Geflüchtet, verstört...."Aufrichten!"

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Diese Kinder haben schweres Leid in ihrer kleinen Kindheit erfahren - an selbstgebauten Papphäusern legen sie ihre Sehnsüchte offen... Foto: Schattberg
 
Sandra Wessels (hintere Reihe re.) mit Achim Bronner (unten re.) Leiter des Apostel Jugendhauses sowie Betreuer helfen geflüchteten Kindern nach grausamen Erlebnissen wieder durch Tanzen, Malen, Basteln beim Projekt "Aufrichten" ein Stückchen ihre Seele zu stärken. Foto: Schattberg
Tanztherapeuten treffen mitten in kleine kranke Kinderherzen....!

Staunen immer wieder über Achim Bronner, seit 22 Jahren Leiter Apostel-Jugendhaus, Essen-Frohnhausen. Was hat der für ein Händchen, Herz für Kinder, Jugendliche. Mal bringt er die Kinder-Uni ins Haus. Gesprächsstoff weit über Essener Grenzen. Jetzt „Aufrichten“ Einblicke in ein einzigartiges Projekte bei traumatisierten Flüchtlingskindern. Der West Anzeiger ist zunächst sehr skeptisch…

Denn da spielt heiße Liebe die Hauptrolle. Bronner erinnert: „Seit 2016 kümmerten wir uns um Flüchtlingskinder im Zeltdorf Hamburger Straße. Plötzliche Auflösung. Einige Familien bekamen Wohnungen. Mussten die schnell räumen wegen Baumängel. Umzug. Die Kinder waren wieder verstreut. Einige wohnten am Funkturm. Andere im Flüchtlingsheim Münchener Straße…“

Doch das Apostel Jugendhaus sucht stets Kontakt mit diesen Kindern, Erwachsenen. Wie jetzt…“In den Ferien treffen sich 8-12 Jährige, 14 Geflüchtete, aus unserer Einrichtung sieben Kinder, zum zwei Wochen-Projekt „aufrichten“! Damit wir trauma-sensibel arbeiten können, haben wir zwei Kunsttherapeuten beschäftigt: Tanztherapeuten Sandra Wessels und Dirk Weißhuhn. Abgesegnet mit Zuschüssen vom Land; über die AG „offene Türen“…

Vorher Kennenlernen. „Kinder, die auf unglaublich weiten Wegen ihre Heimat hinter sich gelassen haben. Um zu uns zu kommen…Wie Achmed“, erinnert Sandra Wessels, Tanztherapeutin. „Der sechs-Jährige erfuhr Krieg, Gewalt in drei Jahren Flucht zu Fuß mit den Eltern. Er kennt keine richtige Kindheit.“
 
Die Kids kommen aus Syrien, Afghanistan, dem asiatischen Raum. Menschen in Not. Hinzieher ins Apo-Haus sind Ausflüge, Kinder mit Eltern, zum Freizeitpark Kalkar, Kernwasserwunderland sowie zum Indoorspielplatz „Pippolino“. „Alle 21 Kinder kamen - auch Erwachsene.  Ein Tag später jedoch nur die Hälfte“, bedauert Achim Bronner.

Tja, man spürt, diese Kinderherzen sind sehr krank…Gerade wurden im Apo-Jugendhaus noch Papphäuser gebaut. Im Nu stehen sich zwei 8-Jährige wie kleine Ziegenböckchen millimeternah gegenüber. Droht Eskalation? Sandra Wessels hat die beiden sofort im Blick. Wie eine Mutter nimmt sie beide im Arm. Spricht leise, ruhig mit ihnen. „Gestern beim Ausflug habt ihr euch doch so gut verstanden. Und jetzt?“ Einer muss wohl am Papphaus was beschädigt haben…Am Eigentum!! Bei beiden Kindern sind die Augen finster. Starrer Blick. Tränen wollen kommen; versiegen.


Doch dann siegt wieselflink Sandra Wessels Aufruf zum Tanzen, Bewegen. Plötzlich sind neun kleine Erwachsene wieder alberne Kinder. Lachen, schießen Purzelbäume. Umarmen sich. Wunder-schön. „Wir machen trauma-sensible Stärkungsarbeit.“ Wessels mit Dirk Weißhuhn und Betreuern versuchen, das Selbstwertgefühl bei diesen Geflüchteten wieder aufzubauen. Wessels, die – Zack – Herzenswärme, Geborgenheit ausstrahlt. „Die Kleinen treffen auf verschiedene Religionen, erleben Konflikte in Heimen. Sie verloren ihre Heimat, haben Ängste. Sie erleben untereinander viel Konfliktpotential, verschiedene Sprachen.

Die kreative Leib-, Kinder- und Familientherapeutin bilanziert: „Wir arbeiten mit viel Tanz, Musik, Malen. Dabei können die Kinder ihre Ängste, Probleme ausdrücken. Wie beim Hausbau aus Pappe - ihre Sehnsucht zeigen. Da werden Swimmingpool, Garten, Spielfläche integriert. Sie suchen eine neue Heimat, einen sicheren Ort, der ihnen verloren gegangen ist. Wir greifen die Kinderängste auf, nehmen sie ernst. Alles, was sie erlebt haben, dürfen sie ausdrücken, sonst bleibt es im Kopf, Körper. Im geschützten Raum dürfen sie Kind sein, damit ihre Herzen ein Stückchen Heilung erfahren.“

Strahlende Augen bei Wagma. „Mir macht das Schmetterling-Basteln viel Spaß. Sandra ist so lieb, umarmt uns oft, ist sehr wertschätzend!“ Ehrenwort: "Wertschätzend" sagt die 11-Jährige aus Afghanistan!

„Aufrichten“ überlebenswichtig für die gesamte Gesellschaft. Für gelungene Integration.
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 30.07.2017 | 18:06  
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