Offener Brief an die Stadt: "Wir sind keine Spinner, Fantasten..."

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    Jetzt reicht's der Bürgerinitiativ Bärendelle. Verärgert, sauer stößt es der BIB auf, dass die Stadt Essen vermutlich bewusst den Kontakt mit ihr meidet! Was wird da verheimlicht....

"Wie wir aus der Lokalpresse erfahren haben, gibt es nur noch zwei statt drei Investoren für die Bärendelle und keiner hat ein bis Ende November einzureichendes Konzept vorgelegt. Wo ist der dritte Investor geblieben? (Im Gespräch waren u. a. Wohnungsgesellschaft, Anneliese Brost Stiftung, Bofrost-Stiftung. Anm. der Redaktion). Gibt es eine konkrete Absage oder wurde ein vorgelegtes Konzept abgelehnt?....Ist die Frist für das Einreichen von Nutzungskonzepten verlängert worden, ohne dass ein konkreter Termin benannt worden wäre.

Seit 2008 war klar, dass die Hauptschule Bärendelle auslaufen wird. Nun steht das Gebäude seit fast 30 Monaten leer. Weder eine Wohnungsbaugesellschaft noch eine Stiftung haben es geschafft, Konzepte zu erstellen. Von der Stadt selbst ganz zu schweigen.

Mit Verlaub, hierbei handelt sich um ein Unternehmen und eine angesehene Stiftung, die über entsprechendes Personal und Infrastruktur verfügen. Dafür kann sich jetzt laut der Stadtsprecherin Frau Mause eine ehrenamtlich arbeitende Bürgerinitiative „noch in das Rennen einklinken“?!

Wieso erfahren wir das alles aus der Zeitung? Wieso ist es den Verantwortlichen nicht möglich, die Bürgerinitiative direkt zu kontaktieren und zu informieren? Warum ist es nicht möglich, einen direkten Ansprechpartner bei der Stadt zu benennen? Damit es hinterher heißen kann, die Bürgerinitiative habe sich nicht ausreichend gekümmert? Dieser Verdacht muss doch bei einer solchen Vorgehensweise aufkommen!

Bei einem von der Stadtverwaltung geführten Rundgang Anfang Dezember 2013 durch das leerstehende Gebäude haben wir ein wunderschönes Haus mit – für den langen Leerstand – geringen Schäden gesehen. Das Erdgeschoss und die erste Etage sind mit wenig Aufwand sofort nutzbar. Die obere Etage durften wir nicht begehen, angeblich ist sie einsturzgefährdet. Dafür gibt es bis heute keinen Beleg. Wir durften keine Fotos zur Dokumentation machen.

Ist man so auch mit den anderen Investoren umgegangen?

Bis heute gibt es kein unabhängiges Gutachten darüber, wie hoch ein Sanierungs-aufwand ist. Für uns ist klar: der Aufwand für ein soziokulturelles Zentrum wäre – im Vergleich zu anderen Nutzungen – der geringste.

Die Erstellung eines Konzepts für das Gebäude sei „nicht so einfach“, sagt die Sprecherin der Stadt „… weil die Bezifferung der Kosten für Erschließung, Sanierung und Nutzung der Bärendelle so komplex sei“.

Bisher hat die Stadt Essen kein Interesse gezeigt, mit uns über ein Konzept zu sprechen. Denn unsere Forderungen sind eindeutig. Und das spätestens seit unserer Bürgerversammlung Mitte September: Die Stadt soll das Gebäude behalten und angemessen sanieren.

Ein Nutzungskonzept der BIB sieht vor, dass zum Beispiel die Stadtteilbibliothek dort einziehen könnte, das würde Mietkosten sparen. Eine Vermietung im Rahmen unseres Konzepts ist denkbar, zum Beispiel an eine Kinderarztpraxis, an Logopäden, an Bildungsträger... Das Wesen eines soziokulturellen Zentrums ist jedoch eine nichtkommerzielle Nutzung: für Vereine, Selbsthilfegruppen, KünstlerInnen, ehrenamtliches und nachbarschaftliches Engagement und vieles mehr.

Unser Vorschlag ist kein der Stadt unbekanntes Konzept. Storp 9, Zeche Carl, Grend, sie alle werden von verschiedenen Institutionen bis hin zu europäischen Gremien gefördert. Dies in die Wege zu leiten, könnte ein gemeinsames Interesse der Stadt Essen und der Bürgerinitiative Bärendelle sein.

Die Stadt Essen ignoriert jedoch das bürgerschaftliche Engagement und zeigt keinerlei Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Bürgerinitiative Bärendelle. Stattdessen werden wir mit dem Totschlag-Argument der Haushaltssperre und der generellen Behauptung „es ist kein Geld da“ als Spinner und Fantasten abgetan.
Allein die Forderung, das Gebäude in städtischem Besitz zu belassen, wurde bei den verschiedenen Gesprächen mit der Stadtverwaltung komplett ignoriert und als politisch abwegig belächelt, so unser Eindruck.

Ist es etwa unanständig, eine solche Forderung zu stellen? Weil sie nämlich deutlich macht, wer in dieser Stadt wie viel Geld und in welchem Interesse ausgeben darf? Ist es politisch nicht gewollt, dass sich Bürger aus Frohnhausen ehrenamtlich für ihren Stadtteil engagieren?

Wir fordern ein soziokulturelles Zentrum im städtischen Gebäude Bärendelle, da wir die Notwendigkeit sehen, etwas für unseren Stadtteil und die Menschen hier zu tun. Und das am besten mit ihnen gemeinsam. Gegen Kinder- und Altersarmut, gegen Vereinsamung, gegen Rassismus. Für gegenseitige Hilfe und Unterstützung, für ein buntes Miteinander.

Da die Stadt Essen laut Bildungsbericht (2011) und dem Strategieprozess Essen.2030 diesen Bedarf ebenfalls sieht, stellt sich uns die Frage: warum passiert nichts?

Bürgerinitiative Bärendelle (BIB)
Die BIB hat sich nach der unverhältnismäßigen Räumung der Besetzerinnen und Besetzer des Gebäudes Bärendelle durch die Stadt Essen gegründet. Wir haben ein Nachbarschaftsfest mit 650 Gästen und eine Bürgerversammlung mit mehr als 100 TeilnehmerInnen durchgeführt. Zu verschiedenen Gelegenheiten haben wir kleinere Feste und Aktionen in der Bärendelle veranstaltet.
Im Oktober haben wir uns entschlossen, Mitglieder zu werben, um der BIB Kraft zu geben und sie auch zeigen zu können. Mittlerweile haben wir 122 Mitglieder (Stand 11.12.13). Unsere Mitgliedschaft besteht hauptsächlich aus Bewohnerinnen und Bewohnern Frohnhausens und umfasst alle Altersgruppen, von 18 bis 80.
Wir treffen uns jeden ersten Montag eines Monats bei einer öffentlichen Versammlung. Auf unserer letzten Versammlung haben wir eine Satzung verabschiedet, die seit Oktober bereits als Entwurf vorlag und diskutiert wurde. Ebenfalls haben wir einen siebenköpfigen Vorstand gewählt. Für die BIB arbeiten wir alle ehrenamtlich, neben Beruf und Familie ist das für uns ein wichtiger Lebensinhalt geworden, weil wir den dringenden Bedarf und die Notwendigkeit für ein soziokulturelles Zentrum in unserem Stadtteil sehen.

Vorstand der Bürgerinitiative Bärendelle
Dominik Saloks, Ralf Schubert, Christian Stauer, Diana Kummer, Ute Jonetat, Sven Federupp, Anke Dussmann


Fotos: Michael Gohl
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2 Kommentare
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Renate Sültz aus Lünen | 12.12.2013 | 13:40  
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Hermann Schmidt aus Essen-West | 13.12.2013 | 09:55  
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