Einen Tag lang Polizistin

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Thomas Bosold erklärt die Vorgehensweise bei einer Verkehrskontrolle. Tamas Rübsam patrouliiert auf dem Motorrad.
 
Auch Arbeiten am Schreibtisch gehören zum Berufsalltag eines Polizisten. Peter Hirche zeigt mir, welche Daten im Computer erfasst sind.

Dritter Teil der Serie: West Anzeiger-Reporterin schaute Altendorfer Polizeibeamten über die Schulter

In Altendorf ist die Polizei präsent. In Früh- und Spätdienst biegt der Einsatzwagen durch die Straßen. Warum Präsenz zeigen im vermeintlichen Problemstadtteil so wichtig ist, erklären Harald Matulla und Kollegen.


Vielleicht bundesweit einzigartig ist die Lage der Altendorfer Wache. Gelegen in der Dickmannstraße 2, sitzt Polizeihauptkomissar Harald Matulla mit seinem Team im Erdgeschoss eines Wohnhauses. Gute Nachbarschaft bekommt hier einen ganz neuen Wert (siehe unteres Foto). Besonders ist aber nicht nur der Ort, sondern auch die Belegschaft des hier ansässigen Teams. In Altendorf fahren Beamte den sogenannten Schwerpunktdienst, sind also nicht für Wacheinsätze wie Un- oder Überfälle zuständig, sondern kümmern sich um Verkehrsführung oder Schutzmaßnahmen. "Ich war 20 Jahre im Bürodienst tätig", erzählt Ralf Molik, "jetzt wieder draußen zu sein macht mir total Spaß." Der 63-Jährige hat jahrelang in Mülheim gearbeitet – nach Altendorf zu wechseln stieß bei vielen auf Unverständnis. Doch der Stadtteil wird schlechter dargestellt als er ist, ist sich Molik sicher, denn in jedem Viertel gebe es gute und schlechte Ecken.

Rückgang von Drogendelikten

Negative Schlagzeilen schreibt Altendorf vor allem wegen eines großen Problems: Drogenhandel. Der sei zwar in der letzten Zeit stark zurückgegangen, wissen die Beamten zu berichten, letztlich führe die übermäßige Polizeipräsenz jedoch dazu, dass sich der Drogenhandel lediglich auf andere Orte verschiebe. Im Stadtteil selbst ist der Rückgang an Drogendelikten auch auf eine Sonderregelung zurückzuführen. "Bereiche in Altendorf gehören zu den sechs, sieben Orten in NRW, in denen vom Richter angeordnete Sonderregelungen gelten", erklärt Thomas Bosold. Hier dürfen Personen und Autos durchsucht werden, die sich an einem Ort aufhalten, "von dem Tatsachen die Annahme rechtfertigen, dass dort Personen Straftaten von erheblicher Bedeutung verabreden, vorbereiten oder verüben", heißt es unter Paragraph 12 des Polizeigesetzes des Landes Nordrhein-Westfalen. Eigentlich für einen Zeitraum von drei Monaten angesetzt, wurde die Sonderregelung in Altendorf schon mehrmals verlängert. "Das heißt aber nicht, dass es hier schlimmer geworden ist", ergänzt Ralf Molik, "sondern nur, dass die durchschnittliche Zahl an Straftaten immer noch zu hoch ist."
Auf zwielichte Gestalten trifft man jedoch eher im Spätdienst. Erfreulich ruhig geht es im Frühdienst zu. Bei Verkehrskontrollen auf der Altendorfer Straße wird das korrekte Verhalten im Straßenverkehr durchgesetzt: Geschwindigkeitsüberprüfungen sowie stichprobenartige Ausweiskontrollen gehören ebenso dazu wie die Überwachung der Einhaltung des Handyverbots am Steuer. Dazu hält der Polizeiwagen mal gut sichtbar auf dem Seitenstreifen, mal versteckt in einer Nebenstraße. "Manche Leute mögen sich fragen, ob die Polizei nichts Besseres zu tun hat", meint Thomas Bosold, "aber wir müssen auch gegen die kleinsten Vergehen vorgehen – sonst verschlechtert sich die Lage sofort." Schließlich können nicht den ganzen Tag Haftbefehle ausgegeben werden – von denen es in Altendorf überdurchschnittlich viele gibt.

Unterschied zwischen Früh- und Spätschicht

Praktikanten, deren Alltag ich heute am eigenen Leib nachempfinden konnte, sind übrigens bei all diesen Tätigkeiten dabei. Studenten oder Zehntklässler, die eine Polizistenlaufbahn in Betracht ziehen, unterzeichnen eine Verschwiegenheitserklärung – und müssen Turnschuhe tragen. "Man weiß schließlich nie, was einen erwartet", spricht Harald Matulla aus Erfahrung und erzählt von einem plötzlichen Schusswechsel, bei der die Praktikantin ganz schnell unters Auto gedrückt werden musste...
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