Knapp vorbei ist nicht immer daneben

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Überholt wird quasi immer: Über Sperrflächen, Radwege, Bürgersteige fahren viele Verkehrsteilnehmer, um den Müllwagen zu überholen. Die Mitarbeiter Miguel Lopez (li.) und Detlev Schneider (von hinten) arbeiten dahinter gefährlich. Fotos: EBE
 
„Das ist noch gar nichts“, berichtet Detlef Schneider (li.) über dieses knappe Überholmanöver. Mehr Vorsicht und Geduld wünschen sich die Mülllader von den Autofahrern.
Die Entsorgungsbetriebe Essen (Müllabfuhr, Reinigung, Containerdienst) arbeiten überwiegend im öffentlichen Raum und Straßenverkehr. Dabei verengen die großen Fahrzeuge die Straße, in der sie gerade arbeiten, oder versperren sie und der folgende Verkehr muss warten. Aber oft ist das die bessere Lösung. Denn regelmäßig kommt es zu brenzligen Situationen, wenn ungeduldige Autofahrer waghalsige und knappe Überholmanöver starten. Auch das vermehrte (Falsch-) Parken erschwert die Arbeit auf den Straßen enorm.

„Erst letzte Woche wurden Montag und Dienstag Mitarbeiter beim Laden angefahren“ berichtet Ralf Brinkmann, Betriebsmeister aus der Müllabfuhr. „Der eine wurde an der Hand vom Außenspiegel getroffen, als das Auto vorbeifuhr, der andere am Bein erfasst. In beiden Fällen sind die Fahrer einfach abgehauen!“, empört er sich. „Es hat sie gar nicht interessiert, was mit den Menschen ist.“

Einige Meter Bewegungsfreiheit sind nötig


Regelmäßig kommt es zu solchen Szenen, bei denen EBE-Mitarbeiter bedrängt, belästigt, in Unfälle verwickelt und sogar verletzt werden – oft aus Unkenntnis oder weil Autofahrer die Abstände unterschätzen. Die Mülllader beispielsweise benötigen neben und hinter dem Sammelfahrzeug einige Meter Bewegungsfreiheit, um mit den Mülltonnen zu rangieren. Sie werden von der Seite herangeholt. Oft stehen zu viele Autos am Straßenrand: falsch geparkt und so eng, dass das Durchkommen schwer wird. Was für Fußgänger so gerade noch reicht, wird mit Mülltonnen zum Nadelöhr.
Am Müllwagen selbst hebt die Schüttung die Tonnen im schrägen Winkel an. Das braucht Platz hinter dem Fahrzeug. Autofahrer, die diese Abläufe unterschätzen, wagen sich oft viel zu nah an den EBE-Wagen heran und bedrängen dadurch die EBE-Mitarbeiter. „Halten Sie ausreichend Abstand“, bittet Bettina Hellenkamp, Pressesprecherin der EBE, „damit die Kollegen für Sie die Straße reinigen und die Tonnen leeren können, ohne ihr Leben zu riskieren.“
Denn das steht in der Tat auf dem Spiel: In einer Umgebung wie dem Straßenverkehr, wo tonnenschwere Fahrzeuge mit Geschwindigkeit unterwegs sind, besitzt der menschliche Körper nicht viel Widerstand. Zwar sind Arbeitsschuhe mit höchster Sicherheitsstufe, schrille Warnfarben und Reflektoren vorgeschrieben, damit sie gesehen werden – aber das alleine ist nicht genug. Hinzukommen muss die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer.

Sprung auf die Motorhaube: Schulterverletzung


„Sobald rechts oder links ein bisschen Platz ist, rauschen viele vorbei“, erzählt Axel Glawe. Er ist seit 25 Jahren bei der Müllabfuhr und hat schon viel erlebt. „Die Menschen sind recht rücksichtslos“, findet er. Dabei seien er und seine Kollegen doch für alle Essener im Einsatz. „Letzte Woche hatte ein Kollege einen Unfall in Steele: Er wurde richtig auf die Schüppe genommen“, so Glawe. „Das Auto sauste heran und er konnte sich nur durch einen Sprung auf die Motorhaube retten“, berichtet er, „sonst hätte es ihn umgefahren.“ Ergebnis: eine langwierige Schulterverletzung.

Rücksicht als Grundregel


„Die Teilnahme am Straßenverkehr erfordert ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht.“ So beginnt die Straßenverkehrsordnung § 1 unter der Überschrift „Grundregel“. Weiter heißt es: „Wer am Verkehr teilnimmt, hat sich so zu verhalten, dass kein Anderer behindert, gefährdet oder geschädigt wird.“
Die Müllabfuhr erledigt eine wichtige Dienstleistung in der modernen Stadt. Es ist im Interesse aller, dass der Müll entfernt wird – und daher ist jeder aufgerufen, dies durch sein eigenes Verhalten beim Parken und Fahren zu ermöglichen. Denn es geht um die eigene Stadt und auch die eigene Tonne!
Dass es hinter einem Müllwagen - genauso wie hinter einer Kehrmaschine oder einem Winterdienst-Fahrzeug - langsamer vorangeht als bei fließendem Verkehr, das ist klar. Es ist auch verständlich, dass das Tempo nerven kann. Aber – diese Umstände sind eben „unvermeidbar“, wie die Straßenverkehrsordnung sagt. Für Stadthygiene und das öffentliche Leben und jeden Bürger sind Straßenreinigung und Müllabfuhr unverzichtbar. „Wir möchten doch nur in Ruhe unsere Arbeit machen“ – so einfach sagt es EBE-Fahrer Axel Glawe.
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