Von Bienchen und Blümchen

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Immer etwas zu tun: Udo Seibert verbringt gerne Zeit im Gemeinschaftsgarten in der Diergardtstraße.
 
Petersilie, Zwiebeln und Co.: Mehrmals im Jahr können verschiedene Pflanzen geärntet werden.
Gärtnern als Hobby stimuliert Körper und Geist



Schon in der Antike wussten die Menschen um die heilende Wirkung von bestimmten Pflanzen und Kräutern: Kümmel, Koriander und Kamille waren schon vor Jahrhunderten als Heilpflanzen etwa im alten Ägypten bekannt. Der griechische Arzt Pedanios Dioskurides, Gelehrter unter den Kaisern Tiberius Claudius und Nero, schrieb ein Buch, das viele Jahrhunderte als das Standardwerk der Medizin galt.

Heute ist dieses Wissen natürlich auch noch vorhanden und dank wissenschaftlicher Beteiligung um ein Vielfaches erweitert worden. Doch nicht nur Kräuter und Pflanzen an sich können dem Körper Gutes tun, sondern auch der Akt des Gärtnerns fördert das Wohlbefinden und eignet sich daher wunderbar als Hobby und Ausgleich zum oft stressigen und hektischen Alltagsleben.
Gärtner ist eine Sache für Jedermann: Egal welches Alter, Geschlecht oder Herkunft, jeder kann in dem Bereich Stärken finden, von denen man vielleicht nicht geahnt hat, dass sie in einem schlummern. Die Vorteile der Gartenarbeit sind nicht schwer zu erraten: Man kann seinen Körper trainieren, man hat das Gefühl etwas zu erschaffen, was einem ein Glücksgefühl verleiht und das Sein in der Natur mit dem Gesang der Vögel und dem Gebrumme der Hummeln weckt ein Gefühl der Ausgeglichenheit und der Faktor Zeit ist dann plötzlich nicht mehr so wichtig.
„Im Garten zu arbeiten entschleunigt alles“, erklärt leidenschaftliche Hobby-Gärtner Udo Seibert. „Das Tempo im Garten ist einfach anders und man nimmt zum Beispiel auch die Jahreszeiten anders wahr. Man freut sich über die erste Ernte, die Tiere, die vorbei schauen und genießt die frische Luft. Es gibt fast nichts besseres als mit einer Kanne Kaffee im Garten zu sitzen die Zeit vorbei ziehen zu lassen.“

Auch ohne eigenen Garten gibt es Möglichkeiten im Grünen tätig zu sein

Anzutreffen ist Seibert fast immer in der Diergardtstraße. Sein Reich ist der Gemeinschaftsgarten, in den jeder kommen kann, der Lust dazu hat. Und auch nur, um eine Runde zu Quatschen und Kaffee zu trinken. Populär ist das Prinzip Gemeinschaftsgarten schon seit geraumer Zeit: Viele Menschen leben in der Stadt, wollen aber gerne ins Grüne. Von Vorteil ist dabei zudem, dass man sein eigenes Bio-Gemüse anbauen kann, was man sonst für teuer Geld im Bio-Laden kaufen muss. Im Mai 2014 haben Seibert und seine Gärtnerfreunde die Genehmigung, sprich den Startschuss zum Loslegen, bekommen. Seitdem wachsen und gedeihen in verschiedenen Beeten Jostabeeren, Minze, Aroniabeeren, Zuckerschoten, Bärlauch, Spitzpaprika, Portulak, Blumen und Kräuter aller Art. Viele der Pflanzen kennt der Laie manchmal nicht und man ist auch überrascht, was alles in unseren Breiten wachsen kann. „Es war unglaublich viel Arbeit am Anfang“, erzählt auch Frank Bäumel. „Die Beete mussten ausgehoben und bestellt werden. Aber wenn dann alles da ist, ist die Freude über das, was man selbst mitgestaltet hat, umso größer.“ Ein weiterer Gemeinschaftsgarten, der Lorengarten, existiert in der Kopernikusstraße in Altendorf.
Gärtnern bedeutet auch Zeit zusammen verbringen. Viele werden sich vielleicht an die Zeit früher erinnern, in der man neben der Oma im Garten saß und mit ihr Unkraut gejätet oder Saat ausgesät hat, Regenwürmer herauszupfen inklusive. Gärtnern ist also ein hervorragendes Mittel, um generationenübergreifend tätig zu sein: Man erklärt dem eigenen Kind oder dem Enkel, was passiert, damit die Pflanze wächst, was genau für Pflanzen wachsen werden und wie man sich am besten um die eigenen Gewächse kümmert.

Gärtnern ist eine etablierte Therapieform

Dass die Gartenarbeit als eine Art der Therapie gesehen werden kann, ist auch in Therapeutenkreisen nicht unentdeckt geblieben. Gartentherapie kommt vor allem in psychiatrischen Einrichtungen zum Tragen. Im Speziellen bei Suchterkrankungen oder bei Menschen mit Schädel-Hirn-Traumata sowie nach Krebserkrankungen entfaltet sich die heilende Wirkung der Beschäftigung im Grünen. Der Patient erlebt sich durch diese Tätigkeit wieder als nützlich, die Gartenarbeit hilft beim Erkennen, Akzeptieren und Verarbeiten der Krankheit. Besonders bei Suchtpatienten, da diese oft nicht mehr wahrnehmen als ihre Krankheit und weil sich dabei dann alles darum dreht, kann es dazu führen, dass sie dadurch ihre Umwelt wieder stärker erkennen und aufnehmen.
Hat man früher die Gartenarbeit eventuell nicht als klassische Freizeitbeschäftigung empfunden, ist dies im Laufe der Zeit immer mehr ins Bewusstsein der Menschen gelangt. Wie man nun sieht, können sich nicht nur Pflanzen heilsam auf den menschlichen Körper auswirken, sondern auch schon der Weg, der dahin führt.
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