Stadtgärtner sind Pragmatiker

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Stolz auf ihre Pflanzen: Wiebke Jünger präsentiert erstes eigenes Buch über Urban Gardening.
 
Kreativität ist gefragt: Auch eine umfunktionierte Schublade kann als Wasserspeicher dienen.
„Stadtgrün statt grau – 61 DIY Projekte fürs Urban Gardening“. So heißt das vor kurzem erschienene Buch der Kommunikationsdesignerin und Pflanzenliebhaberin Wiebke Jünger. Darin will Jünger demonstrieren, dass auch Personen, die keinen Garten zur Verfügung haben, sehr wohl gärtnern können, etwa auf dem Balkon oder der Fensterbank. Das Buch ist also ein Werkzeug für Stadtgärtner und zeigt, wie man Platz, Zeit und Ressourcen sparen kann.
„Ich habe an der Folkwang Kommunikationsdesign studiert und habe das 2014 mit einem Diplom abgeschlossen“, erzählt Jünger, die vorrangig Auftragsarbeiten in Grafik, Layout und Webgestaltung macht. „Als ich nach einem Thema für meine Abschlussarbeit gesucht habe, bin ich eher durch Zufall darauf gestoßen. Wie gesagt, ich gärtnere gerne, hatte aber keinen Garten zur Verfügung. Dann habe ich mich im Internet versucht schlau zu machen, wie und mit welchen Mitteln man Pflanzen auf dem Balkon anpflanzen und halten kann. Da bin ich aber schnell an meine Grenzen gestoßen, denn entweder waren die Videos dazu unvollständig, die Materialien waren nicht aufgelistet oder es war einfach zu kostenintensiv.“
Nach dieser eher bescheidenen Erfahrung hat sich Jünger dann dazu entschieden aus der Not eine Tugend zu machen und, anknüpfend an ihre Abschlussarbeit, die Angelegenheit selbst in die Hand zu nehmen. „Ein Garten ist eine aufwendige Sache, den sich ein normaler Städter, wenn er den einen besitzt, nur schwer leisten kann. Aus dem Grund ist es mir wichtig zu zeigen, dass man auch auf dem Balkon oder der Fensterbank Pflanzen halten kann. Wenn es darum geht, sich etwas zu bauen ist eine detaillierte und einfach gehaltene Anleitung dabei und immer Angaben über die benötigten Werkzeuge, die benötigte Zeit und die voraussichtlich entstehenden Kosten. Auch habe ich im Buch eine Liste erstelle, die aufzeigt, wo man Materialien sehr kostengünstig oder umsonst bekommen kann“, so Jünger weiter.
Am Anfang des Buches findet sich zunächst ein theoretischer Teil. Jünger stellt die Grundprinzipien des Urban Gardening vor und es werden verschiedene Formen dieser Tätigkeit erklärt. 61 „Do-It-Yourself“-Anleitungen sollen dem Stadtgärtner helfen, sich unterschiedliche Dinge selber zu bauen, um nicht auf kostspielig Vorgefertigtes angewiesen zu sein. So wird aus einer Regentonne mal schnell eine Kompostschleuder.
„Wenn man etwa in Urlaub fährt, hat man die Sorge, dass die Pflanzen immer mit genügend Wasser versorgt sind. Mit einfachen Tipps wie dem doppelten Balkonkasten kann ein Wasservorrat angelegt werden,der bis zu zwei Wochen hält, ohne dass die Wurzeln im Wasser stehen. Hier geht es also um Gefäße mit integrierter Bewässerung, um so ein Wasserreservoir anzulegen“, erklärt Jünger weiter.
Interessant wird es auch, wenn die Kommunikationsdesignerin aufzeigt, dass man Pflanzen auch ohne Erde aufziehen kann. Hierbei ist von Hydro- und Aquaponik die Rede. Bei der Hydroponik wird die Pflanze mit künstlichem Flüssigdünger versorgt, der sich im Wasserbecken befindet, auf welchem die Pflanzen stehen. Die Aquaponik funktioniert nach dem selben Prinzip, jedoch befinden sich im Wasserbecken Fische, in deren Ausscheidungen Nährstoffe sind, welche die Pflanzen dann aufnehmen.
„Der Hintergedanke beim Urban Gardening ist, dass man den Raum, in dem man wohnt, gemeinsam verschönern will. Vor allem für Städte ist das ein sehr interessantes Projekt, da es immer viele Flächen gibt, die Brach liegen und die sich für die Stadt nicht rentieren. Urban Gardening ist ähnlich wie das Kleingärtnertum. Nur dass man dafür in keinen Verein eintreten und sich an Regeln halten muss. Außerdem ist die Anzahl der verfügbaren Flächen in einem Kleingartenverein schnell erschöpft, beim Urban Gardening bieten sich hierbei viel mehr Möglichkeiten“, sagt Jünger.
Größere Probleme bei der Gestaltung des Buches sind nicht aufgetreten. Mit dem PC sei sie gut zurecht gekommen, nur die eine oder andere Anleitung war hin und wieder etwas knifflig. Und handwerkliches Geschick ist bei den Umsetzungen des Buches auch nicht erforderlich: Mit dem Bohrer umgehen zu können sei hilfreich, aber man wächst definitiv in die Sache hinein.
„Der Stadtgärtner ist Pragmatiker. Er weiß, warum er das macht und will nur Tipps, wie er etwas besser machen kann“, so Jünger. „Dieses Buch ist für alle Leute, die Spass und Freude am Gärtnern haben. Und wenn alles gut läuft, kann ich mir eine zweite Auflage vorstellen. Das ist eine Thematik, die sich gut erweitern lässt. Auch ist sie momentan sehr aktuell und ich glaube, dass in diesem Bereich noch einiges kommen wird, weil das gerade den Geist der Zeit wieder spiegelt.“
Erschienen ist „Stadtgrün statt grau – 61 DIY Projekte fürs Urban Gardening“ beim Ulmer Verlag und ist im Handel oder bei der Autorin erhältlich.
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