Urkundenfälschung ist kein Kavaliersdelikt

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Foto: Lokalkompass
Unwahrheiten in Lebensläufen und Bewerbungsunterlagen kommen häufiger vor, als viele denken: mehr als ein Drittel der Bewerber macht falsche Angaben. Die meisten lügen bei Angaben zum früheren Job, etwaigen Erfahrungen und Erfolgen. Andere frisieren die Bewerbung bei Praktika, Bildungsabschlüssen oder gar Abschluss- und Arbeitszeugnissen. Rechtsanwalt Ulrich Kanders, Hauptgeschäftsführer des Essener Unternehmensverbandes (EUV), warnt: „Wir sehen in der aktuellen Diskussion um Petra Hinz, dass viele Leute ihren Lebenslauf frisieren, ohne an mögliche Konsequenzen zu denken. Denn fliegt der Schwindel auf, steht nicht nur die Karriere, sondern auch der Arbeitsplatz auf dem Spiel. Die Manipulation ist im geringsten Fall Hochstapelei, im Einzelfall sogar Urkundenfälschung.“

Das jüngste Beispiel in einer Reihe von Schummeleien im Lebenslauf zeigt deutlich, dass auch hochrangige Politiker die Schönschreibung ihrer Vita immer noch als Kavaliersdelikt ansehen. Aber für sie und alle Arbeitnehmer gilt: Falschangaben in den Bewerbungsunterlagen und "Lebenslaufkosmetik" können, auch lange nach dem Ende der Probezeit, zur fristlosen Kündigung führen. Die Rechtsprechung ist da eindeutig.

Weitreichende Konsequenzen


Rechtsanwalt Ulrich Kanders erklärt, was dem Beschäftigten in diesem Fall droht: „Dem Arbeitgeber bleiben zwei praktikable Wege, sich von dem Arbeitnehmer zu trennen – die Anfechtung des Arbeitsvertrages oder, als Alternative, die fristlose Kündigung. Der Arbeitgeber kann – erste Möglichkeit – den Arbeitsvertrag auch Jahre später noch wegen arglistiger Täuschung anfechten, mit der Folge, dass der Vertrag zwar nicht von Anfang an, aber immerhin ab Zugang der Anfechtungserklärung nichtig ist. Das Arbeitsverhältnis ist also sofort beendet und der Arbeitsplatz ist verloren. Wenn die Vorspiegelung falscher Tatsachen für die Einstellung keine Rolle spielte, kann man den Arbeitsvertrag wegen der Täuschung so schnell nicht anfechten. Dann ist eine außerordentliche Kündigung – als zweite Möglichkeit – denkbar, weil das Vertrauensverhältnis durch die Lüge massiv beschädigt wurde.“
Doch die Konsequenzen für den Arbeitnehmer enden unter Umständen nicht nur beim Verlust seines Arbeitsplatzes. Allein der Versuch der Urkundenfälschung ist eine Straftat und kann mit bis zu fünf Jahren Haft oder einer saftigen Geldstrafe geahndet werden.
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1 Kommentar
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Roland Nelke aus Castrop-Rauxel | 23.07.2016 | 00:03  
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