Ein Stück Schweden in Frohnhausen

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Ein Herz und eine Seele: Lucky (7) ist aus dem Team des Schwedenheims seitens der Kinder und auch der Erwachsenen nicht mehr weg zu denken.
 
Da kann aber jemand laut Spaghetti brüllen: Die Kinder im Schwedenheim freuen sich riesig, dass sie mit aufs Foto durften.
Man mag es gar nicht vermuten, aber mitten in Essen Frohnhausen, direkt neben dem Frohnhauser Markt steht ein Häuschen mit einer langen Tradition, in dem sich tagtäglich zahlreiche Nationalitäten begegnen und wunderbar miteinander auskommen. Die Rede ist von der städtischen Kindertagesstätte Schwedenheim, in der bis zu 96 Kinder ein zweites Zuhause finden.

„Die Einrichtung ist in der Konzeption sehr offen, wir sind eine städtische Kindertagesstätte und zudem absolut religionsfrei“, erklärt Barbara Görgen, Leiterin der Einrichtung. Seit nunmehr 22 Jahren hat sie dieses Amt schon inne und ist noch ebenso enthusiastisch wie ganz zu Beginn, wenn sie über das Schwedenheim erzählt.
„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir in unserem Haus in etwa 30 Nationalitäten begrüßen dürfen, denn wir erachten dies als eine Bereicherung und auch die Kinder können schon sehr früh lernen, was es bedeutet, wenn jemand anders als ich selbst bin. Dadurch können sie schon früh Varianten und verschiedene kulturelle Hintergründe erleben und ihre Entscheidungsmöglichkeiten später erhöhen sich um ein Vielfaches“, so die Leiterin weiter. Insgesamt kann gesagt werden, dass der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei in etwa 60 % liegt. Dementsprechend fallen aber auch die Angebote aus, die sich zu einem großen Teil auf die Sprachförderung beziehen und ein großer Schwerpunkt in der Kita sind. „Sprache ist die Basis für Kommunikation überhaupt, also liegt es uns am Herzen, dass auf genau dem ein großes Augenmerk liegt. Spielerisch und mit einer großen Portion Spass wollen wir die Neugier der Kinder für Neues wecken, wobei die Lehransätze in die Lebens- und Bedarfssituationen eingebettet werden. Dabei eignet es sich hervorragend, dass zum Beispiel der Markt direkt um die Ecke ist und man dort optimal Sprachspiele einbetten kann. Kinder lernen am besten, wenn sie nicht belehrt werden, sondern wenn sie spielerisch neue Sachen entdecken dürfen“, meint Görgen.
Zusätzlich wird ab Januar eine neue Kraft eingestellt werden, die nochmals explizit für die Sprachförderung zuständig ist und auch gruppenübergreifende Projekte begleitet. Äußerst hilfreich für diese Arbeit ist auch der Golden Retriever Lucky, der schon seit Jahren im Schwedenheim zu Hause ist und an dem sich Groß und Klein jeden Tag aufs Neue erfreuen. „Tiergestützte Pädagogik erleichtert in vielen Punkten unsere Arbeit, sie hat eine positive Wirkung auf die emotionale und soziale Entwicklung der Kinder. Wissenschaftliche Studien untermauern diesen Ansatz und die Erfahrungen in der Praxis bestätigen die positiven Auswirkungen. Da ich selbst mit Tieren aufgewachsen bin, finde ich es sinnvoll, dass Kinder Umgang mit Tieren haben, da sie Türen öffnen können, zu denen Menschen den Schlüssel nicht besitzen.“
Vor acht Jahren ist Lucky zum Team des Schwedenheims gestoßen und aus dem Alltag nun nicht mehr weg zu denken: Die Kinder lieben ihn und auch bei dem ein oder anderen Erwachsenen hat Lucky schon positives erreicht. Natürlich hat er alle Ausbildungen gemacht, die ein Hund in seiner Position aufweisen muss und die Kinder bestimmen selbst, wie weit und wie schnell sie auf ihn zugehen wollen. „Wenn ein Kind Stop sagt, heißt das auch Stop“, so die Leiterin. „Er hat seinen Platz in meinem Büro und auch ein Schutzgitter ist in die Tür eingebaut. Dadurch wird er nie aufdringlich und kommt auch nicht unaufgefordert mit den Kindern in Kontakt. Zudem darf er aus hygienischen Gründen nicht in den Bereich der altersgemischten Kleinkindgruppen.“
Wer nun beschlossen hat, sein Kind in der Kita Schwedenheim anzumelden, muss sich, wie bei anderen Einrichtungen auch, zuerst das Haus ansehen. Immer montags sind die Bürozeiten, wo man ein kurzes Gespräch und ein Anmeldeformular erhält. Dann, am Tag der offenen Tür, der einmal pro Woche ist und die anderen Kinder entweder in der Abholphase sind oder schon abgeholt wurden, findet ein Rundgang durch das Haus statt. „Wir sagen den Eltern immer, dass sie einpacken sollen, wer mitkommen möchte: Egal ob mit Oma, Opa oder einer Tante. Selbstverständlich muss auch das Kind vorbeikommen, denn er oder sie ist es, dem es hier gefallen muss. Wenn ein Kind sich hier überhaupt nicht wohlfühlt, ist das immer ein schlechtes Zeichen und man sollte wirklich überlegen, ob man sich nicht doch lieber in einer anderen Einrichtung umschaut. Spielt es aber gleich mit ein paar Spielsachen, ist das sehr positiv“, so Görgen weiter. Ab vermutlich kommendem Jahr wird auch die Kita Schwedenheim vom Onlineanmeldeverfahren Little Bird betroffen sein.
Besichtigt man dann die Einrichtung, wird einem schnell auffallen, dass das Haus doch ein bisschen anders ist und einen Holzhauscharakter aufweist. „Wir können mit Stolz behaupten, dass die Kita eine Einrichtung mit Geschichte ist und nicht umsonst Schwedenheim heißt“, erzählt die Leiterin. „Damals hat das schwedische Rote Kreuz dem deutschen Roten Kreuz das Haus zwecks Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt. Damals gab es hier auch noch Hortkinder, sprich bis 14 Jahren, Hauswirtschafterinnen waren hier angestellt und dass die Schweden in ihrem Konzept gearbeitet haben, konnte man an der eingebauten Sauna erkennen. In den 60er Jahren dann wurde es der Stadt Essen übergeben. Auch schon früher lag der Schwerpunkt auf dem sozialen Aspekt und das hat sich bis heute nicht geändert.“
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