Gigo's Sprayen - macht an

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Was macht der denn da an der Kirchenwand...Gigo, Konzeptkünstler, mit Zeljko Vukoja, techn. Assistent. Fotos: Debus Gohl
 
Baby Selma Joska zeigt sich unberührt von Papas Sprühen an der Kirchenwand. Mama Twyla kennt bereits den Rummel um ihren "Gigo" - wenn er an Wänden Hand anlegt. Fotos: Schattberg
"Buchstaben" an Kirchenwand hat ungeahnte Folgen!"

Seit Juli ist die Wand der Notkirche, Mülheimer Straße, ein kunterbunter Knaller. Die vorher blässlich schmuddelige Fassade sorgt für heißen Zündstoff durch Gigo, Kunstnomade. Er macht durch Buchstaben-Sprühen Polizei mobil, schafft es, dass Leute heftig diskutieren. Und Pfarrer Werner Sonnenberg? Strahlt mächtig. Denn die Marktkirche, Essen-Mitte, luchst ab, hat Lust auf Gigo.

Wahrlich, Otto Bartning, Architekt der Notkirche, Gott hab ihn selig, guckt garantiert mit breitem Grinsen von „oben“ auf den 36-jährigen Gigo, der mit über 40 Sprüchen, Gedichten, Lebensweisheiten, Zitaten aus dem Volksmund, die fahle Fassade wie ein Feuerwerk besprühte. Fakt: 66 Jahre Leben prangen ins Auge. Fahrgäste von Bussen, Autofahrer blicken neugierig hoch.

Längst ist das Wand-Werk nicht beendet. Zumal sich nach anfänglichem Murren viele Menschen mit der schillernden Fläche angefreundet haben. Doch plötzlich steht Gigo wieder auf der Leiter. Löscht doch tatsächlich Teile der Zitate weg. Was macht der denn jetzt?

„Es geht um die finale Gestaltung des Gebäudes. Eine Landschaftsmalerei entsteht“, verdeutlicht Werner Sonnenberg. Hört sich zu brav an, passt nicht zu Gigo. Der schmunzelt vielsagend.

Der Pfarrer nicht ohne Stolz: „Die Kunstaktion war ungeheuer erfolgreich für den Frohnhauser Stadtteil, auch für die Stadt Essen. So plant die evangelische Kirche in Essen weitere Aktionen. Die nächste passiert in der Marktkirche.“

Moment! Zuvor verändert sich die Fassade der Notkirche in Essen-Frohnhausen. „Jetzt wird ein Mantel über diese schönen Texte gezogen. Es bleibt eine monomentale Malerei.“

Husch, einen weißgrauen Schleier zieht der Konzeptkünstler über die Buchstaben. Nicht mit Stoff sondern mit Farbe. Rebell Gigo verspricht: „Die bisherige Arbeit bleibt punktuell erhalten. Heißt, in den Bäumen, die mit dem Pinsel entstehen, sieht man die „alten“ Farben, Textfragmente. Erkennt aber nicht, was da genau stand.“ Die minimalistischen Bäume werden nun nicht gesprüht sondern wachsen mit Farbe, Pinsel, Rolle. Die Köpfe von Menschen recken sich wieder neugierig hoch.

Sonnenberg über die Veränderung: „Wenn man nur einmal hier vorbeigeht, glaubt man, man hätte das Kunstwerk gesehen. Das stimmt aber nicht. Es entstand in mehreren Aktionen; besteht aus mehreren künstlerischen Disziplinen; ist Teil von einem großen Kunstwerk.“

Am 31. Oktober wird der Aha-Akt in der Erlöserkirche anlässlich des Reformationstages gezeigt. Dokumentiert mit den unterschiedlichen Kunst-Partien wie Malerei, Filmen, Fotografien, Gesprächen.

Noch während Gigo oben an der Wand werkelt, geht’s unten auf der Straße schon los. Sina Sauer findet es gut, „dass sich an der Wand was bewegt. Damit fällt sie auf.“ Till Möller lobt: „Das ist jetzt etwas Besonderes. Die Rosette sticht heraus. Durch die Malerei geht man nicht achtlos hier vorbei.“

Izzet Türkoglu strahlt: „Sehr schön gemacht. Vorher war die Fläche leblos.“
Doris Schulz, Frohnhauser Malgruppe, vielsagend: „Wir luden zur Vernissage ein. Auch Damen von einem Bochumer Kulturkreis kamen. Als die im Vorbeifahren die Beschriftung sahen, war ihr Aufschrei: O Gott, hier soll die Vernissage sein? Nach Betreten der Notkirche waren sie vom Inneren der Kirche fasziniert. Pfarrer Sonnenberg erklärte ihnen, was an der Kirchen-Wand noch entstehen soll. Das fanden sie spannend, dann okay. Ich finde das Werk wahnsinnig interessant, die Idee sehr kreativ, bin total begeistert vom Künstler.“

Lust auf frische Luft? Kommen Sie mal vorbei. Das Werk ist fast fertig...
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2 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 07.09.2015 | 12:39  
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Norbert Rittmann aus Essen-West | 11.09.2015 | 16:22  
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