„Mädchen, geh doch Kaffee kochen“

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Haben die guten und schlechten ihres Berufes mitbekommen: (v.li.) Doris Straßburger, Susanne Frenzen, die Pfarrerin an der Markuskirche Susanne Gutjahr-Maurer und Ortrud Gass.
 
Historische Dokumente, Chronologien und Lebensbilder zeugen von dem anstrengenden Weg von Frauen ins Pfarramt.
Ausstellung erinnert an Gleichstellung im Pfarramt



Erst seit 40 Jahren sind Frauen in der Evangelischen Kirche im Rheinland gleichberechtigt. Eine (späte) Errungenschaft, aber eine, von denen ihre katholischen Kollegen noch weit entfernt sind. Die lange und mühevolle Geschichte bis zu ihrer rechtlichen Gleichstellung erzählt nun eine Wanderausstellung, die bis zum 26. Mai im Markushaus der Evangelischen Kirchengemeinde Frohnhausen im Postreitweg 80 zu sehen ist.

„Pionierinnen im Pfarramt – 40 Jahre Gleichstellung von Frauen und Männern in der Evangelischen Kirche im Rheinland“. So nennt sich die Ausstellung, die die Aktivitäten von Frauen im Pfarramt thematisiert. Die Präsentation besteht aus 17 großformatigen Tafeln und schlägt einen Bogen von 1908, als die ersten Frauen in Preußen zum Studium an der Universität zugelassen wurden, bis zu ihrer rechtlichen Gleichstellung im Jahr 1975. Anhand von historischen Dokumenten, einer Chronologie und beispielhaften Lebensbildern wird beleuchtet, wie Theologinnen gegen große Widerstände der Amtskirche ihren Weg ins Pfarramt erkämpften. So durfte sich seinerzeit die Essenerin Änne Kaufmann, die 1935 als eine der ersten Theologinnen in Deutschland ordiniert wurde, nur „Vikarin“ nennen und musste eine Amtstracht tragen, die sie von ihren Kollegen in signifikanter Weise unterschied. Bei Heirat war der Traum ausgeträumt.

Der erste Kontakt mit Kirchenvertretern war abschreckend

„Heute scheint es für die Evangelische Kirche selbstverständlich zu sein, dass auch Frauen ein Pfarramt übernehmen“, erklärt die Evangelische Kirchengemeinde Frohnhausen. „Am Beispiel einzelner Theologinnen zeigen wir, dass es ein mühsamer Weg dorthin war und Frauen trotz theologischer Ausbildung mit erbitterten Widerständen der Amtskirche konfrontiert waren.“
Drei Frauen, die sich noch genau an die „gute alte Zeit“ erinnern, sind die ehemaligen Gemeindepfarrerinnen Doris Straßburger, Susanne Frenzen und Ortrud Gass.
„Der Beruf der Pfarrerin wurde mir nicht in die Wiege gelegt“, erklärt Frenzen. „Ich habe mein Abitur gemacht und bin dann nach Bonn gegangen, um dort Anglistik und Geschichte zu studieren. Untergekommen bin ich damals in einem Studentinnenwohnheim, das von der rheinischen Kirche geleitet wurde. Viele der jungen Frauen haben Theologie studiert und auch ich fand das Thema immer spannender. Schließlich habe ich mir Vorlesungen angeschaut und als ich dann feststellte, dass ich mich mit Theologen auf einem Niveau unterhalten konnte und sie mich gefragt haben, wieso ich das denn nicht auch studiere, habe ich den Entschluss zu diesem Studium gefasst.“ Bei Ortrud Gass war es der Religionslehrer, der Orakel spielte und ihr, da er überzeugt von ihren Fähigkeiten in dieser Richtung war, zu einem Studium der Theologie riet.
„Leider muss ich aber sagen, dass der erste Kontakt mit Kirchenleuten sehr abschreckend war“, so Gass weiter. „Von der Kirche konnten Frauen zu Beginn keine Unterstützung erhalten, auch der Gemeindevikar nach meinem bestandenen Examen tat sein möglichstes, um mich abzuschrecken. Meine erste Erfahrung mit männlichen Kollegen brachte mir auch die Gewissheit, dass so etwas wie Revierkämpfe wohl sein müssen.“

Skepsis und Ablehnung kam vor allem von den Frauen der Gemeinde

Auch Doris Straßburger sind bestimmte Situationen noch lebhaft in Erinnerung: „Viele Geschichten, die von Ablehnung einer Frau im Pfarramt zeigten, passierten auf subtiler Ebene. Traurigerweise waren es aber vor allem die Frauen der Gemeinde selbst, die mich nicht akzeptierten. War der Pfarrer ein Mann, arbeiteten sie ihm stets zu und unterstützten ihn. Wären Gedanken laut zu lesen gewesen, hätten mich bestimmt manche als „Wanze im Talar“ bezeichnet.“ Fairerweise muss man nun aber anführen, dass sich die Zeiten, was die eigene Gemeinde betrifft, geändert haben: Die Menschen haben sich daran gewöhnt und die drei Damen sind sich sicher, dass viele vertrauliche Gespräche mit Gemeindemitgliedern nur so intensiv und fruchtbar waren, weil ihnen eine Frau gegenüber saß. „Einem Pfarrer würde ich die Geschichte gar nicht erzählen“ war wohl ein oft gehörter Satz. Auch die Einstellung so mancher katholischen Amtsträger lasse noch sehr zu wünschen übrig: Offene Konfrontation, Affronts und Ignoranz sind den Damen nicht fremd gewesen. „Das kommt auf die innere Einstellung an“, konstatiert Frenzen. „Viele der jüngeren Männer kommen besser mit der Tatsache klar, als ihre älteren Kollegen. Dennoch darf man nicht generalisieren, denn auch eine sehr gute Zusammenarbeit bei etwa Trauungen hat es schon gegeben.“
Obwohl der Weg ins Pfarramt und in die Gemeindearbeit oft holprig und anstrengend war, für einen anderen Beruf würden sie sich, hätten sie heute noch einmal die Wahl, nicht entscheiden. Es seien gute Jahre gewesen, der Beruf wurde als Geschenk verstanden und alle drei würden diesen Weg wieder einschlagen.
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