Medizinische Vorsorge bei Essener Flüchtlingen...

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Dr. Rainer Kundt, Leitender Amtsarzt, Gesundheitsamt Essen. Foto: Privat
Tausende Flüchtlinge treffen in Essen ein. Bevor die Asylanten in eine Unterkunft kommen, werden die überhaupt untersucht? Da treffen verschiedene Kulturkreise aufeinander. Wie ist das mit den Krankheitsbildern …
Fragen, auch über Notunterkünfte, Turnhallen, die Dr. Rainer Kundt, Leitender Amtsarzt Gesundheitsamt Essen, dem Stadtspiegel beantwortete.

Werden Flüchtlinge vor Aufnahme in eine Einrichtung medizinisch untersucht?
Dr. Kundt: „Die Flüchtlinge, die den Kommunen zugewiesen werden, sind vorher in den Erstaufnahmeeinrichtungen nach den Vorgaben des Erlasses von Okt. 2014, Bezirksregierung Arnsberg, untersucht. Dazu gehört eine orientierende körperliche Untersuchung, der Ausschluss einer Lungentuberkulose und das erste Impfangebot nach den Regeln der Stiko (Ständige Impfkommission). Diese zugewiesenen Flüchtlinge werden in den bekannten städtischen Unterkünften und seit einigen Wochen in den Zeltdörfern untergebracht.“

Erstaufnahmeeinrichtungen wie Turnhallen – wo wurden die Flüchtlinge untersucht?
„Die Flüchtlinge, die in den Erstaufnahmeeinrichtungen und den Notunterkünften(Turnhallen) aufgenommen werden, sind noch nicht untersucht. Das zuvor beschriebene Angebot wird auch hier möglichst umgehend angeboten. Die Turnhallen werden über eine Betreiberfirma organisiert, in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt wird die Erstuntersuchung am Folgetag der Ankunft gemacht, das Impfangebot und die Röntgenuntersuchung zum Tbc-Ausschluss folgen in den darauffolgenden Tagen.“

Schmerzen werden in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich wahrgenommen. Wie ist das bei Flüchtlingen aus Syrien, Afghanistan?
„Bei den ersten Untersuchungen, die überwiegend von Sprachmittlern übersetzt werden, können die Flüchtlinge bereits Beschwerden angeben. Akute Schmerzzustände werden bei Bedarf auch nach einer Vorstellung im Krankenhaus behandelt. Die weitere Behandlung übernehmen, teils vor Ort, teils in den Praxen, niedergelassene Kollegen. Es konnten auch Kollegen gewonnen werden, die nicht aus Deutschland stammen und so einen besonderen Zugang zu den Patienten haben. Die spezielle Problematik eines kulturell bedingt anderen Schmerzverständnisses kann in der Aufnahmesituation noch nicht beantwortet werden. Gemeinsam mit den Betreibern werden wir Konzepte erarbeiten.“

Wie schaffen Sie das mit dem Personal. Wurde aufgestockt?
„Die Frage der Unterbringung, medizinischen Versorgung der Flüchtlinge, hat hohe Priorität. Darauf haben wir uns organisatorisch eingestellt. Überstunden werden geleistet und neue Teams gebildet. Eine Aufstockung des Personals im Gesundheitsamt ist noch nicht erfolgt.“

Herbst - Masernzeit - kann in den Unterkünften auftreten wegen fehlender Impfungen?
„Die Flüchtlinge, vor allem die Kinder, erhalten umgehend ein Impfangebot durch Kinderärzte und sind dann gegen die Erkrankungen geschützt. Folgeimpfungen werden in den Einrichtungen organisiert. Der Zuspruch der Eltern zu Impfungen ihrer Kinder ist ausgesprochen groß. Dadurch hoffen wir, den Ausbruch von Infektionskrankheiten zu minimieren. Die Röntgenkapazitäten in Essen zum Ausschluss einer TBC sind ausreichend groß, sobald die persönlichen Daten der Bewohner aufgenommen und uns weitergeleitet werden, findet die Röntgenuntersuchung in Krankenhäusern und radiologischen Praxen statt.“

Flüchtlinge aus aller Welt kommen – tauchen jetzt auch neue Krankheiten hier auf?
„Bisher sind in der Erstaufnahmeeinrichtung Optipark, die unter der Verwaltung der Bezirks-Regierung steht, nach meiner Kenntnis keine neuen Erkrankungen aufgetreten. Melde-pflichtige Erkrankungen nach dem Infektionsschutzgesetz wären mir mitgeteilt worden.“
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7 Kommentare
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 13.10.2015 | 15:56  
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Angelika Hartmann aus Hagen | 13.10.2015 | 16:33  
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Volker Dau aus Bochum | 13.10.2015 | 18:47  
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Detlef Albrecht aus Menden (Sauerland) | 13.10.2015 | 19:30  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 13.10.2015 | 20:12  
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Ingrid Schattberg aus Essen-West | 14.10.2015 | 10:17  
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Bernhard Ternes aus Marl | 14.10.2015 | 20:07  
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