Flüchtlinge bauen im Rekord Häuschen

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Im Übergagswohnheim Raumerstraße erklärt Sonja Ravagni, Leiterin der Einrichtung und gelernte Schreinerin, Flüchtlingen, wie Häuschen gebaut werden - für anschließend fröhliches Gezwitscher. Danach folgen Gartenmöbel... Fotos: Gohl
 
Künstlerin Ulla Garde (2. li.) mit Gatte und Kristin Heinrichs - Sozialarbeiterin - freuen sich gemeinsam riesig über 4310 Euro, die der "Engel Ulla" dem Übergangsheim Raumerstr. schenkt, damit Flüchtlinge was Sinnvolles arbeiten.
Selbst ist der Mann – im Frohnhauser Übergangswohnheim tut sich einiges!

Raumerstraße 61. Seit Monaten wohnen hier 59 Flüchtlinge aus sieben Nationen, darunter 18 Kinder. Vor dem Gebäude herrscht Stille. Am Eingang stehen mehrere Männer – sehen meinen fragenden Blick. „Geradeaus, dann links!“ Ja, hier muss es sein. Sägen, Hämmern! Mittendrin strahlt Engel Ulla, „blättert“ 4310 Euro auf den Tisch. Verschenkt doch tatsächlich ihr Geld. Lacht sich ‚nen Ast ab. Freut sich über viel Holz…

Ulla Garde fühlt sich wie im Himmel. Ihr heißer Wunsch geht in Erfüllung. Der ist außergewöhnlich. Die ehemalige Mathe- und Sportlehrerin erzählt: „Mit 50 Jahren quittierte ich den Schuldienst. Neuanfang mit Jin Shin Jyutsu. Dann meldete ich mich an Malschulen an.“ Nach sieben Jahren wagte sie die erste Ausstellung mit 80 Bildern. Flugs wurden ihr davon 24 Kunstwerke aus der Hand – besser - von der Wand gerissen, vorher natürlich bezahlt.

Was macht die Künstlerin mit dem Moos?
Tja, sie schenkt alles - 4310 Euro - an das Caritas-Team der Flüchtlingshilfe, Raumerstraße! Finanziert damit erstmalig an Ort und Stelle ein Handwerker-Projekt für Bewohner.

Göttlich – sie wird von allen angehimmelt. Kristin Heinrich, Sozialarbeiterin sowie die Leiterin der Einrichtung, Sonja Ravagni, gelernte Schreinerin, sind überglücklich. Savagni verdeutlicht: „Ich hatte die Idee, dass man mit dieser großen Spende Gartenmöbel für die Terrasse bauen kann. Das Modell, Tisch mit Bänken, steht nebenan. Alle Flüchtlinge sind Feuer und Flamme. Doch gemach…

„Jetzt bauen wir erst Vogelhäuschen, um die Bewohner schon mal an Holzarbeiten zu gewöhnen.“ Damit es nicht heiße Debatten gibt, werden immer zehn Erwachsene ausgewählt. Die Bauanleitung für den Höhlenbrüter-Kasten NaBu – Naturschutzbund Deutschland – liegt auf dem Tisch. Kann also nichts schief laufen. „Super, Hassan, perfekt!“ Die Leiterin ergänzt: „Die Häuschen werden zum Teil hier auf dem Gelände aufgehängt; langfristig vielleicht auf dem Frohnhauser Markt verkauft.“

Begeistert hämmert auch Azdachiv Hasan. Seit sechs Monaten wohnt der Syrier hier. „Meine Familie lebt noch im Irak. Ich bekomme nun eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre; daraufhin stellte ich einen Antrag, dass meine Familie nachziehen darf. Doch bis der genehmigt wird, das kann dauern…“ Entmutigen lässt er sich nicht. Der 35-Jährige besucht fleißig an einem Tag zwei Deutsch-Kurse. „In Syrien war ich Elektriker. Studierte dann Soziologie; bin aber noch nicht fertig. Ich möchte hier in Deutschland zu Ende studieren, allein um das Wissen zu haben. Dann aber als Elektriker arbeiten.“ Wie findet er das Schreiner-Projekt? „Super Idee.“

Quasi als Dolmetscher hilft an allen Ecken und Enden Akram Joukhay. Immer wieder wird Akram Joukhay zu Hilfe gerufen. Der 64-jährige PHD Bauingenieur ist ein Sprachgenie. „In Syrien lernte ich Deutsch; ich spreche Englisch, Französisch, Russisch, romanische Sprachen…“ Seit fünf Monaten lebt er in dem Übergangswohnheim. „In wenigen Tagen bekomme ich die Aufenthaltsgenehmigung“, hofft er.
Sonja Ravagni schwärmt: „Er trägt mehrere Berufstitel, wovon wir nur träumen können.“ „In Aleppo hatte ich ein eigenes Büro mit Labor. Alles kaputt. Mit meiner Frau und den erwachsenen Kindern freuen wir uns auf Beschäftigung. Ich möchte hier arbeiten. In Essen bleiben. Gerne als Übersetzer…“

Mit leuchtenden Augen beobachtet das Schrauben, Klopfen, Sägen Markus Siebert, Caritas-Verband Essen. „Eine tolle Sache. Wir brauchen dringend Freizeitbeschäftigung für die Flüchtlinge. Handwerkern mit Holz törnt immer Männer an. Männer stehen auf Holz. Diese Art der Beschäftigung, was Sinnvolles aus der Sache herauszuholen, finde ich super.“
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