Das Paradies gibt es

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Nicht nur der pralle Apfel ist im Altendorfer Paradies der große Verführer...Fotos: Norbert Rittmann
 
Guck mal die dicken Himbeeren. Vera und Alois Ilas in ihrem Paradies auf Erden.
Sie heißen nicht Adam und Eva sondern Alois und Vera!

Ich bin ungläubig. Ein Paradies hier auf Erden? Wo denn… Es liegt vor unserer Tür. Im Altendorfer Norden. Sobald sich die Tür öffnet, steht der Besucher in einer anderen Welt. Die „Gastgeber“ sind von Statur eher klein; strahlen sofort große Herzenswärme aus. Ich komme mit leeren Händen. Doch beschenkt werde ich wie im Wunderland. Das Geheimnis von Alois und Vera? Hier ist es…

Der Tipp kommt von Norbert Rittmann, preisgekrönter Fotograf. Der Altendorfer staunt: „So etwas habe ich noch nie gesehen. Den Garten von Vera und Alois Ilas muss man erleben.“

Treffpunkt Rüselstraße, Kleingartenanlage. Das blaugestrichene Törchen öffnet der 77-jährige Alois mit einem fetten Schmunzeln. Wir stehen fast mitten im gelb blühenden Busch. „Stolzer Heinrich. Den kennt kaum noch einer.“ Warum? „Die Leute haben kein Interesse. Die Blumen wollen gepflegt werden. Man muss sie stützen, sonst wachsen sie himmelhoch, dafür sind sie zu schwach wenn es regnet. Bei Nässe klappen sie zusammen.“

Jungfräulich unschuldsweiß wachsen Callas um die Wette. Sommerastern überbieten ihre Farbenpracht – gegenüber warten bereits Winterastern auf ihre Knospen. Verführerisch locken gelbe Nachtkerzen. „Die Blüten sind essbar.“ In Dahlienblüten tummeln sich Bienen, die Alois zart streichelt. Aber auch Spitzkohl-Riesenköpfe, Rhabarber unter Regenschirm großen Blättern buhlen um Zuspruch. „Zuckererbsen kann man mit Haut und Haaren essen. Möhren, Rote Bete, dicke Köpfe Herbst- Wintersalate warten aufs Pflücken. Ach guck mal: Himbeeren, Stachelbeeren, Blaubeeren, Jostabeeren, Johannisbeeren. „Erdbeeren. Wenn man die jungen Pflanzen jetzt in die Erde setzt, erholen sie sich, tragen nächstes Jahr Früchte.“

Eingebettet im himmelblauen Vlies-Häuschen wächst strammer Porree. „Mit dem Ertrag waren wir im letzten Jahr unzufrieden. Das Gemüse war ungenießbar. Voll Würmer und Ungeziefer.“ Eine Augenweide die roten Kartoffeln. „Schmecken sehr lecker.“

Norbert Rittmann ist schier überwältigt von der Gartenpracht. Er weiß mittlerweile:
„Kein Grün verlässt diesen Garten, wird nicht in Säcke gepackt.“ Alois verrät: „Ich werfe nix weg. Alles wird zerkleinert. Kommt in die Erde.“

So auch ein 14 Meter Tannenbaumstamm. Rittmann erinnert: „Ich wusste nicht wohin damit. Ein Nachbarn sagte mir: Alois kann Holz gebrauchen. Innerhalb von zwei Tagen hatte Alois den Stamm gespalten, klein gemacht, auf den Boden verteilt.“ Apfel-, Birnenplantagen, Quitten tragen pralle Früchte. Weinbeeren - blaue und grüne - wetteifern mit Tomaten um Dicke. Ein Baldachin mit über tausend Kiwis dient als Sonnenschutz.

Hilfe! Das und vieles mehr muss doch alles „verarbeitet“ werden. Wie schafft das Ehepaar das? Seit wann wird die 530 qm-Pracht-Parzelle beackert?

„Wir kommen aus Slowenien. Die Eltern lebten in der Kriegszeit in Deutschland, der Schwiegervater arbeitete bei Krupp. Sein Sohn, also Alois, kam als 24-jähriger nach Niedersachsen“, verdeutlicht Vera Ilas. „Er wollte dort nur ein halbes Jahr beim Bauern während der Spargelzeit bleiben. Daraus sind 53 Jahre geworden.“ Denn nach drei Jahren holte er seine Vera nach Deutschland; zwei Kinder wurden in Essen geboren.

Mittlerweile zählt Vera 73 Lenze. Wie entstand die Liebe zum Garten? „Die Schwiegereltern besaßen einen großen Bauernhof.
Daher kennen, schätzen, lieben wir die Natur. Und die ist wunderschön. Man darf wirklich nicht unzufrieden sein. Wir lieben und pflegen auch alles. Schade, dass viele Menschen die Natur mutwillig zerstören.“

Bewusst in und mit der Natur leben die Zwei in ihrem Wunder-Garten; bestaunen Kaki-Früchte, wie hart die im Nehmen sind. „Die können Eis und Schnee vertragen.“ Alois klotzt mit immer frischen Ideen. „Dieser Apfelbaum trägt vier unterschiedliche Sorten, alle veredelt.“ Hit ist auch die Erdbirne, die an Ingwerwurzeln erinnert. „Viele brennen davon Schnaps – auch für Diabetiker geeignet.“

Wasser ist zum Waschen da? Nicht nur. Gemüse, Obst, Blumen dürsten nach Flüssigkeit.Der Laubenpieper lächelt: „Regenwasser fang ich im Brunnen auf. Ich habe zwei Behälter.“

Ja, und das Paradies auf Erden. „Vor einer halben Stunde wuchs das Gemüse, der Salat noch in der Erde. Jetzt frisch auf dem Tisch“, lachen die Ilas. Und das Einwecken? „Macht doch Spaß. Pure Natur in den Gläsern. Ohne Chemie.“ Mit und in der Natur leben, zu arbeiten, schenkt diesen Essener Garten-Granaten reichlich innere Zufriedenheit und Ruhe…
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5 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 26.08.2015 | 11:22  
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Günther Gramer aus Duisburg | 27.08.2015 | 10:14  
8.505
Jochen Menk aus Oberhausen | 27.08.2015 | 18:47  
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Anja Schmitz aus Essen-Süd | 27.08.2015 | 20:33  
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Dagmar Drexler aus Wesel | 28.08.2015 | 05:54  
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