigen Mitstreitern ein großes Projekt angestoßen. Jedes Gremiumsmitglied konnte bis zu fünf Künstler einladen. Aus diesem Kreis wurden in der Folge 11 Personen ausgewählt, die nun ihre Werke zum Thema in der Wanderausstellung präsentieren. Ihren Auftakt nahm die Reihe in Düsseldorf. Dabei wurde schnell deutlich: Jedes Werk hat eine ganz eigene Wirkung und diese variiert je nach Räumlichkeit und Licht. Das macht es für die Besucher noch spannender. Holger Hagedorn, selbst Künstler und Kurator der Ausstellung, gibt an diesem Abend in Frohnhausen eine kurze Einführung zu den einzelnen Stücken, denn viele sind nicht selbst erklärend. Die Künstler haben sich lange mit ihrer Interpretation des Themas beschäftigt und dabei bewusst Spielraum für die Phantasie der Besucher gelassen. Wer dennoch Unterstützung benötigt, kann abseits der Erklärungen Hagedorns auf die ausliegenden Broschüren zurückgreifen. Hierin sind die einzelnen Personen, aber auch die Werke ausführlich und verständlich vorgestellt. "Mein Lieblingsstück ist das Selbstportrait von Konstantinos Angelos Gavrias", erklärt Hagedorn. Das Kunstwerk scheint zunächst nur eine große schwarze Box zu sein. Erst bei näherem Hinsehen wird klar: Da ist ein bärtiger Mann zu sehen. Ist das Jesus? Wohl kaum, doch die Ähnlichkeit des Bildes mit Gavrias ist unverkennbar. "Es ist Acryglas. Das Bild habe ich am Computer nachbearbeitet und dann mit einem kleinen Dummy die Wirkung überprüft. Aber es sieht doch immer anders aus, je nachdem wo es steht", stellt der Künstler den Entstehungsprozess von "Die Versuchung" dar. Lange hat er überlegt, ob ein Selbstportrait in einer Kirche der richtige Weg sein kann, seine Gedanken zum Ausdruck zu bringen und sich dann doch getraut. Nun wurde er dafür, gemeinsam mit zwei weiteren Künstlern, prämiert. Zu finden sind weiterhin die Interpretationen von Christoph Dahlhausen („forming-transforming“), Elmar Herrmann („Shining“), Claudia Kugler („Politics“), Manfred Rennertz („Das große X“), , Shila Khatami („Moiré“), Lydia Nüüd („Transformation Lichtbündel“) und Kristina Stoyanova („Gott als tanzende Frau“ – ausgezeichnet). Leider nicht zu bewundern sind die Sprechperformance von Christian Jendreiko („Im Anfang war das Wort“), ebenfalls ausgezeichnet und die „Licht und Schatten-Harfe“ von Zipora Rafaelov.
"Kunst bereichert immer", findet Andrea Winkler aus der Gemeinde. Sie hat nun fast täglich Gelegenheit die Arbeiten auf sich wirken zu lassen. "Das Häkelwerk von Lydia Nüüd ist richtig schön. Ich assoziiere mit den hellen Farben Wärme und mit den kühlen Farben einen Entstehungsprozess. Man kann auch an Himmel und Erde und deren Verbindung denken", führt sie ihre Eindrücke weiter aus. Elisabeth Geiger steht vor der plastischen Ausarbeitung von Shila Khatami. "Ich habe da was entdeckt. Wenn man von außen hindurch sieht, entsteht ein fast sakrales Fenster", beschreibt die Anwohnerin, die Stammgast im Kunstraum ist. "Ich arbeite selbst gerne kreativ und kann mir hier Ideen holen", ihr Blick geht zu den Häkelspiralen.
Erst beim Verlassen des Gebäudes entdeckt der Besucher das letzte, versteckte Werk von Christian Odzuck („Fagus 2517“), mehr sei an dieser Stelle nicht verraten. Wer selbst auf die Suche nach den Geheimnissen und Überraschungen der Ausstellung gehen möchte, kann dies noch bis zum 9. Juli tun. Geöffnet ist dienstags, mittwochs und donnerstags von 10 bis 17 Uhr, freitags und samstags von 10 bis 13 Uhr und sonntags von 12 bis 13 Uhr.
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