Dr. med. App

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"Koliken im rechten Oberbauch,

Temperatur 38,7 Grad C, brauner Urin.“ Enter! Und prompt antwortet die App : „Sie haben eine Gallenkolik bei Cholecystitis (Gallenblasenentzündung), wahrscheinlich haben Sie Gallenblasensteine- bitte wenden Sie sich In Ihrer Stadt an folgende Chirurgische Kliniken…in alphabetischer Reihenfolge… Klare Ansage! Wozu noch zum Hausarzt? “Erstmals in der Geschichte der Menschheit wird die optimale Diagnose aller Krankheiten zuverlässig, jederzeit, weltweit und das noch dazu kostenlos“ erstellt, wirbt ein Anbieter der IT Branche. Wozu also noch mit Herzklopfen stundenlang im Wartezimmer sitzen, unangenehme Untersuchungen über sich ergehen lassen, wenn doch alles bei Dr. App sehr viel schneller und bequemer geht. Endlich scheint das Dampf-Zeitalter in der Hausarztmedizin überwunden.

Endlich keine Fehldiagnosen mehr

und auch Ärzte bräuchten wir deutlich weniger, endlich keine Nachwuchsprobleme mehr. Wozu auch 8 Semestern büffeln, wenn es auch für den Laien möglich ist, dank Apps. eine Diagnose zu erstellen. Endlich scheint es der künstlichen Computerintelligenz gelungen, den diagnostischen Königsweg allein aus ein paar Symptomen zu finden.

Aber ist das wirklich so?

Schmerzen im Oberbauch, Fieber und Gelbsucht können aber nicht nur bei einer Gallenblasenentzündung, sondern auch bei einer Hepatitis (viral bedingte Leberentzündung) als auch von einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse auftreten. Das heraus zu finden, ist oft auch für den Arzt schwierig, Der muß nach einer ausführlichen Anamneseerhebung ("sprechende Medizin") den "differentialdiagnostischen Entscheidungspfad" abarbeiten, an dessen Ende erst die Diagnose steht. Kann das der Computer wirklich besser? Aus meiner langjährigen Erfahrung bezweifle ich das.

Dr. App hat bereits Erfolge

Dagegen sieht es für die Langzeitbetreuung von chronisch Kranken schon anders aus. Hier kann Dr. App bereits Erfolge verbuchen. Viele von ihnen sind Singels und vergessen schon einmal ihre Pillen einzunehmen. Der Computer fragt genau nach den sensiblen Patienten-Daten, wie Herzfrequenz, Blutdruck, Schlaf und Häufigkeit des Wasserlassens, Abweichungen vom Therapieziel werden sofort registriert und eine Korrektur veranlasst. Die so elektronisch überwachten und individuell beratenen Patienten- man höre und staune- leben länger im Vergleich zu den nicht überwachten!
Darauf kann Dr.med. App durchaus stolz sein. Für die Langzeitbegleitung von chronisch Kranken bietet er einen Vorteil. Er könnte auch zu einem geschärften Problembewusstsein beitragen und die Patienten zu einem selbständigeren Umgang mit ihrer Erkrankung veranlassen. Geht doch!
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Karin Michaeli aus Düsseldorf | 19.11.2014 | 22:57  
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