Mein Paradies

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Passend zum Verein: Thomas Kufen überreicht Rainer Weddeling eine Mistel.
 
Stolz auf ihren Verein: So sehen glückliche Kleingärtner aus.
Die Tische waren festlich gedeckt und die Gesellschaft festlich gekleidet, so präsentierte sich die Aula der Gesamtschule Bockmühle an diesem Tag. Anlässlich der Hundert-Jahr-Feier ihres Vereins, haben sich zahlreiche Kleingärtnerinnen und Kleingärtner in Schale geworfen, um gemeinsam das große Jubiläum zu feiern.
„Wir sind sehr stolz darauf, dass der Kleingärtnerverein Essen-Altendorf schon so viele Jahre auf dem Buckel hat“, freut sich Rainer Weddeling, 1. Vorsitzende des Kleingärtnervereins. „Ich bin auch sehr stolz auf unsere Kleingärtnergemeinschaft. Diese hat sich im Laufe der Zeit zu einer stabilen Gemeinschaft entwickelt, die zusammen schon so manches Problem gelöst hat.“
Und tatsächlich: In 100 Jahren kann so einiges passieren. Gegründet wird der Verein im Jahre 1915, mitten im Ersten Weltkrieg. Zahlreiche Bürger aus Essen-Altendorf finden sich in dem Bestreben zusammen, auf einer Kleingartenparzelle Kartoffeln und Gemüse als Zuschüsse zur immer schwieriger werdenden Versorgungslage anzubauen. Die pure Not, nicht genügend zu Essen zu haben, veranlasst die Bürger zur Gründung des Vereins. Bis Ende des Krieges und auch noch in der Nachkriegszeit hat es der Verein nicht leicht. Aber, entgegen der Vermutungen der Behördenvertreter, die Kleingärtner würden den Spaten schnell wieder aus der Hand legen, wenn die Not vorbei ist, bleiben die Menschen ihrem Konzept und vor allem ihren kleinen Gärten treu.
„Und das ist eine sehr gute Entscheidung, denn der Zweite Weltkrieg folgt auf dem Fuße und wieder tritt die Versorgungslage in den Vordergrund. Zudem werden in dieser Zeit viele Lauben als Notunterkünfte genutzt, es werden aber auch viele Gärten beschädigt oder zerstört“, so Weddeling weiter.
Anfang der fünfziger Jahre dann wird beschlossen, dass ein Vereinsheim her muss: Somit erblickt das Kuckucksnest in der Kleinen Buschstraße/Ecke Schölerpad das Licht der Welt.
„Aber nicht nur Positives gibt es zu berichten, auch von Rückschlägen bleibt unser Verein nicht verschont“, erklärt Weddeling weiter. „Ende der fünfziger Jahre gehen am Jahnplatz und Hagenbecker Bahn etwa 120 Gärten verloren. Beim Bau des Niederfeldsees vor nicht allzu langer Zeit mussten auch 60 Gärten aufgegeben werden und auch unser Kuckucksnest ist einem neuen Bebauungsplan zum Opfer gefallen.“
Jedoch sieht die Lage momentan sehr gut aus: Der Kleingärtnerverein Essen-Altendorf beherbergt zur Zeit einen Stamm von über 500 aktiven Gartenfreundinnen und Gartenfreunden und ebenso vielen bewirtschafteten Parzellen. Diese stehen entweder zum Kauf oder können gepachtet werden. Dabei handelt es sich um städtischen Grund und Boden, der dem Kleingärtnerverein als Gartenland zur Verfügung gestellt wird.
Und weil dieses Jubiläum eines ist, das sich sehen lassen kann, lässt sich die politische Prominenz der Stadt Essen dieses Ereignis nicht entgehen: Festredner an diesem Tag sind Reinhard Paß, (Oberbürgermeister der Stadt Essen), Klaus Persch (Bezirksbürgermeister der BV III), Thomas Kufen (CDU-Fraktionsvorsitzende im Rat der Stadt Essen) und Holger Lemke (Vorsitzender im Stadtverband Essen der Kleingärtnervereine).
Bei einem „Spaziergang durch Altendorf“ wird man schnell auf die liebevoll gestalteten und gepflegten Kleingartenanlagen aufmerksam. Da gibt es zum einen die Ur-Gartenanlage „Hopfenstraße“, an der 1915 die ersten Kleingärtner siedeln. In den Jahren 1945 bis 1949 gleicht die gesamte Anlage zwar mehr einer Tabakplantage, als einem kleinen Garten, aber bald schon besinnen sich die Gärtner wieder eines Besseren und kehren zu Obst und Gemüse zurück. 34 Parzellen finden sich zudem an der Gartenanlage „Am Brauhaus“, 21 Parzellen an der „Kleinen Buschstraße“ und die Gartenanlage „Bülsebeck“ beherbergt 41 Parzellen. Zudem haben sich Gartenfreunde an der „Verlängerten Grieperstraße“, der Gartenanlage „Anschlussbahn“, der Anlage „Gauß I „ und „Gauß II“, der „Nöggerathstraße“ und am „Bockmühlenweg“ niedergelassen.
„Das Schöne am Kleingärtnertum ist die Freizeitgestaltung: Ich kann mir so ein kleines Paradies schaffen, das ich so gestalten kann, wie ich das will. Unser Kleingärtnerverein gehört mittlerweile zum Stadtbild dazu und hebt die Lebensqualität der Stadt mit an. In meinem Garten kann ich mich Erholen und meine Zeit genießen“, schließt Weddeling.
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