Der "kinderleichte" Autor

Anzeige
  Jörg Stanko - mit außergewöhnlichen Geschichten!

Na, wie stellen Sie sich einen Kinderbuchautor vor? Vielleicht wie den Essen-Wester Jörg Stanko? Jahrgang 1968, kein Milchgesicht, sportlicher Typ. Vater eines elf-jährigen Sohnes, den er abgöttisch liebt. Eben - und aus dem großen Gefühl entstanden seine ungewöhnlichen Kinderbücher. Nicht nur. Jetzt erschien sein erster Roman. Fortsetzung ist fertig…

Es war einmal… Nö, das ist nicht der Lesestoff von Jörg Stanko. Sein erstes Buch „Die große Reise“, erschienen 2004, beginnt bereits ungewöhnlich mit der ersten Seite: „Für Julius… und für alle Kinder und alle Väter, die wissen, dass man sie nicht voneinander trennen kann.“ Mit warmherzigen Illustrationen von Astrid Pomaska. Zehn-seitig, echt stark, die es in sich haben. Sie vermuten richtig. Stanko will verdeutlichen: „Egal was passiert zwischen Mama und Papa, das emotionale Verhältnis verändert sich zum Kind nicht. Wir trennten uns nach wenigen Ehejahren.“

Leider – einen Garantieschein auf ewige Liebe trägt keiner in der Tasche. Wie geht man aber mit der „getrennten“ Situation um? Stanko fand für sich keine zündende Fibel. Da der gelernte Therapeut, der „ansonsten Lahmen und Kranken hilft, ihre Krücken von sich zu werfen“ - schon immer leidenschaftlich gern schrieb wie Kolumnen, kürzere Prosatexte – wuchs gemächlich seine zärtliche Geschichte zum Träumen: Über Träume, die aber keine Schäume sind. Über Begrenzungen, die durch die Liebe und die Phantasie überwunden werden können. Über Julius und Papa, die sich zwar nicht jeden Tag sehen. Aber was und wie sie trotzdem zusammen (er-)leben. Ein Büchlein für Kindergarten-, Grundschulkinder, auch für betroffene Väter, um das Buch mit ihrem Kind gemeinsam zu lesen.
Sein Credo: „Meistens findet das Treffen mit den kleinen Lieblingen am Wochenende statt. Aber wenn auch nicht tägliches Sehen möglich ist, ändern sich die starken Gefühle doch nicht!“

Folglich entstand Buch Nummer 3: Ein witziger, nachdenklicher 17-seitiger Lesestoff „Immer wieder Papawochenende!“ Wild und ein bisschen traurig. Schließlich folgt nach Sonntag garantiert der Montag…Die Barriere „Sprachlosigkeit“ darf nicht entstehen – sondern seine Bücher sollen als Hilfestellung dienen. „Mir liegt daran, dass die Vaterliebe genauso bewertet wird gegenüber Kindern wie Mutterliebe. Heute werden noch immer Mütter als die besseren Menschen gesehen, das halte ich für ein großes Gerücht. Väter haben da nicht wirklich eine Lobby.“

Doppeltes Hingucken beim Thema seines zweiten Buches. „Es geht um Tod und Sterben.“ Für Kinder? Der 43-Jährige schmunzelt. „Wir hatten einen Hund. Der ist gestorben. Meine Eltern begruben ihn. Wir standen am Grab. Mein Sohn fragte: Wo ist jetzt der Hund? Meine Mutter zeigt nach unten. Ich stand daneben, zeigte gen Himmel: Da oben…“

Rückblickend: „Ich hätte es besser machen können. Aus der Idee entstand darum „Flieg Hilde, flieg!“. Eine mutig, mächtige Geschichte. Die Kinder erfahren etwas über Kühe in Indien, über Blumendünger, über den Herrn Jesus, über die Seele, über das Rad von Leben, Tod und Wiedergeburt, Schnabeltassen und Lakritze. Ein heiterer, gelassener, angstfreier 14-Seiter.

Da die Schreibe von Jörg Stanko ankommt, liegt just sein erster Roman in allen Büchereien auf den Tischen: „Wie ich einen ostpreußischen Superhelden erfand“. Ungewöhnlich, nicht wahr? „Ja, der rote Faden ist eine Liebesgeschichte. Meiner Großeltern. Sie beginnt in Ostpreußen.“ Und endet beim Leser mit Tränen. Wie beim Opa, der 40 Jahre später noch immer feuchte Augen beim Erzählen bekam.

Klar, ein neues Manuskript von Jörg Stanko liegt schon beim Verlag. „Ein Roman über Männer in der Midlife-Crisis. Ein lustiges Buch...“
Sechs Buchstaben – Stanko – sollte man sich merken. Es folgen bestimmt noch mehr Bände – denn die Bandbreite des Lebens ist bekanntlich riesig.

Fotos: Michael Gohl / West Anzeiger
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.