Immobilien-Mogul LEG macht Bruchlandung

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Enttäuschte Gesichte gab's am Samstag an der Giesebrechtstraße.
  500 Mio. Euro erzielte der Riese 2012. Jetzt kommt’s Dicke: Die Wahnsinnsüberraschung...! LEG entschuldigt sich!

Sie erinnern sich? Die LEG lief Sturm gegen eine Frohnhauser Hausgemeinschaft, die einen Pool Ende Juli für ihre Kinder als Ferienspaß kaufte. Innerhalb von Stunden war Schluss mit lustig. Wasserlos musste das Becken schnellstens per Gerichtsschluss sein. Doppeltes Kinder-Pech: Regengüsse machten den Kinderplatz unbespielbar. LEG legte nach mit mannshohen Zäunen – wochenlang. Ach ja, die LEG lenkte ein: Hüpfburg-, Mieterwunschversprechungen. Nix passierte. Der Westanzeiger versuchte zu vermitteln. Jetzt der LEG-Knaller, der alle vom Hocker riss…

Die Mail vom LEG Management GmbH, Bereich Unternehmenskommunikation, erhielt ich am 2. Oktober. Wie hypnotisiert starrte ich auf die Zeilen. Mir ging es danach bombig. Ich informierte prompt die Bewohner der Giesebrechstraße 58-60. Und? Sie sind auch neugierig?

Die Presseeinladung der LEG „....bald ist Herbst, und die Kinder freuen sich bereits auf die Ferien. Um den Herbst und seinen frischen Wind optimal nutzen zu können, lädt das Wohnungsunternehmen Sie und alle Kinder der Wohnanlage in der Giesebrechtstraße herzlich ein am Samstag, 12. Oktober 2013, von 14 bis 17 Uhr, auf dem Spielplatz vor den Gebäuden in der Giesebrechtstraße 58-60 in Essen….Unter fachmännischer Anleitung und mit Unterstützung des beliebten LEG-Promotion-Teams baut an diesem kreativen Nachmittag jedes Kind seinen eigenen Drachen…Außerdem verwandelt die fleißige Kinderschminkerin die kleinen Bastler auf Wunsch in Fabelwesen… Für richtige Stärkung zwischendurch hat die LEG am Samstag frisches Popcorn im Gepäck…“ Endlich: Freude, Friede, Eierkuchen.

Die „Giesebrechter“ waren schier aus dem Häuschen. Werkelten wie die sieben Zwerge, backten Kuchen, mengten Salate, schafften Grill, Kohle ran. Übten das Lied: So ein Tag, so wunderschön wie heute. Klar, wir mailten den „Hausfrauen“-Eifer der LEG. Meldeten ca. 30 Kinder. LEG-Jubel… LEG-O-Ton an die Presse: „Über Ihre Teilnahme und eine Berichterstattung in Ihren Medien freuen wir uns. Für ein schönes Foto ist erfahrungsgemäß der Zeitraum zwischen 15 und 16 Uhr gut geeignet.“ Machen wir doch glatt.

Samstag, 12. Oktober. Ein Drachenwetter wie bestellt. Die Sonne lugt zwischen Wolken neugierig auf den Giesebrecht-Hof. Überpünktlich trifft der Westanzeiger gegen 15.30 an Ort und Stelle ein. Und? Ende der Geschichte.

Wo fliegen die schillernden Drachen? Wo steckt die Promotion-Truppe? Sabrina Fank schüttelt den Kopf. „Um 13.15 Uhr stand hier auf dem Parkplatz, an der Mauer, ein alter Transporter mit dem Schriftzug LEG. Wir warteten, dass Tisch oder Stühle ausgepackt werden. Unter Kinderfest verstehen wir natürlich Kind-gerechte Gestaltung: Großer Tisch, auf dem sie die Drachen bauen können. Oder einen kleinen Wagen für frisches Popcorn. Doch die drei Leute blieben im Auto. Telefonierten. Lediglich der 12-jährigen Kevin wurde von einem Mann gefragt: „Ist heute hier ein Kinderfest?“ „Ja, hier ist heute ein Fest.“

Mieterin Fank resümiert: „Um 14.20 trug mein Mann einen Tisch für Essenssachen raus, stellte den an die Hauswand.“ Und haste nicht gesehen? „Im Nu sauste der Wagen im Rückwärtsgang weg. Das war’s. Wir haben unsere Versprechen gehalten, Grill, Salate, Kuchen. Die Kinder sind warm angezogen. Aber – geglaubt an das LEG-Drachenbauen hat eigentlich hier kein Mieter. Auch der neue Hauswart ließ sich nicht blicken. Er hätte sich ja mal vorstellen können. Wir wurden überhaupt nicht von der LEG informiert – nur vom Westanzeiger. Sind sehr, sehr traurig. LEG-Versprechungen lösen sich immer in Luft auf.“

Die neun-jährige Selin versichert: „Die saßen im Auto, guckten aus dem Fenster, sausten dann einfach weg. Ich freute mich so auf das Drachenbauen. Wenn man etwas verspricht, muss das gehalten werden. Das sind Lügner.“ Heike Ringhoff: „Mir fehlen einfach die Worte.“ Ehemann René ärgerlich: „Vor Tagen wurden lediglich zwei alte Bänke hastig übergestrichen. Unter aller Sau gemacht.“
Paula Alves führt an: „Die LEG-Leute hätten doch hier anschellen können. Man steigt doch aus dem Wagen aus.“ Emine Ülkücü hakt nach: „Normalerweise müsste hier von der LEG ein Info-Zettel wegen des Kinderfestes.“

Die Krönung kommt noch. Samstag. Kurz nach 16 Uhr erhielt ich von der LEG eine Mail „….Am Samstagnachmittag lud das Wohnungsunternehmen LEG alle Kinder seiner Wohnanlage in der Essener Giesebrechtstraße zwischen 14 und 17 Uhr zu einem Herbstfest ein… Um die Herbstwinde demnächst optimal für sich und vor allem für ihren Ferienspaß nutzen zu können, baute an diesem kreativen Nachmittag jedes Kind seinen eigenen Drachen und gestaltete ihn ganz individuell und professionell. Das alles geschah unter fachmännischer Anleitung und mit Unterstützung des beliebten LEG-Promotion-Team…“ Ach ja, auch Andreas Vonderreck, LEG-Kundencenter Essen, wurde zitiert. Nicht gesichtet. Vielleicht versteckte er sich hinterm Busch…

LEG ENTSCHULDIGT SICH
"Am Samstag hat es eine Verkettung unglücklicher Umstände gegeben: Das Promotion-Team hat vor Ort nach dem LEG-Ansprechpartner gesucht, der für das Fest zuständig war. Dieser war allerdings erkrankt und daher nicht vor Ort. Allerdings ist seine Vertretung ebenfalls aufgrund einer Erkrankung ausgefallen. Daher suchte das Promotion-Team über eine Stunde nach dem Zuständigen – vergeblich. Da auch keine Mieter vor Ort auf dem Spielplatz waren, beschloss das Team, unverrichteter Dinge wieder zu fahren.
Das tut uns sehr, sehr leid. Wir holen das Fest am nächsten Samstag, dem 19.10., von 14 bis 17 Uhr nach: Herr Vonderreck wird vor Ort sein und sich bei unseren Mietern persönlich entschuldigen.


Fotos: Michael Gohl / West Anzeiger Essen
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5 Kommentare
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 14.10.2013 | 13:53  
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Renate Sültz aus Lünen | 14.10.2013 | 15:26  
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Ingrid Schattberg aus Essen-West | 14.10.2013 | 17:53  
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Renate Sültz aus Lünen | 14.10.2013 | 20:46  
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Frank Hansen aus Essen-Ruhr | 19.10.2013 | 15:11  
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