Leistung durch angstfreie Atmosphäre

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Seit 1991 Lehrer an der AKS: Schulleiter Berthold Urch.
 
Das einzige Gymnasium im Essener Westen liegt an der Schnittstelle von Holsterhausen, Frohnhausen und Essen-West.
 
Philosophieunterricht mit Dr. Carl Bottek in Stufe 12.
Essen: Alfred-Krupp-Schule |

Das Alfred-Krupp-Gymnasium ist tradtionell eng mit den westlichen Stadtteilen verknüpft.  Hier ist man überzeugt: Jugendliche lernen leichter, wenn sie sich in der Schule wohlfühlen.

Ein ehrwürdiger Jugendstilbau mit Bogenfenstern und Türmchen an der Ecke Margaretenstraße / Frohnhauser Straße beherbergt die Alfred-Krupp-Schule (AKS). Im Hinblick darauf, dass dies das einzige Gymnasium im Essener Westen ist, wirkt der Schulbetrieb ruhig, beinahe familiär: Mit drei Klassen pro Jahrgang bietet die Schule einen übersichtlichen Rahmen.

Steigende Nachfrage

Allzu klein drohte die Krupp-Schule um das Jahr 2000 herum zu werden. Damals war die Schülerzahl unter 500 gesunken, und es gab Pläne der Stadt, das Gymnasium zu schließen. Dagegen ist die AKS heute stark gefragt. Mit zurzeit fast 700 Schülern sind die räumlichen Grenzen des Gebäudes erreicht. „Wir mussten schon Schüler ablehnen“, erklärt Schulleiter Berthold Urch.
Liegt der Zuwachs daran, dass es allgemein mehr Schüler gibt – oder hat das Krupp-Gymnasium in den letzten Jahren neue Akzente gesetzt? Berthold Urch muss es wissen: Der Gladbecker unterrichtet seit 26 Jahren Musik und Evangelische Religion im Haus und leitet es seit 2010. „In meiner Zeit hier“, sagt Urch, „hat die Schule ihr soziales Profil verstärkt.“ Dennoch sei die Ausrichtung im Grunde nicht neu, sondern der ehemaligen Arbeiterschule von Anfang an mitgegeben. Genauso will es ein Leitspruch von Schul-Namensgeber Alfred Krupp, der im Rektorat auf Büste steht: „Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein.“

Vorreiter der Inklusion

Zum „Gemeinwohl“ gehört an der Alfred-Krupp-Schule der gemeinsame Unterricht (GU) von Jugendlichen mit und ohne Behinderung. 2011 hat die AKS als erstes Gymnasium in Essen den inklusiven Unterricht eingeführt. Seitdem gibt es in jeder Stufe eine integrative Klasse, die zu drei Vierteln aus Regelschülern und zu einem Viertel aus Schülern mit sonderpädagogischem Bedarf besteht. Bis auf einige Fächer – die Integrationskinder lernen keine zweite Fremdsprache, sondern haben berufsorientierte Stunden – bildet die Inklusionsklasse eine feste Lerngruppe. Schüler mit schweren körperlichen Behinderungen können die Krupp-Schule nicht besuchen, weil der Altbau an der Margaretenstraße alles andere als barrierefrei ist. Doch es gibt AKS-Schüler mit diversen anderen Beeinträchtigungen: starker Sehbehinderung zum Beispiel, dem Asperger-Syndrom oder Lernschwäche.
Lernbehinderte Kinder am Gymnasium, geht das denn? Die ersten förderbedürftigen Schüler haben ihre Gymnasialzeit mittlerweile ganz durchlaufen, sodass die AKS Erfahrungswerte hat. Und eine positive Bilanz ziehen kann – laut Schulleiter Urch haben die lernbehinderten Schüler sich nämlich zum allergrößten Teil sehr gut entwickelt. „Die Kinder erleben hier ein lernförderliches Umfeld“, sagt Urch und betont: „Insgesamt sind die GU-Klassen in vieler Hinsicht Vorbild an unserer Schule.“

AKS = „Alle Kinder stärken“

Natürlich stellt der inklusive Unterricht für die Lehrer eine Herausforderung dar. Er nicht die einzige. Etwa die Hälfte der Gymnasiasten aus dem Essener Westen hat einen Migrationshintergrund oder, wie Berthold Urch es ausdrückt, „schon eine zweite Fremdsprache in petto“. Ungefähr ein Drittel der Schüler spricht zu Hause kein Deutsch. Unterricht nach „Schema F“ wie „Frontalunterricht“ ist da wenig hilfreich. Stattdessen braucht man passgenaue Aufgaben für die einzelnen Schüler, regelmäßiges Feedback zum Lernstand, Einzelaufgaben, die dann wieder in der Gruppe zusammengeführt werden, und und und …
„Die Bereitschaft der Kollegen, sich auf Neues einzulassen, ist groß“, lobt der Schulleiter. Un die Schüler profitierten, weil sie schon früh lernten, selbstständig zu lernen: „Das sind wichtige Schritte auf dem Weg, das eigene Leben zu managen.“ Anerkennung dafür hat es gegeben. Das Konzept „AKS – Alle Kinder stärken“ wurde mit dem Gütesiegel des Landes NRW für individuelle Förderung ausgezeichnet.

MINT, Psychologie und Berufsberatung

Die Alfred-Krupp-Schule pflegt den sozialen Zusammenhalt, ohne ihren Leistungsanspruch aufzugeben. „Etwas zu leisten und ein sozial verträglicher Mensch zu sein schließt sich ja nicht aus“, so sieht es der Schulleiter. Die Zahlen scheinen ihm recht zu geben: Von etwa 90 Schülern in einer Stufe schaffen durchschnittlich 75 bis 80 Schüler das Zentralabi an der Krupp-Schule, in zurzeit acht Gymnasialjahren (G8). In den nächsten Jahren soll der MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) einen besonderen Schwerpunkt an der AKS bilden (Urch: „Da sind wir gut ausgestattet!“). Zwei Lehrerinnen sind außerdem für das Fach Psychologie ausgebildet: ein seltenes und vielleicht gerade deshalb besonders beliebtes Angebot in der Oberstufe.
Den Übergang ins Arbeitsleben erleichtert das Alfred-Krupp-Gymnasium den Schülern, indem es sie schon ab der Mittelstufe auf die Berufswahl vorbereitet. Dafür hat die Schule ein eigenes Berufsorientierungsbüro. Die beiden zuständigen Lehrer organisieren Assessment-Center-Trainings, Praktika und haben einen guten Draht zur Agentur für Arbeit.

Stadtteil-Kooperationen

Auch mit anderen außerschulischen Organisationen arbeitet die Schule zusammen. Der Arbeiter-Samariter-Bund organisiert zum Beispiel die Nachmittagsbetreuung der 5. und 6. Klassen im Offenen Ganztag. Der Wohn- und Betreuungsverbund Markus-Haus Essen, der auch das gegenüberliegende Lighthouse betreibt, beliefert den Schulkiosk mit Snacks und stellt der Schule zum Teil Räume in der „Eventkirche“ zur Verfügung. Wenn die Stufen 8 und 9 ihre sozialen Projekte durchführen, die an den Religions-/Philosophieunterricht angebunden sind, kooperiert die AKS mit dem Jugendverband Die Falken oder der Johanniter-Unfall-Hilfe. So können die Mittelstufenschüler sich als Schulsanitäter engagieren oder politische Mitwirkung erproben.
Und wenn die Sportfachschaft des Krupp-Gymnasiums den „West Cup“ ausruft, kommen alle Schulen des Essener Westens zum Fußballturnier. Auch das trägt zum Gemeinschaftsgefühl an der Schule bei. „Wir sehen die AKS nicht nur als ein Haus des Lernens an, sondern auch als einen Ort, an dem wir Kontakte knüpfen […] und uns wohlfühlen wollen“, steht in der Schulcharta. Eine Selbstverständlichkeit eigentlich, findet Schulleiter Urch: „Gute Leistungen kann man ja nur in angstfreier Atmosphäre erbringen.“

Infos
Alfred-Krupp-Schule
Städtisches Gymnasium
Adresse: Margaretenstraße 40–44, 45144 Essen
Gegründet: 1908 (als Realschule)
Anzahl Schüler: 663
Anzahl Lehrer: 48
Schulleiter: Berthold Urch
Website: www.alfred-krupp-gymnasium.de
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