Mit Kopf, Herz und Hand für den Glauben

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Engagiert für eine lebendige Kirche: Susanne Gutjahr-Maurer.
 
Aktive Presbyter mit Pastorin (v. l. n. r.): Monika Fränkel, Andrea Winkler, Susanne Gutjahr-Maurer, Jörg Bendl.
Essen: Pfarramt Markuskirchengemeinde |

Pfarrerin Susanne Gutjahr-Maurer fördert vielfältige Initiativen in der Frohnhauser Markusgemeinde. Aktueller Schwerpunkt: die gemeindliche Jugendarbeit.


Zu Hause im Saarland war ihre Mutter in der Kirchengemeinde aktiv, aber als Kind hatte Susanne Gutjahr-Maurer keine engere Beziehung zur Kirche – bis zum Konfirmandenunterricht. Den leitete ein Pastor, der die biblischen Geschichten mit wahrer Begeisterung vermittelte. Nur ein halbes Jahr blieb dieser Pastor, aber er schaffte es, einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen. Er gab den ersten Anstoß dafür, sagt Susanne Gutjahr-Maurer, dass sie später Theologie studierte.
Sie besuchte Hochschulen im Saarland, in Göttingen, Heidelberg und Bonn, befasste sich auch mit Archäologie und Judaistik. „Im Studium wollte ich meine theologischen Fragen beantwortet haben“, lächelt sie, „aber das hat nicht funktioniert: Es hat eher neue Fragen aufgeworfen.“
Eigentlich wollte die Studentin wissenschaftlich arbeiten. Eine Freundin, Tochter einer Pfarrerin aus Essen, redete ihr aber zu, doch erst mal bei ihrer Mutter ein Gemeindepraktikum zu machen. So „landete“ die Saarländerin bei Susanne Frenzen in Frohnhausen, der ersten Frau überhaupt im Frohnhauser Pfarrkollegium. Eine prägende Erfahrung: Nachdem Susanne Gutjahr-Maurer im Rahmen des Praktikums selbst eine Beerdigung geleitet hatte, wurde ihr klar, dass sie Pastorin werden wollte. „Gerade bei so einem Ereignis merkt man, wie viel der Glaube zu geben hat“, stellt sie rückblickend fest.
Das Vikariat führte Susanne Gutjahr-Maurer wieder nach Essen zu Pfarrerin Frenzen. Im Probedienst war Pfarrer Vogel ihr Mentor. Mit den Schwerpunkten Krankenhausseelsorge und Trauerbegleitung schloss sie ihre praktische Ausbildung ab. Sie heiratete. Die Kinder kamen, erst ein Sohn, dann zwei Töchter, sie betreute weiter Patienten im Krankenhaus. Dann fragte 2011 die Markusgemeinde an, ob sie nicht eine Krankheitsvertretung übernehmen könne ... Seitdem arbeitet Pfarrerin Gutjahr-Maurer am Postreitweg, seit drei Jahren auch mit einer festen (halben, mittlerweile aufgestockten) Stelle.
Die evangelische Kirche kann in Frohnhausen, das früher einmal 5 evangelische Pastoren hatte, heute nur noch 2 ½ Stellen finanzieren. Zurzeit bedeutet das, dass Pfarrer Sonnenberg und Pfarrerin Gutjahr-Maurer die Gemeindearbeit mit Unterstützung einer Prädikantin allein stemmen, denn der dritte Pfarrkollege ist erkrankt.
Die Pastorin hat alle Hände voll zu tun. Zwischen Taufen und Begräbnissen, Predigten oder auch der ökumenischen Zusammenarbeit zugunsten des Flüchtlingsdorfs an der Hamburger Straße hat Susanne Gutjahr-Maurer wenig Zeit für eigene Hobbys. Wenn möglich, nutzt sie das kulturelle Angebot der Region, liest, macht Waldspaziergänge. Gern geht sie als ehemalige Leistungssportlerin (!) auch mit ihren Töchtern schwimmen.
„Dass das frühere Angebot unserer Kirche nicht aufrechterhalten werden kann, ist in der Gemeinde zum Teil noch nicht angekommen“, seufzt Pfarrerin Gutjahr-Maurer. Trotz der schmerzhaften Einschnitte im Kirchenhaushalt bleibt sie zuversichtlich. Sie sieht die Chancen für Eigenverantwortung und Mitgestaltung, wenn viele begreifen: „Die Gemeinde ist auch mein Stück Heimat, ich kann mich einbringen.“
In der Markusgemeinde scheint dieses Konzept aufzugehen. Im benachbarten Gemeindezentrum trifft sich jeden Mittwoch der Seniorenkreis. Gerade wird nach dem Jahresfest aufgeräumt, während drei Presbyter in der Markuskirche konzentriert für einen Laiengottesdienst am 31. Juli 2016 proben. Laien helfen auch in der Familienkirche mit. Einmal im Monat findet ein Mitmachgottesdienst für Familien statt, anschließend gibt es im Gemeindehaus ein gemeinsames (frisch gekochtes) Mittagessen. Die Pfarrerin freut’s.
Aktuell liegt der Konfirmandenunterricht Susanne Gutjahr-Maurer besonders am Herzen. Die Gemeinde erprobt ein neues Modell. Statt zwei Jahre lang wöchentlich Unterricht zu haben, treffen sich die Konfirmanden ein Jahr lang samstags zum Blockunterricht, um „mit Kopf, Herz und Hand zu lernen und zu begreifen“, was den evangelischen Glauben ausmacht. Auch hier helfen engagierte Eltern. Über den Spaß an der Sache, hofft die Pastorin, werden sich in Zukunft auch jugendliche Teamer für den Konfirmandenunterricht finden. Lohnen wird sich die Aufbauarbeit sicher – wächst bei so viel Motivation doch die Wahrscheinlichkeit, dass die Konfirmanden eine intensive Begegnung mit dem Glauben haben. So wie ihre Pastorin früher.
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