Von Autos, Mücken und Politikern - Ausstellungseröffnung in Frohnhausen

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Doro Ostgathe, Bianca Wickinghoff, Dirk Uhlenbrock und Olav Korth (v.l.n.r) vor der Wand mit Petersburger Hängung.
 
Die Vernissage zieht ein buntes Publikum in die kleine Galerie.
Essen: Galerie Clowns & Pferde |

En route – unterwegs – so heißt die neue Ausstellung, die aktuell in der kleinen Frohnhauser Galerie Clowns & Pferde stattfindet. Und es scheint auch das Motto der Vernissage zu sein, denn die Gäste sind sehr damit beschäftigt, von Bild zu Bild zu schlendern und die vielfältigen Eindrücke auf sich wirken zu lassen.

Mittendrin sind gleich zwei Künstler und eine Künstlerin zu finden, denn dieses Mal handelt es sich um eine Gruppenausstellung. „Total spannend“, finden sowohl Olav Korth als auch Doro Ostgathe und Dirk Uhlenbrock. Galeristin Bianca Wickinghoff zeigt sich begeistert: „Es war schon in der Vorbereitung sehr unkompliziert. Noch nie haben die Bilder für eine Ausstellung so schnell gehangen“, berichtet sie. Von Allüren also keine Spur. Wickinghoff hatte im Vorfeld bereits überlegt, dass jeder der Drei eine Wand für sich bekommen sollte. An den anderen Wänden mischen sich die Werke. Doro Ostgathe hat an diesem Abend noch einige Mappen mit weiteren Bildern mitgebracht, zudem steht ein Plakatständer in einer Ecke in dem weitere Poster enthalten sind. Stilistisch sind Uhlenbrock, Ostgathe und Korth gut auseinander zu halten. Zwar eint sie die grundsätzliche Richtung ihrer Werke, es sind alles Comicstrips, Illustrationen und Zeichnungen, doch in Machart, Aussage und Farbgebung kommen die individuellen Noten zum Tragen.
Eine weitere Gemeinsamkeit gibt es: Alle drei stellen nur selten aus. Ein besonderer Gewinn für die heimelige Galerie in Frohnhausen, die genau durch diese Beschreibung attraktiv für die Ausstellenden war. „Außerdem ist Bianca so nett. Und man kann hier so schön sitzen wie im Kiez“, befindet Doro Ostgathe, die nur eine kurze Anfahrt hatte, denn sie kommt aus dem nahe gelegenen Rüttenscheid. „Ich mache meist Illustrationen nach Auftrag und stelle selten aus. Wenn, dann aber nur im Ruhrgebiet“, erklärt sie. Die beiden anderen Künstler lernte Ostgathe erst in der Galerie persönlich kennen, einige der Arbeiten hatte sie jedoch schon im Vorfeld gesehen. „Die große Wand sieht toll aus“, findet sie und spielt damit auf die Wand im Hauptraum der Galerie an, wo sich die Bilder der einzelnen Personen zu einem bunten Potpourri mischen. „Das nennt man Petersburger Hängung“, erläutert Wickinghoff später. Die Stücke von Doro Ostgathe erkennt man daran, dass sie „immer mit Menschen oder Tieren zu tun haben“. „Das zieht sich bei mir so durch“, sagt Ostgathe,„ Aber ich verwende unterschiedliche Techniken, beispielsweise Buntstifte, Ecoliner, Federn oder auch deren Kombination.“ Eine weitere Besonderheit: Sie kombiniert eigene Fotos mit Zeichnungen und erschafft so neue Realitäten. „Mein eigenes Lieblingsbild ist der Junge mit der Mücke“, verrät Ostgathe.
Dirk Uhlenbrock hat einen anderen Ansatz. Noch sitzt auf der Außenfensterbank der Galerie, genießt die Abendsonne (und einen schnellen Döner auf die Hand), bevor der Trubel rund um die Ausstellung richtig beginnt, denn er war bis kurz zuvor noch an anderer Stelle aktiv. Später, nach dem Umzug in einen der Korbstühle auf dem Gehweg vor Clowns & Pferde, berichtet er von seinem Büro in Werden. Dort ist er seit 2000 selbstständig und hat in den letzten Jahren verstärkt auf Social Media gesetzt, um sich und sein Angebot zu bewerben. So hat ihn auch die Galeristin gefunden und Kontakt aufgenommen. „Ich komme vom Zeichnen, mache aber alles an Grafiken und biete dazu auch gerne Illustrationen an, wenn das sinnvoll ist“, erklärt Uhlenbrock sein Geschäftsmodell. Zum Zeichnen kam er schon in der Kindheit, an der Kunstakademie wurde er jedoch nicht angenommen, obwohl seine Verwandten alle einig waren: Der Dirk muss Kunst studieren. So begann Uhlenbrock ein Studium im Bereich Kommunikationsdesign und landet mit der aktuellen Ausstellung doch wieder bei seinen Wurzeln. „Das finde ich sehr spannend“, gibt er zu. Besonders am Herzen liegen ihm seine fiktiven Filmplakate rund um Monsieur Hulut und die Autoreihe, die er gezeichnet hat. Auf einem der Bilder hat er kurzerhand seinen Großonkel in einen Audi der 60er-Jahre gesetzt. „Der hatte damals so einen Wagen. Die Idee kam mir im Stau und mit der Serie habe ich für mich die 60er-Jahre aufgearbeitet.“ Obwohl es die erste Ausstellung mit mehreren Künstlern ist, an der Uhlenbrock teilnimmt, zeigt er sich gelassen: „Wir sind alle sehr uneitel“, befindet er.
Das zeigt sich auch im Gespräch mit dem Dritten im Bunde, Olav Korth. Er bezeichnet seine Bilder als „Kram“. Jede Woche zeichnet der Kölner Comicstrips für die Berliner Wochenzeitung. „Das heißt mir muss immer montags eine Idee kommen und ich muss Lust haben, zu dem Thema etwas zu sagen“, erklärt er. Dafür kann er „sich austoben“, denn Einschränkungen gibt es nicht. Es entstehen Bilder, die Wickinghoff mit „kernig“ beschreibt und die einen weiteren Kontrast zu den Werken von Ostgathe und Uhlenbrock bilden.
„Ich finde die Kombination toll“, sagt Wickinghoff, die sich an diesem Abend wieder einmal über eine gut gefüllte Galerie freuen kann und hofft, dass die Werke auch weiterhin so gut ankommen: „Die Preise sind sehr erschwinglich.“ Schon klebt sie den ersten roten Punkt auf ein Bild und die Autoserie von Korth dezimiert sich, wenngleich die Bilder natürlich bis zum Ausstellungsende hängen bleiben.
Wer die Lieblingsstücke der Ausstellenden in der Galerie suchen möchte und neugierig auf die Werke von Dirk Uhlenbrock und Olav Korth geworden ist, der hat noch bis zum 26. August Gelegenheit donnerstags von 18 – 20 Uhr oder samstags zwischen 11 und 13 Uhr in der Galerie an der Frankfurter Straße 33 vorbeizuschauen.
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