Tausche Klassenzimmer gegen Zirkuszelt

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Scherben bringen Glück: Auch wenn das Jongliergeschirr heute aus Pappe ist, so viele Teller im Überblick zu behalten ist doch nicht so einfach.
 
Hinauf in schwindelerregende Höhen mussten auch die Clowns, was dem einen oder anderen dann doch ein bisschen Bammel bereitete. Am Ende klappte die Numme aber hervorragend.
Irgendetwas war doch anders. Irgendetwas fiel aus dem Rahmen. Das mochte sich der Besucher denken, als er auf dem Schulhof der Altfriedschule in Frintrop anstelle von zwei Fußballtoren ein großes erleuchtetes Zirkuszelt auf dem Schulhof sah. Aber keine Sorge, die Schülerinnen und Schüler wurden nicht etwa zum Nachsitzen ausgemustert, vielmehr war zum wiederholten Mal der Zirkus Lollipop unter der Leitung von Patrick Brumbach und seinem Team zu Gast und machte aus Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertklässlern waschechte Seiltänzer, Feuerschlucker und Akrobaten.
„Die Zirkuswoche wird an der Altfriedschule schon zum vierten Mal veranstaltet“, erklärt Kristiane Möhrer, Team Schulleitung der Altfriedschule. „Zum ersten Mal gastierte der Zirkus im Jahr 2005 bei uns, dann nochmal 2008 und 2011. Der Vierjahresrhythmus kam so zustande, weil wir wollten, dass jedes Kind mindestens ein Mal die Chance hat am Zirkusgeschehen teilzunehmen. Maßgeblich beteiligt an der Aktion ist auch unser Förderverein, ohne den das alles finanziell nicht möglich wäre. Auch ein großer Dank geht an die starken Väter und Mütter, die so tatkräftig beim Auf- und Abbau des Zeltes mithelfen.“
Bereits Ende Januar reisten die Zirkuswagen an und das Zelt wurde auf dem Schulhof der Frintroper Grundschule aufgebaut. Vergangenen Montag ging es dann für die Kinder los: Sie wurden entsprechend ihren Wünschen und Talenten in verschiedene Artistengruppen eingeteilt und übten dann klassenübergreifend das ein, was vorgeführt werden sollte. Eine ganze Woche nun liefen nicht Erst-, Zweit-, Dritt- und Viertklässler durch die Flure der Grundschule, sondern die Gänge waren voll von kleinen Clowns, Seiltänzerinnen, Zauberern, Akrobaten, Feuerschluckern, Trapezkünstlern und Trampolinspringern sowie Jongleuren.
„Seit die Zirkuswochen laufen, haben wir durchweg positive Erfahrungen gemacht“, so Möhrer weiter. „Es ist toll, dass die Kinder etwas Neues ausprobieren können, vor allem etwas, zu dem sie sonst nicht die Möglichkeit haben würden. Man ist plötzlich Teil einer Gruppe, in der man vielleicht auch die anderen Kinder nicht so kennt, wie seine Klassenkameraden, was für die Persönlichkeitsentwicklung von unschätzbarem Wert ist. Außerdem ist es unglaublich, wenn man sieht, mit welchem Elan und Eifer die Kinder bei der Sache sind und oft über sich hinaus wachsen. Da sitzt man dann als Lehrer oder Elternteil im Publikum und traut seinen Augen nicht, weil das eigene Kind zum Beispiel eigentlich schüchtern, aber in dem Moment, in dem es vor großem Publikum steht, einfach nicht mehr zu bremsen ist.“
Ein großes Lob geht in diesem Zusammenhang auch an die Zirkusleute. Diese hatten stets alles im Blick und waren sofort zur Stelle. Sicherheit ging in diesem Zusammenhang über alles, aber da das Ensemble immer auf alles geachtet hatte, kamen bei diesem Thema nie Probleme auf.
„Eltern waren bei den Proben natürlich streng verboten“, meint Möhrer weiter. „Auch den Kindern wurde gesagt, dass sie zu Hause so wenig wie möglich verraten sollten, wie dann die Show laufen wird. Der Zirkus stellt bei den Aufführungen dann die passenden Kostüme für die kleinen und großen Artisten und auch geschminkt und frisiert werden die Kinder entsprechend ihrer Einlage. Alles wie in einem echten Zirkus eben.“
In den Klassenzimmern selbst wurde das Thema Zirkus dann die Woche über aufgegriffen: Es wurden Zirkusbücher gelesen, die Berufe in einem Zirkus vorgestellt, die Geschichte des Zirkus seit der Antike erklärt und bunte Zirkusbilder wurden gebastelt und gemalt.
Geprobt wurde jeden Tag entweder in der Manege selbst oder in der Turnhalle der Schule. Justus (7) zum Beispiel hatte sich für den Job als Feuerschlucker begeistert und fleißig für seinen Auftritt geübt, damit am Tag der Aufführung alles glatt geht: „Ein Feuerschlucker zu sein war mein erster Wunsch und dann bin ich auch in die Gruppe gekommen. Alt erstes wurde uns gezeigt, wie man das richtig macht, damit sich keiner verletzt. Dann erst haben wir die Fackel angezündet und so geübt. Als weitere Kunststücke durften wir in Socken über ein Nagelbrett laufen und barfuß über Glasscheiben. Aber keine Sorge, das hat gar nicht weh getan und das Glas war nicht echt. Lustig war im Anschluss das Frühstück: Das hat dann doch ein bisschen nach Feuer geschmeckt.“
Ein ungewöhnlicher Anblick musste auch der Wortgottesdienst zu Beginn der Woche gewesen sein: Hierfür kam nämlich der Pastor mit dem Kirchenmusiker vorbei und gemeinsam mit Lehrern, Eltern und Kindern wurde die Kirche einfach durch das Zirkuszelt ersetzt.
„Uns geht es bei der Veranstaltung nur darum, dass die Kinder Spass haben“, schließt Möhrer. „Diese stehen um Vordergrund und sollen zeigen, zu was sie so alles in der Lage sind. Auch die Eintrittspreise sind so angesetzt, dass alle Eltern ihr Kind über sich hinauswachsen sehen können. Auf die nächste Zirkuswoche freuen wir und jetzt schon.“
Zu sehen ist die Galavorstellung insgesamt drei Mal: Der erste Auftritt wird am Freitag, den 5. Februar um 18 Uhr sein, die beiden anderen jeweils am Samstag, den 6. Februar um 11 Uhr sowie um 15 Uhr auf dem Schulhof der Altfriedschule in Frintrop.
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