Essener Tafel: Wäre dies die Lösung?

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Ist bundesweit in die Schlagzeilen geraten: die Essener Tafel. (Foto: Gohl)

Essen ist dank der munteren Diskussionen rund um die Essener Tafel nun bundesweit in aller Munde. Selbst in TV-Talkshows wird heftig über den Sinn und Unsinn diskutiert, Flüchtlinge für eine begrenzte Zeit von der Lebensmittelausgabe komplett auszuschließen. Derweil haben die Tafel-Ehrenamtlichen mit Anfeindungen zu kämpfen, müssen Schmierereien auf ihren Wagen hinnehmen und vor der Tafel gab's am Samstag eine Demo "Refugees Welcome".

Ein Runder Tisch soll nun wieder richten, was zuvor falsch gelaufen ist: eine ungleichmäßige Verteilung der Lebensmittel auf die Gruppe der Bedürftigen, deren Flüchtlings-Anteil in den letzten Monaten auf rund 70 Prozent angewachsen war.
Der Chef der Essener Tafel mag zwar in der Sache Recht haben, doch Diplomatie ist sicher nicht sein Ding. Er pflegt eher das ehrliche Wort, was jedoch den einen oder anderen, der an weichgespülte Politiker-Phrasen gewöhnt ist, ziemlich verschreckt haben mag.
Dabei liegt die Lösung für die Schieflage doch eigentlich auf der Hand und hätte schon sehr viel früher greifen können. Denn dann wären die Anteile der verschiedenen Bedürftigen, die allesamt arm sind, gar nicht erst aus dem Ruder gelaufen.
Würden die Tafeln Listen führen, die die Bedürftigen nicht einfach nach der Reihenfolge, sondern auch anteilig nach den verschiedenen Gruppen in der Gesellschaft berücksichtigen, wäre eine gerechte Verteilung der zur Verfügung stehenden Ausweise an Alleinerziehende, an Senioren, an Familien mit Kindern und eben auch Flüchtlingen gegeben. Und die Tafeln müssten sich - zumindest in diesem Punkt - keine Gedanken mehr machen über vermeintlich ungerechte Verteilung. Es wäre auch völlig wurscht, welcher Nationalität derjenige ist, der dort anklopft. Denn die Verteilung entspräche schlichtweg dem gesellschaftlichen Querschnitt.
Bedeutet in Zahlen: Von 4,27 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter, die Hartz IV beziehen, sind rund 600 000 Flüchtlinge. Was also rund 14 Prozent entspräche und weit entfernt wäre von der aktuellen Zahl von 70 Prozent.
Vielleicht mal eine Überlegung wert für den Runden Tisch und auch für Tafeln, die sich verschämt mit Zeitfenstern nur für bestimmte Gruppen öffnen oder Wartelisten führen, die vielleicht dann im Hintergrund "bearbeitet" werden, nur um nicht durch unpopuläre Entscheidungen unvorteilhaft ins Rampenlicht zu geraten.

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Brigitte Böhnisch aus Bochum | 07.03.2018 | 09:49  
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Renate Smirnow-Klaskala aus Essen-Nord | 08.03.2018 | 09:47  
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