Punktlandung

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Die Verbindung mag auf den ersten Blick etwas stutzig machen: Das Unternehmen rent-a-byte in Essen, Spezialist auf dem Gebiet für das Erstellen von Internetseiten und bei Internetlösungen, geht eine Verbindung mit dem Markus-Haus in Essen, einer Wohn-und Betreuungsstätte speziell für Menschen mit einer Sucht-und Psychoseerkrankung, ein.
Berechtigte Frage: Wo ist hier die Schnittstelle zu suchen? Daran, dass das Unternehmen die Internetpräsenz bereitstellt?
„Das wäre zu einfach, geht aber schon in die richtige Richtung“, meint Ralf Somplatzki, Unternehmensführer und Mitbegründer der Firma. „So hat alles angefangen. Das Markus-Haus hier in Essen ist schon seit langer Zeit Kunde bei uns und wir sind für ihren Internetauftritt zuständig. Wie es in einem Unternehmen so ist, muss man dann an Weihnachten Geschenke suchen, die dann an verschenkt werden. Da das in meinen Aufgabenbereich fällt, habe ich mich die vergangenen Jahre für kleinere nette Präsente entschieden: Skulpturen, Ritzenhoff-Becher oder Art-Kugelschreiber. Die Kunden haben sich immer gefreut, aber es war einmal an der Zeit für etwas individuelles. Und an diesem Punkt kam dann das Markus-Haus hinzu.“
Bereits im Vorfeld hatte Somplatzki einige selbst aus Holz gemachte Gegenstände erspäht, von denen er überzeugt war, dass diese etwas besonderes für die Kunden sein könnten und hat sich mit dem Leiter des Hauses, Harald Sadowski, in Verbindung gesetzt.
„Und da war sie dann die Anfrage. Ob wir, beziehungsweise unsere Patienten, Interesse daran hätten selbst handgefertigte Präsente zu machen. Bevor wir zusagen konnten, musste ich mich natürlich zuerst mit unseren Therapeuten beraten. Nachdem wir uns dann darauf einigen konnten, es zu versuchen, haben wir uns an die Arbeit gemacht“, erklärt Sadowski.
Jedoch darf man sich den Prozess nicht so einfach vorstellen. Insgesamt hat das gesamte Projekt ein Jahr gedauert, denn das Arbeitstempo musste absolut an die Arbeitsleistung der Bewohner angepasst werden.
„Vor etwa 16 Jahren wurde das Markus-Haus speziell für Personen eröffnet, die an einer Psychose-Sucht-Komorbidität leiden. Wir sind vor allem dafür hier, um sie so zu unterstützen und zu betreuen, dass ihre Selbstständigkeit wieder aufgebaut werden kann, wenn auch in kleinen Stücken. Ein Merkmal dieser Erkrankung ist, dass besagte Menschen keinem Leistungsdruck standhalten und sehr schnell an ihre Grenzen stoßen. Und eben das hat uns zu Denken gegeben. Denn wenn wir diesen Auftrag annehmen, haben wir natürlich eine Frist einzuhalten, denn Ralf Somplatzki und die Firma würden sich ja auf uns verlassen“, so Sadowski.
Letztendlich hatte man sich dann dafür entschieden, das Projekt in Angriff zu nehmen. Zunächst setzten sich alle Betreuer und die Ergotherapeuten zusammen und fingen an, den Prozess minutiös zu planen. Der gesamte Arbeitsablauf wurde in verschiedene Teile und Bereiche untergliedert und so gesehen in verschiedene Stationen aufgeteilt.
„Jeder Schritt war eine Herausforderung für uns. Vor allem, da wir nicht nur mit Schleifpapier zu arbeiten hatten, sondern auch mit der Bandsäge, um die Gegenstände auszuschneiden. Und so sind dann im Laufe eines Jahres 60 Kerzenhalterpaare mit Stern in der Mitte entstanden“, erzählt der Leiter des Hauses.
Natürlich gab es zwischendurch, da man sich dem Tempo der Bewohner anpassen musste und daher zum Beispiel nicht jeden Tag gearbeitet werden konnte, auch mal die Angst, nicht rechtzeitig fertig zu werden. „Klar habe ich auch selber mal gedacht, dass es jetzt soweit ist und ich auch an die Säge muss“, schmunzelt Sadowski. „Vor allem, wenn Momente aufkamen, wo sich die Leute überfordert gefühlt haben und wir pausieren mussten. Aber letztendlich hat alles ganz toll geklappt und alle, die bei dem Projekt mitgemacht haben, können sehr stolz auf sich sein.“
Für Somplatzki steht dabei vor allem eins im Vordergrund: „Wir konnten hiermit eine Brücke schlagen zwischen Wirtschaft und sozialer Arbeit. Wir hätten auch ganz einfach billig einkaufen können, was für uns vielleicht sogar von Vorteil gewesen wäre. Aber wir wollten den sozialen Aspekt gerne in unserer Rechnung mit drinnen haben und zeigen, dass Natürlichkeit auch im normalen Business Einzug halten kann.“
Und auch den Bewohnern wurde so gezeigt, dass sie einen wichtigen Beitrag geleistet haben: „So schnell werden wir so ein Projekt wohl nicht mehr in Angriff nehmen können, aber die Ressonanz war sehr positiv. Den Kunden haben die Kerzenhalter gut gefallen und den Mitwirkenden wurde suggeriert: Man braucht uns“, erklärt Sadowski.

Autor:

Kathrin Hinterschwepfinger aus Essen-West

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