In Essen haben oft Frauen die Geschicke der Stadt gestaltet und für Gleichberechtgung gekämpft - Bei rund 22 Prozent weniger Lohn oder Gehalt für Frauen ist Gleichberechtigung noch weit entfernt.

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Minna Deuper, gründet am 6. Januar 1904 die sozialdemokratische Frauenbewegung in Essen. (Foto: Archive Dr. Ernst Schmidt und „Der Anruf“ SPD Frohnhausen)
 
Monika Hinrichs, als erste sozialdemokratische Frau 1919 in des Essener Stadtparlament gewählt (Foto: Archive Dr. Ernst Schmidt und „Der Anruf“ SPD Frohnhausen)

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz weist anlässlich des Internationalen Frauentages am 8. März auf den Kampf um die Frauenrechte in Deutschland hin. Frauen haben sehr früh auch die Entwicklung der SPD in Essen geprägt und im Kampf um ihre Rechte, trotz Verbots jeglicher politischer Betätigung, die Gründung der SPD-Frauenbewegung in Essen vorbereitet und vor 112 Jahren durchgesetzt.


Nach Aufhebung des Verbots von unabhängiger sozialer Bewegungen im Kaiser-reich zum Ende des 18. Jahrhunderts wurden sehr schnell politische Organisationen gegründet. Die Zahl der SPD-Mitglieder vor 140 Jahren (1876) wird in Essen mit 125 angegeben. Essen zählte damals 53.000 Einwohner. Trotz der geringen Mitgliederzahl gab die Partei in Essen eine eigene Zeitung heraus – die „Essener freie Presse“, später „Arbeiter-Zeitung“, um ihre Ziele für soziale Gerechtigkeit, gleiches Wahlrecht für alle Bürgerinnen und Bürger und die Gleichberechtigung von Frauen und Männern durchzusetzen. Namen, Daten und Fakten der Frauen der politischen Bewegung in Essen sind dank des ehemaligen SPD-Ratsherrn Gustav Streich und des Stadthistorikers Dr. Ernst Schmidt in den Archiven der Stadt Essen und in Beiträgen in der Frohnhauser SPD-Mitgliederzeitung “Der Anuf“ zu finden:

6. Januar 1904: Wilhelmina (Minna) Deuper gründet die sozialdemokratische Frauenbewegung in Essen.
168 Frauen kommen zur „öffentlichen Frauenversammlung“ in das Lokal „Borussia“ an der Rottstraße. Minna Deuper war durch ihren Mann, Schneidermeister Friedrich Deuper, zur Sozialdemokratie gekommen. Friedrich hatte sie als Kostgänger bei ihren Eltern (Heilers) kennen gelernt. Minna Deuper ist die Mutter von Maria Berns, der ersten Essener SPD-Landtagsabgeordneten nach 1945. Ab 1908 durften Frauen sich politisch betätigen und Mitglied der SPD werden. Minna Deuper war die erste in Essen, ihre drei ältesten Töchter folgten ihr; die jüngste, Maria (Berns), zählt zu den Gründerinnen der Arbeiterwohlfahrt in unserer Stadt nach 1945 und war viele Jahre deren Geschäftsführerin.

19.Januar 1919: Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland auf Beschluss der Reichsregierung von SPD und USP. Im gleichen Jahr standen drei Wahlen an: Zur verfassungsgebenden Nationalversammlung, zum verfassungsgebenden preußischen Landtag und die Stadtverordneten- und Gemeinderatswahlen in Essen. Als erste Sozialdemokratin aus Essen wurde Emma Grasse aus Altenessen in den (preußischen) Landtag gewählt. Die damals 41-Jährige stammte aus Neusals an der Oder und war als Kind nach Essen gekommen. Bei den Stadtverordnetenwahlen vom 2. März 1919 wurden 102 Abgeordnete gewählt, darunter 9 Frauen. Aus dem „sozialistischen Lager“ waren es Emma Grasse (SPD), Monika Hinrichs (SPD) und Emma Leder (USPD). Emma Grasse verzichtete auf ihr Mandat, da sie ja im Landtag war. Monika Hinrichs und Emma Leder, beide Arbeiterfrauen, waren die ersten sozialistischen Frauen im Essener Stadtparlament. Monika Hinrichs stammte aus dem Kreis Deggendorf und kam über München nach Essen. Sie widmete sich vor allem dem Kulturbereich, den sie den Arbeitern näherbringen wollte. Sie heiratete den Anstreichermeister Heinrich Hinrichs und zog 1919 nach Essen (Herwarthstraße 38 in Huttrop). Als sie 60 Jahre alt wurde, legte sie 1929 ihr Ratsmandat nieder. Ihre Tochter, Grete Strie, war mehr als 60 Jahre SPD-Mitglied und lebte noch lange in Essen.

Die Bundestagsabgeordnete Petra Hinz, (SPD): „Der politische Kampf der Frauen aus der Essener Geschichte der Stadt Essen sollte uns mahnen: Die Gleichberechtigung von Frauen und Männern, die unsere Verfassung seit 1949 verspricht, ist noch lange nicht durchgesetzt und wartet auf Verfassungswirklichkeit.“

Als extremes Beispiel für die Essener SPD nennt die Bundestagsabgeordnete die “Lohn-Lücke“ zwischen Männern und Frauen, umgerechnet in Arbeitszeit:
“Der Wert der Entgeltdifferenz von fast 22 Prozent entspricht einem Zeitraum von rund 80 Arbeitstagen. Wenn es um Entlohnung geht, die Arbeitnehmer für ihre Tätigkeit erhalten, sprechen wir davon, Geld zu “verdienen“. Frauen in Deutschland verdienten 21,6 Prozent weniger Geld als ihre männlichen Kollegen. Die Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen haben sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Beschämend ist dieser Lohnunterschied in ganz Europa. Nur Estland (28,3) und Österreich (22,9) liegen höher als in Deutschland und wie sonst in keinem anderen Land in Europa. Die Lohnunterschiede zu uns betragen z.B. in Frankreich 15,3, in Polen 7,7 und in Italien 6,5 Prozent“, so die Essener SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Hinz.

Für die SPD in Essen wird dies umso deutlicher, so die stellv. Vorsitzende der SPD in Essen, wenn man beachtet, dass heute mehr als die Hälfte der Hochschulabsol-venten in Deutschland Frauen sind, Frauen die – so sollte man annehmen – im weiteren Verlauf ihres Arbeitslebens die Karriereleiter hinaufsteigen und auf 20 Prozent “Lohn-Lücke“ hängenbleiben. Deshalb helfen nur gesetzliche Verpflichtungen zur Umsetzung des Verfassungsanspruchs zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern in Deutschland in allen Lebensbereichen.
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