Brandgefährlich - Handy und Netzwerke...

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Gesamtschule Bockmühle: Vierte Bombendrohung, Cyber-Mobbing und mehr!

Es ist klein, handlich. Beinahe jeder hat es. Kinder werden damit groß. Erwachsene tun sich ab und zu damit schwer. Fast alle macht es süchtig. Fluch oder Segen - das Handy; die sozialen Netzwerke? Denn nur einige Worte per Mail können eine ganze Schule lahm legen. So kürzlich die vierte Zündstoff-Drohung an der Gesamtschule Bockmühle. Wie geht das Lehrerkollegium damit um…

Was bewirkt eine anonyme Mail mit den verfluchten Worten „Bombe – Detonation…“ Bei 1500 Schülern? „700 teilen das mal eben zu Hause mit. Eltern sorgen sich. Rufen in der Schule an: Was ist da los? Behindern die Arbeit von Polizei und Co., die was Sinnvolles machen“, verdeutlicht Klaus Prepens, Schulleiter.

Über die enormen Risiken medialer Angebote informiert seit langem die Bockmühle ihre Jugendlichen. Vier Sozialpädagogen sensibilisieren die Schüler. „Das Problem im Sozialen Netzwerk ist, immer verbunden, jederzeit informiert zu sein. Jeden Blödsinn zu veröffentlichen, sich interessant zu machen. Früher gab es das Foto von der Klassenfahrt. Heute beispielsweise das Bild der Schülerin oder des Lehrers in der Umkleidekabine. Binnen Minuten ist es im Internet millionenfach verbreitet, kommentiert, weitergeklickt. Und – das Netz vergisst nichts! Nicht alles, was sichtbar ist, darf fotografiert und veröffentlicht werden…“, betonen Prepens und Anja Laaks, Sozial-Pädagogin. „Sicher, früher gab es auch Gerüchte. Heute werden aber Gerüchte über die „dicke Petra mit dem pummeligen Peter, “ ins Netz gestellt; Mobbing ist raus, ratz fatz saust die Meldung um die Welt.“ Die Lehrerin ergänzt: „Sinnvolles Umgehen mit dem Handy ist angesagt. In der Schule beim Lernen rausnehmen; sonst bleibt es in Tasche.“

Lange Zeit gab es an der Altendorfer Gesamtschule absolutes Handyverbot. „Wurde es gesehen, gehört - abgenommen. Eltern mussten es hier abholen. Jetzt die Anweisung: Wird das Handy für den Unterricht gebraucht, herausnehmen; sonst aus; erlaubt in der Pause, um Musik zu hören. Bei Klassenarbeiten bleibt das Handy aus, sonst Einzug. Eltern wird es nach einem Gespräch mit dem Lehrer ausgehändigt. So manches Handy wurde nicht abgeholt“, weiß Prepens. Ferner, das Handy-Argument von Eltern: Wenn was passiert… wischt er weg: „In Notfällen ruft der Lehrer oder die Sekretärin die Eltern an…“

Handy und Netzwerke – ein generelles Schul-Problem, unterstreicht der Schul-Boss. Er verteufelt es nicht total. „Doch jede Freiheit birgt auch Gefahren.“ Deshalb gibt es an der Bockmühle für einzelne Konflikte bestimmte Präventionsmaßnahmen wie Klassenrat, eine Plattform. Der Fall wird zusammen besprochen, demokratisch gelöst.

Schwieriger wird es beim Cyber-Mobbing – das Anpöbeln, Fertigmachen, Bedrohen, Bloßstellen, Belästigen von Personen über einen längeren Zeitraum - im Internet oder mit dem Handy. Das Schwerwiegende: Der Text verbreitet sich rasend schnell vor riesigem Publikums; oft nicht mehr zu entfernen…

„Wir machen Fortbildung für Lehrer. Und Elternabende, um sie mit ins Boot zu nehmen – damit sie wissen, wie man mit den sozialen Netzwerken umgeht. Ältere Schüler werden als Fachleute, sogenannte „Medienscouts“ - für die sozialen Netzwerke ausgebildet für jüngere Schüler. Sie sind Ansprechpartner, leisten Aufklärungsarbeit: Wie gehe ich mit Cybermobbing um? Was darf ich mit welchem Inhalt über Social Media verbreiten? Was nicht?

Zusätzlich finden die „Medienscouts“ jederzeit feste Ansprechpartner bei ihren Lehrern. „Das beginnen wir aufgrund der aktuellen Problematik. Wir wollen mehrgleisig fahren. Wichtig ist uns, dass die Menschen mit den Möglichkeiten, die sie haben, verantwortungsvoll umgehen. Dass sie Anderen nichts zumuten, was sie sich selbst nicht antun würden. Immer überlegen: Was bewirke ich mit meiner Information…“? fordert eindringlich Schul-Chef Prepens.


Cyber-Mobbing
Rund jeder vierte Teenager wurde über das Internet oder Handy belästigt oder kennt Personen im Freundeskreis, die ebenfalls über Internet oder Handy belästigt, beleidigt, bedroht wurden. Cyber-Mobbing ist längst ein Alltagsphänomen für viele Jugendlichen geworden; somit zu einer Herausforderung für Eltern, Lehrer. Der Mangel an Kenntnissen und Erfahrungen mit diesem Alltagsphänomen erschwert häufig den sachgerechten Umgang mit den modernen Kommunikationsmitteln.


Fotos: Michael Gohl / West Anzeiger Essen
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 19.03.2013 | 18:44  
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