Auf Schrebers Spuren

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Der Vorsitzende machte es möglich: Einen Blick in verschiedene Kleingärtnen durften die Teilnehmer der Exkursion "Mein grüner Essener Westen" werfen. Fotos: Blum
 
Rainer Weddeling (Mitte) ist Vorsitzender des Kleingärtnervereins Essen-Altendorf und führte die Gruppe durch die Anlagen.

Wie grün ist eigentlich der Essener Westen? - Mit dieser Frage beschäftigt sich im Jahr der "Grünen Hauptstadt Europas - Essen 2017" das Bürgerprojekt "Mein grüner Essener Westen". In vier Exkursionen mit jeweils bis zu 70 interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden die Frohnhauser Parks, der Gemeinschaftsgarten Lorengarten in Altendorf sowie der Niederfeldsee und Krupp-Park erkundet. Zum Abschluss des Projektes stand nun ein Besuch im Kleingärtnerverein Essen-Altendorf auf dem Programm.

Die reinen Zahlen sind beachtlich: Auf dem Gebiet der Stadt Essen sind 109 Essener Gartenbau- und Kleintierzüchtervereinen mit fast 9.000 Mitgliedern aktiv. 8.500 Parzellen werden bewirtschaftet.
"Der Kleingärtnerverein Essen-Altendorf besteht aus 19 Gartengruppen mit rund 580 Gartenparzellen und 207.500 Quadratmeter Grundfläche", weiß Rainer Weddeling, Vorsitzender des Großvereins in Altendorf zu berichten.
Ein Blick in die Geschichte: Im Jahre 1915, mitten im I. Weltkrieg, fanden sich im Großraum Altendorf zahlreiche Bürger zusammen, die im Wege der Selbsthilfe Kartoffeln und Gemüse erzeugten, um der schwierigen Versorgungslage entgegenzuwirken. Dies war die Geburtsstunde des heutigen Kleingärtnervereins Essen-Altendorf.
"Auch heute geht es noch um den Anbau von Obst und Gemüse", so der Vorsitzende. "Doch auch die Erholung in den zum Teil sehr aufwändig gestalteten Gärten darf nicht zu kurz kommen."
Und da weiß Rainer Weddeling auch den Namen des Schrebergartes zu erklären: Der erste "Schreberverein" wurde im Jahr 1865 zu Ehren des Arzt und Hochschullehrer Daniel Gottlob Moritz Schreber in Leipzig gegründet. Schreber hatte sich in seinen Schriften mit der Gesundheit der Kinder und den sozialen Folgen des Stadtlebens am Beginn der Industrialisierung beschäftigt. Seine Idee: Eine Ertüchtigung der Stadtjugend durch Arbeit im Grünen, etwa in Armengärten nahe der Mietskasernen.
Gärtnern liegt auch noch im Jahr 2017 im Trend: "Es gibt nicht nur die älteren Mitglieder, die ihre Parzelle schon seit Jahrzehnten bewirtschaften, sondern auch viele junge Familien, die Spaß daran haben." Ab und an werde ein Garten frei, doch die Warteliste sei lang. "Es kann schon mal ein bis zwei Jahre dauern, bis wir einem Interessenten ein Angebot machen können."
Neben der jährlichen Pacht, die überschaubar sei, werde beim Wechsel eines Kleingartens einmalig eine Entschädigung an den vorherigen Pächter fällig. Durch einen Gutachter werde dann der Wert des Gartes, also der Laube und der Pflanzen, geschätzt. "Die Höhe fällt je nach Zustand des Gartens ganz unterschiedlich aus. Das können im Schnitt 2.500 Euro sein, aber in der Spitze auch schon mal 15.000 Euro", weiß Rainer Weddeling zu berichten. "Da kann es dann schon schwierig werden, einen passenden Nachfolger zu finden."
Während die Kleingärtner nach Herzenslust buddeln, pflanzen und schnipseln, kommt bei rund 580 Parzellen und regelmäßigen Gesprächen mit der Stadt über Zuwege und Brücken in schlechtem Zustand auch auf den Vorstand viel Arbeit zu. "Dies ist für Berufstätige kaum zu schaffen", räumt der Vorsitzende ein. "Aber als Rentner hat man ja etwas mehr Zeit."
Ganz in der Nähe der Kleingärtner ist auch der Kleintierzuchtverein Essen-Altendorf zu finden. Auch dort machte die Exkursion "Mein grüner Essener Westen" Station. Weitere 113 Gärten sind dort zu finden. Die Besonderheit: Tierhaltung ist hier angesagt. Enten, Kaninchen und mehr haben hier eine Heimat gefunden.
Gibt's da eigentlich keine ungebetenen nächtlichen Besucher? "Einbrüche und Vandalismus sind in den meisten Essener Anlagen leider nicht völlig unbekannt", gibt Rainer Weddeling zu. "Da einige Gartenfreunde aber auch die eine oder andere Nacht in ihrem Garten verbringen, müssen Bösewichte durchaus damit rechnen, bei ihrem Tun überrascht zu werden..."
Am nahen Niederfeldsee haben auch die Altendorfer Kleingärtner ihre Freude. Doch dies durchaus mit einem weinenden Auge. Der Vorsitzende blickt zurück: "60 Gärten an der Niederfeldstraße fielen dem neuen Bebauungsplan zu Opfer und mussten leider aufgegeben werden."
Wer nun Lust aufs Gärtnern bekommen hat und sich auf die Warteliste setzen lassen möchte, kann Kontakt mit dem Verein aufnehmen, per E-Mail an: kgv-altendorf@t-online.de oder einen Blick auf die Homepage werfen: www.kgv-essen-altendorf.de
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