Gemeinschaftsgärten - ansteckender Bio-Boom

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Lust auf Mitmachen, Anbauen, Pflücken statt: Betreten verboten... Diese über 1000 qm Fläche in Altendorf wartet auf Mithelfer. Fotos: Schattberg
 
Was wächst denn da? Udo Seibert, begeisteter Gemeinschaftsgärtner im Nachbarschaftsgarten Diergardtstraße, zeigt Jutta Pentoch, Ratsfrau, was in Frohnhausen aus dem einst knochenharten Boden alles sprießt.
Mitmachen, Anbauen, Pflücken erlaubt für jedermann! Nach Frohnhausen – nun Altendorf...!

38 Grad! Treffpunkt auf der dörren Fläche in Altendorf, Ohm-/Kopernikusstraße. Puh, Garten? Gar Gemeinschaftsgarten? Wo? Braungelbe Wüste. Die frischen Gartenwühler beschwichtigen: „Seit März versuchten wir, den Antrag durchzubekommen.“ Endlich! Genehmigt am 18. Juni in der BV III. Alles hat seine Gründe. Schwerwiegende. Dagegen ist die Gemeinschaftsfläche in Frohnhausen schon ein prächtiges Pflanz-Paradies.

Die Luft flirrt. Doch munter stehen auf der tristen, über 1000 qm Fläche in Altendorf Wiebke Jünger, Petra Huber und Oliver Deppe. Treffen mit Bezirksbürgermeister Klaus Persch und Ratsfrau Jutta Pentoch. Wo sind Schattenspender? Kaum. Ringherum wirres Strauchwerk. Ackern hier? Ja! Nachdem in Zusammenarbeit Grün und Gruga, BV III u. a. Bodenproben ausgelotet wurden.

Wie soll da Gemeinschafts-Garten gehen? „Wir dürfen nur an Hochbeeten arbeiten; der Boden ist schlecht. Ehemaliges Gelände der Krupp Loren-Fabrik, mit viel Schutt und Asphalt“, bestätigt Wiebke Jünger. Aha.

Jedenfalls ist der Name für den Gemeinschaftsgarten, bisher fünf Mitglieder, geboren: „Loren-Garten“.

Nach ökologischen Richtlinien soll auf der noch tristen Kante ein urbaner Garten entstehen.
„Gruppen wie Kindergärten, Schulen, Vereine, Flüchtlinge, die sich beteiligen möchten, bieten wir die Möglichkeit, mitzumachen, dass hier etwas Fruchtbares passiert. Wir sehen das als gesellschaftsbildend an, indem man Kontakte knüpft, sich mehr mit dem Stadtteil verwurzelt. Unterstützer mit Sachspenden sind herzlich willkommen“,
wünscht sich Wiebke Jünger, 28, freiberufliche Kommunikations-Designerin. Beipflichtung von Petra Huber, 52, Fachpädagogin sowie Oliver Deppe, 49, Auslieferungsfahrer. Sie sind Teil der ‚Transition-Town-Essen‘. Motto: Städte im Wandel.

Hauptproblem ist fehlendes Wasser. Woher das Nass nehmen? „Ein Brunnen wäre ideal“, sagt Petra Huber. „Wäre eine langfristige Institution. Aber wie tief liegt das Grundwasser?“ Beim Wort Brunnen strahlt Klaus Persch. Besonders bei der Hitze. Unter der Kastanie könnte er sich liebend gern eine Bank vorstellen…

„Im Herbst werden wir jedenfalls Beerensträucher pflanzen. Ideen haben wir genug“, versprechen die Initiatoren. Interesse? lorengarten@posteo.de

Moment! Neugierig auf den Gemeinschaftsgarten Diergardtstraße?

Hereinspaziert! Der Garten ist umsäumt von Bäumen. Eine Wohltat bei der Glut von Klärchen. Das Schild „Nachbarschaftsgarten“ lockt. Udo Seibert strahlt. „Die Nachbarschaft bis hin zur Kerckhoffstraße, zum Frohnhauser Markt, kommt öfter. Jeder, der Lust hat, darf mitmachen beim Gärtnern und Ernten. Leider ernten aber zu wenig. Man muss sie animieren.“

Voll Leidenschaft sprudelt er los, zeigt herrlichen Pflücksalat, duftende Kräuter, Pfefferminze, Fenchel, Blumen. Alles, was das Herz begehrt. „Zuckererbsen! „Die wurden bereits geerntet – beginnen gar wieder zu blühen…“ Massig Mangold, Rote Beete, Stangen-, Buschbohnen, Spitzkohl, blühende Erdbeeren. Seibert pflückt Himbeeren „Die werden unter guten Bedingungen zwei Meter hoch, absolut madenfrei!“

Woher das Geld? „Null-Unterstützung!“ betont Gartentalent Seibert. „Lediglich das Treibhaus kam vom Kreisverband der Linken. Das gesamte Werkzeug bettelten wir uns zusammen. Himbeeren durften wir bei Freunden in Hamminkeln ausbuddeln; Johannisbeeren wurden uns von Nachbarn geschenkt. Einiges erhielten wir von den „Ackerhelden“, Essen-Rüttenscheid.“

Ach, eine „Unkrautecke? „Ja, so war das hier überall. Gott sei Dank nicht mehr. Hier will ein Mitstreiter ein Wildkräuterbeet anlegen.“

Seibert strotzt vor Tatenkraft. „ Im Frühjahr 2014 schrieben wir über 100 Nachbarn an, um sie für den Garten zu gewinnen. Fünf verlässliche machten sofort mit.“ Kontakte mit Grün und Gruga sowie der Bezirksvertretung III wurden geknüpft.“ Heißes Handicap: Bodenproben fehlten! Die wurden nachgereicht.

Was ist mit Wasser? „Das kommt vom Markushaus gegenüber“. Dabei strahlt Udo Seibert glücklich, trotz 38 Grad. „Im Garten gibt’s keine Hierarchie. Aber genug Kümmerer.“


Stimmen zum Diergardt-Gemeinschaftsgarten

Klaus Persch, Bezirksbürgermeister: Unheimlich toll, dass er hier so prima läuft. Hoffe, dass bald reichlich geerntet wird.
Jutta Pentoch, Ratsfrau, Mitglied im Ausschuss Umwelt, Verbraucherschutz, Grün und Gruga: Das gemeinsame Gärtnern, Gemeinwesen, Austausch von Informationen, bei denen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft, Alters- und Sozialschichten begegnen, spielen eine große Rolle – wird von Bürgern, Besuchern gut angenommen. Vom öffentlich attraktiv und zeitgemäß gestalteten Raum profitieren interessierte Bürger. Nebeneffekt: Entlastung des Budgets Grün u. Gruga.
Michael Fölster, Verwaltungsbeauftragter: Ich bin vor allem erfreut, dass alles so friedlich gedeiht. Viele befürchteten ja Zerstörung.
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1 Kommentar
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 15.07.2015 | 15:00  
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