Stürmische Zeiten für RWE

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Auch "Fußballgott" Marcel Platzek hat am Samstag keinen guten Tag erwischt.Fotos: Gohl
 

Rot-Weiss Essen kommt auch gegen den Aufsteiger aus Wegberg nicht über ein 1:1 hinaus.

„Es liegt an uns, die Stimmung mit Erfolgserlebnissen wieder zu verbessern“, gab RWE-Chefcoach Sven Demandt vor dem Heimspiel gegen den FC Wegberg-Beeck zu Protokoll. Dass sich die Gemüter des Essener Umfeldes schnell erhitzen, ist für ihn nichts Neues. Die letzten Jahre und Jahrzehnte haben Spuren hinterlassen.

Im Vorfeld des siebten Regionalligaspieltags sprach Demandt von einer „Kopfsache“. Diese Barrikade hätte sich schon früh lösen können, denn das Spiel beginnt mit einem Wembley-Schuss von Kevin Grund. Sein Freistoß (6.) geht an die Unterkante der Latte und fällt von dort nur knapp vor die Torlinie. Die Hausherren, für die Innenverteidiger Philipp Zeiger nach überstandenem Infekt wieder mitwirken kann, bestimmen die Anfangsphase. Für zwingende Torchancen reicht es jedoch noch nicht. In der 29. Minute hat Kamil Bednarski dann Platz im Strafraum, gibt den Ball scharf in die Mitte, aber Kai Pröger stolpert vorbei. Den anschließenden Eckball bringt Essens Zehner vor das Gästegehäuse, Zeiger verlängert per Kopf und Bednarski schiebt die Kugel aus wenigen Metern zum 1:0 (31.) ein. Wegbergs Offensivbemühungen sind in dieser Phase überschaubar und kommen meist durch Unachtsamkeiten der Essener Abwehr zustande. Diese versucht, die Führung in die Kabine zu retten, lässt dem Aufsteiger kurz vor der Pause aber zu viel Raum. Wegbergs Neuzugang Joshua Holtby, Bruder von Bundesligaspieler Lewis Holtby, jagt seinen Freistoß (44.) aber in die Mauer.
Trotz knapper Führung und Spielkontrolle wird die Heimmannschaft mit einigen Pfiffen in die Kabine verabschiedet. „Wir haben die erste Halbzeit ganz gut kontrolliert, aber in der zweiten Hälfte die Kontrolle dann verloren“, fasst Demandt das Spiel seiner Truppe später zusammen, denn das reiht sich zu Beginn der zweiten 45 Minuten nahtlos in die verkorkste Heimserie ein.

Erste Halbzeit passabel, anschließend desaströs

Der vermeintliche Außenseiter kommt überraschend offensiv zurück. Wieder ist es ein Freistoß von Holtby (57.), der irgendwo aus dem Mittelfeld kommt, und Baier zu einer Kopfballabwehr direkt vor die Füße von Shpend Hasani verleitet. Der zieht aus gut 20 Metern einfach mal drauf und Torwart Robin Heller hat keine Chance den Ball, der durch Freund und Feind hindurchgeht, zu sehen. Passend zum einsetzendem Platzregen ist Rot-Weiss nun völlig von der Rolle. Als die Mannschaft kurz vor Schluss nur knapp dem Super-Gau entgeht, als ein einfacher Ballverlust zuerst zu einer Ping-Pong-Reaktion im eigenen Sechzehner führt und fast mit einem Eigentor von Philipp Zeiger endet, bleibt den roten Anhängern nur noch Galgenhumor. Das Gesangsrepertoire der Fans reicht im Anschluss über einen leicht abgewandelten Mallorca-Song („Aber scheiß drauf, Heimsieg ist nur einmal im Jahr“) bis hin zum wohlbekannten „Wir haben die Schnauze voll“. Die letzte Szene des Spiels gehört dem unauffälligen Platzek, der aus freier Position nur den Kopf von Fäuster trifft, statt die Kugel aufs Gehäuse zu bringen.

Wegbergs Trainer bleibt bescheiden

Wegbergs Teammanager Friedel Henßen zeigt sich nach der Partie zufrieden: „Aufgrund der zweiten Hälfte hätten wir den Sieg verdient gehabt, trotzdem müssen wir bescheiden bleiben, denn ein Punkt in Essen ist für uns sehr positiv.“ Für Sven Demandt war es hingegen ein gebrauchter Tag: „Ich bin maßlos enttäuscht über Spiel und Ergebnis.“ Viel mehr hat der Linienchef nicht zu sagen. Auch nicht zu den Szenen, die sich nach dem Schlusspfiff abspielen. Die Spieler stellen sich nach Spielende sofort den Fans. Als sich das Trainerteam auf den Weg in die Katakomben machen will, sind laute Proteste zu hören. Demandt kehrt daraufhin um und stellt sich den wütenden Zuschauern. „Ich war auch nach Siegen nie in der Kurve, aber die Fans haben gefordert, dass ich dahingehe. Ich kann den Unmut der Leute verstehen." Was besprochen wurde, will er nicht verraten: "Es macht jetzt keinen Sinn über einzelne Dinge zu reden.“ Viel eisiger kann die Stimmung ohnehin kaum werden.
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