Mitreißende zwei-Jahres-Geburt

Anzeige
Fotos: Gohl
  Essener Schriftsteller Jörg Stanko bewegt sich just in Bestseller-Kreisen!

GlücksSommer – zwölf Buchstaben – machen stutzig. Fehlt da nicht der Bindestrich? Oder – wenn zusammenhängend geschrieben, muss Sommer nicht kleingeschrieben werden? Ja, es ist schon der Titel, der mich neugierig macht: GlücksSommer. Und beim Lesen des Romans von Jörg Stanko passiert, was sich jeder Autor wünscht: Die Buchseiten werden regelrecht verschlungen. Das „Aufwachen“ beginnt bereits vor der ersten Seite…

Genau. Linke Seite, vier zeilig: Bei jeder guten Reise sollte man folgende neun Dinge erleben: Liebe, Heldentum, Ekel, Komik, Schrecken, Wundersames, Wut, Pathos und Friedvolles. Mathva. Na ja, Liebe ist immer willkommen – aber Ekel…
Vor drei Jahren wurde der West Anzeiger hellhörig nach einem Gespräch mit Jörg Stanko und seiner Lektüre. Wir prophezeiten: Sechs Buchstaben muss man sich merken: Stanko!

Mittlerweile schreibt der 45-Jährige, wohnhaft in Essen-Frohnhausen, immer eifriger, bewegt sich jetzt mit seiner „Schreibe“ in Klasse-Kreisen wie Spiegel, Rheinische Post, Ministerpräsidentin, Elke Heidenreich, Frank Schätzing…

Nachlesbar in seinem dritten Roman GlücksSommer, Seite 1. Gekonnt neugierig setzt Stanko seine Pflöcke, Seite für Seite. Wie geht’s weiter mit dem Bestseller-Autor Conrad Eremit, dessen Ruhm plötzlich verblasst? Frau, Ideen, Glück ihn verlassen…Die Wende und andere Tapeten-Wände folgen prompt: Conrad kommt so richtig auf Tour, nachdem er sich eine Auszeit nimmt in der Provence, seinen Schriftstellerfreund besucht!

221 Seiten Spannung. Mit unerwarteten Wendepunkten. Witzig, aber auch mal traurig. Mit allen Gefühlslagen, die das Leben uns gefächert zuweht. Der Roman endet so ungewöhnlich wie er beginnt: Kein Ende.

Genuss in Zeitlupe – dafür hat Stanko ein Schreib-Händchen. Auslöser war bei dem gebürtigen Kasseler die fast abgöttische Liebe zu seinem mittlerweile 14-jährigen Sohn. Seine ungewöhnlichen drei Kinderbücher mit warmherzigen Illustrationen sind zwar kinderleicht zu lesen – tragen jedoch schweren Hintergrund; die Trennung nach wenigen Ehejahren. Doch die starke Liebe zum Sohnemann blieb, wuchs. Deshalb die ungewöhnlichen Zeilen auf der ersten Buchseite: „Für Julius… und für alle Kinder und alle Väter, die wissen, dass man sie nicht voneinander trennen kann.“

Sodann folgten Romane. Nicht steif, hohl und hingerotzt. Sondern lebendig, spannend, mitziehend. In GlücksSommer befindet sich der Leser auch mal in Essen, in keinen fiktiven Straßen, sondern in Cafés, die es wirklich gibt…Aber Stanko „rudert“ in dem Roman auch zurück, schreibt aus der Kindheit, den 70-ern, frühen 80-er Jahren, trifft eine Gruppe von Menschen, frühere Freunde. Und jetzt nach 25 Jahren? Eigenes Erleben? Nö. „Beide Geschichten und alle Figuren dieses Buches sind frei erfunden. Sollte es Ähnlichkeiten mit Lebenden geben…“ heißt es im Nachwort.

Der Schreibprozess „GlücksSommer“ währte zwei Jahre mit vielen Pausen. „Erst die Idee, grobes Gerüst, irgendwann entsteht eine Figur vor Augen. Ich weiß aber nie, wie die Geschichte ausgeht; versuche mich, in die Figur zu versetzen. Romane sind nicht tatsächliche Welten; Abbilder für Gefühle, wie die Welt, wenn sie so wäre, ich sie mir wünsche. Als Autor habe ich Spaß an ungewöhnlichen Geschichten. Was kann mit der Romanfigur passieren, was nicht völlig abwegig, aber auch nicht völlig normal ist?“

Jetzt ist seine dritte Roman-Geburt raus. Wer durfte sie vor Erscheinen zuerst begutachten? „Meine Freundin. Wenn sie aber nicht lacht, wo ich das vorgesehen habe, schreibe ich meistens die Zeilen noch einmal um.“ Was sagt sie zu GlücksSommer? „Sie mag das Buch.“

Sie werden es bestimmt ebenfalls mögen, auch Casper David lieben. Einen zauselig, uralten Pudel, der kaum noch stehen kann. Aber Schriftsteller Stanko möchte nicht, dass der Leser leidet. Erfinden, verändern, kaschieren ist seine Schreib-Kunst-Welt. „Natürlich ist es völlig unrealistisch, dass Casper David noch leben könnte. Aber der Autor würde es einfach nett finden.“

Weil er sozusagen der Chef des Buches ist, lässt er Casper-David leben. Der Hund müsste jetzt also ungefähr vierzig Jahre alt sein. Ist doch fast möglich, oder? Wunderbar. Spannend, entspannend…

Bücher von Jörg Stanko
2013 - GlücksSommer - Roman (Pomaska-Brand Verlag)
2012 - Männer mit kalten Füßen - Roman (Pomaska-Brand Verlag)
2011 - Wie ich einen ostpreußischen Superhelden erfand - Roman (Pomaska- Brand Verlag)
2007 - Immer wieder Papawochenende! (Limette-Kinderbücher Verlag)
2005 - Flieg Hilde, flieg! (Limette-Kinderbücher Verlag)
2004 - Die große Reise (Limette-Kinderbücher Verlag)
Aufführungen:
2007 - "Flieg Hilde, flieg!" im Bonner Pantheon (durch die Clowns-Visite)
2
Diesen Mitgliedern gefällt das:
3 Kommentare
9.161
Renate Sültz aus Lünen | 14.02.2014 | 13:10  
2.717
Hermann Schmidt aus Essen-West | 14.02.2014 | 15:12  
9.161
Renate Sültz aus Lünen | 14.02.2014 | 15:57  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.