"Total andere Zeiten!"

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Ehemaligentreffen Herderschule (NICHT am Postreitweg, sondern heutige Elisabethschule!) nach 65 Jahren! Ja, was da beim Treffen an Schulgeschichten erzählt wurde - total wahnsinnig! Vorn v.l.: Christel Honekamp, Cilli Görtz, Ursula Todtenhöfer, Ursula Koligs, hinten v.l.: Kläre Eulen, Ursula Beckedahl, Marga Barczat, Inge Wöcköck, Marianne Kinnigkeit. Foto: Debus-Gohl
Unglaubliche Geschichten von neun Zeitzeugen!"

Klassentreffen nach 65 Jahren… Hörfehler? Rechenfehler? Nein. Neun muntere Ehemalige plaudern über ihre Schulzeit ab 1942. Einige erhitzen sich so dabei, dass mehrmals ihre Kollegin Inge Woköck mahnt: „Das interessiert keinen Menschen mehr!“ Doch! Denn was da zutage kommt, verschlägt einem glatt die Sprache…

Wermutstropfen beim jährlichen Ehemaligen-Treffen in der Gaststätte „Platte“, am Gervinuspark: dass Es kommen immer. Das Alter... Außerdem leben nicht alle in Essen. Rauschen an aus dem Sauerland, Rheinland…Küsschen, Umarmung. Staunen. Neun flotte, resolute Damen, die ab 1942 die ehemalige Herder-Volksschule, Hamburger Straße, besuchten, sind wirbeling, quirlig. Alle 80-jährig? Veto von Ursula Todtenhöfer: „Ich bin Jahrgang 1933!“

Das kann doch nicht wahr sein. 83 Jahre - wieso der Unterschied? „Alle Schulen waren damals dicht. Krieg! Wir wurden erst im Herbst 1942 eingeschult.“ Christel Honekamp ergänzt: „1951 wurden wir mit 48 Kindern entlassen. Wir hatten immer die gleiche Lehrerin.“ Stichwort für Ursula Kolligs. Als wäre die Zeit stehen geblieben: „Eine tolle Lehrerin. Vom 3. bis zur 9. Klasse. Sie hieß Klara Grüning; kam aus einer ganz angesehenen Essener Familie. Der Bruder war Arzt, der andere Apotheker…Sie behandelte uns so, als wären wir ihre eigenen Kinder.“ Eine rief: „Lehrerinnen durften damals nicht heiraten, wenn doch, flogen sie aus dem Schuldienst.“ „Aber es gab welche, die hatten ein Krösken!" Pssst! Getuschel, prustendes Gelächter…

Marga Scharmann lobt die „leckere Quäkerspeise, die vor allem US-amerikanische und britische Quäker nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland verteilten.“ Kurze Pause. „Nach dem Krieg wurden Schulen wieder eröffnet. Durch den Krieg waren Lehrer rar; alle eingezogen. Schüler wurden jahrgangsmäßig erfasst.

Dann „gesiebt“, Je nach Wissensstand kamen sie in eine höhere oder tiefere Klasse. Die Herderschule erhielt im Flur als Teilung ein Eisengitter mit Tür. Trennung für Mädchen und Jungen; ebenfalls der Unterricht. „Die durften sich gar nicht angucken.“ Blitzartig fällt ihnen immer mehr ein. "Auch Katholiken und Protestanten wurden lange getrennt; mussten sich den Tag „teilen“. Es gab Schichtdienst; 8-13 Uhr, 13.30 Uhr bis 18 Uhr“, erinnern sich alle. „Und jeden Samstag Schule“, betont Ursula Kolligs.

Christel Honekamp fächert ferner auf: „Kinder, die ihren Namen nicht schreiben konnten, kamen auf die Hilfsschule.“ „Der Lehrer schrieb einen Satz an die Tafel. Den mussten wir auswendig lernen, Zuhause mehrmals auf die Tafel als Hausaufgabe schreiben.“

Marga Scharmann flüstert mir zu: „Mädchen durften keine langen Hosen tragen. Nur Röcke, Kleider. Sonst gab‘s Klassenbucheintrag. Ja, es waren ganz andere Zeiten als jetzt. Trotzdem, wir haben viel gelernt. Aus allen ist was geworden…“

Mit glühenden Wangen setzt Ursula Kolligs der geliebten Pädagogin die Krone auf. „Unsere Lehrerin kümmerte sich um jedes Kind, dass es auch eine Lehrstelle bekam.“

Fakt, Klara Grüning bleibt für alle unvergessen. Eine Lehrerin, die mit ganzem Herzen, viel Leidenschaft, ihren Beruf zum Lebensinhalt machte. Bis 2013 organisierte Ursula Zils die Klassentreffen, jetzt zusammen mit Ursula Kolligs. „Weil es der Wunsch unserer Lehrerin war, uns regelmäßig zu treffen. Bis zu ihrem Tod war sie stets dabei.“

Können auch Sie sich an so eine außergewöhnliche Schulzeit erinnern…?
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 14.11.2016 | 19:15  
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