Nicht die Selbstzerstörung aktivieren, Schatz!

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Verkaufsoffener Sonntag in Frohnhausen: Gemeinschaftsaktion der Startrooper Germany, der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder und der Mommsen-Apotheke. (Foto: privat)
 
Gut und Böse Schulter an Schulter: Dirk Chwialkowsky (re.) lebt für sein Hobby. (Foto: privat)
Startrooper Germany auf machtvoller Mission



Darth Maul in Altendorf? Der Imperator vor der Mommsen-Apotheke? Keine Sorge, den Stadtteil wollen die beiden Bösewichte nicht vernichten. Ganz im Gegenteil: Das ganze Spektakel diente einem guten Zweck.


Wer sich an besagten verkaufsoffenen Sonntag im letzten Jahr zurück erinnern kann, dem werden die kostümierten Personen sicher in Erinnerung geblieben sein. Zum Plausch und Foto bereit sammelten sie nämlich Spenden für den Verein der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder. Und das ganz zentral vor der Mommsen-Apotheke in Frohnhausen.
Doch wer genau sind diese Kostümfans, die sich mit Leidenschaft bekannten Filmoutfits widmen?
„Wir sind die Startrooper Germany und wir sind kostümverrückte Nerds“, schmunzelt Dirk Chwialkowsky. „Wer bei uns mitmacht, der ist ein Science-Fiction-, Fantasy- oder Cosplay-Fan und verkörpert Lieblingscharaktere aus Star Wars, Star Treck oder Herr der Ringe.“
Und das so identisch wie möglich. Dabei geht es aber nicht nur um das perfekte Kostüm, auch Make-up und die richtige Haarpracht spielen eine wichtige Rolle.

Die Kostüme sind eigene Kunstwerke

„Bis man das perfekte Kostüm fertig gestellt hat, können Jahre vergehen“, so Chwialkowsky. „Dabei ist es wichtig zu betonen, dass man diese Kostüme nicht kaufen kann. Alles an ihnen, von der Stoffauswahl bis hin zum kleinsten Detail an einem Gürtel ist selbst gefertigt. Das ist ein sehr kreativer Prozess, vor allem wenn es um das Herausfinden geht, aus was manche Teile gefertigt sind.“
Und das ist wirklich äußerst spannend, denn: Viele Items an den Originalkostümen aus den Filmen waren ganz gewöhnliche Alltagsgegenstände, die einfach umfunktioniert wurden. Chwialkowsky demonstriert es an dem Charakter Boba Fett aus Star Wars. „Das Tastenfeld an seinem Arm war ursprünglich ein Casio-Taschenrechner, der auseinander geschnitten und neu eingesetzt wurde. Seine Harpunenpistole besteht in Teilen aus dem Tauchsport. Aber auch Dosen, Teile von Plattenspielern oder Artikel aus dem Baumarkt wurden einfach umfunktioniert. Als Zuschauer sieht man das gar nicht, weil man davon ausgeht, dass das Kostüm als Ganzes gemacht wurde“.
Oft kommt es auch vor, dass man nicht nur ein, sondern mehrere Kostüme besitzt, da man mehr als einen Charakter interessant findet.
Momentan bestehen die Startrooper Germany aus etwas mehr als 140 Mitgliedern und Neuankömmlinge sind herzlich Willkommen.

Interessenten sollen nicht abgeschreckt werden

„Die Szene ist an sich sehr verschlossen“, erklärt Chwialkowsky „Zwar groß, aber nicht so bekannt, weil es in Deutschland keine Comic-Kultur gibt wie in Amerika. Wer sich mit seinem Kostüm präsentieren will, der kann das hier nur bei einer handvoll Conventions machen.“
Die Verschlossenheit der Vereine war auch ein Grund dafür die Startrooper Germany zu gründen.
„Wer bei uns Mitglied werden will, muss definitiv ein authentisches Filmkostüm vorzeigen können. Wir geben aber gerne unsere Erfahrungen weiter und geben Tipps, wie man das optimale Kostüm gestalten kann. Andere Vereine machen das nicht: Da wird dein Kostüm entweder akzeptiert oder abgelehnt. Wir versuchen auch Gleichgesinnte vor schwarzen Schafen zu bewahren, die angebliche Originalteile für viel Geld verkaufen.“
Und weil vor allem der Spassfaktor um das außergewöhnliche Hobby im Vordergrund stehen soll, sind auch die Familienmitglieder, die (noch) kein Kostüm haben, eingeladen auf Events und Veranstaltungen mitzukommen. „Bei uns ist das genauso“, erklärt Mandy Chwialkowsky „Der Kostümfan ist mein Mann. Ich habe zwar ein Kostüm, aber ich mache lieber die Organisation. Dafür ist unsere Tochter von diesem Hobby ganz begeistert.“

Cosplay als Familien-Happening

Die familienfreundliche Einstellung vor allem zu Mitgliedern, die die Vorliebe des Partners zum Beispiel nicht so ganz teilen, kommt nicht von ungefähr. „Andere Vereine sind da sehr strikt: Wer kein Kostüm hat, darf an Veranstaltungen nicht teilnehmen. Es ist aber nicht sehr entspannend, wenn zum Beispiel am Sonntag ein Treffen ist und der Partner mit dem Kostüm-Tick nach ein paar Stunden schon auf die Uhr schielt, weil er weiß, dass er gleich nach Hause muss. Da ist es doch viel besser, wenn die ganze Familie dabei ist und man im Anschluss noch gemeinsam Essen geht und man ein Familien-Happening daraus macht“, ergänzt der mit dem Kostüm-Tick.
Und weil die bunten Kostüme so außergewöhnlich sind, sieht man die Startrooper Germany bei vielen Events: Bei Sommerfesten oder mit der Klingelbüchse für einen guten Zweck.
„Zu den schönsten Erlebnissen gehört bei diesen Veranstaltungen wenn Kinder mit Büchern oder Fotos zu einem Charakter kommen und ein Autogramm haben wollen. Oder wenn man im Krankenhaus ist und in die leuchtenden Kinderaugen schaut, die gar nicht fassen können, dass ihre Lieblingscharaktere gekommen sind. Das hat eine unglaubliche Wirkung“, meint Mandy Chwialkowsky.

Filmkostüme sind mehr als eine Leidenschaft

„Was wir veranstalten ist mehr als nur ein Hobby. Es ist eine Lebenseinstellung. Meiner Meinung nach darf man nie seine Fantasie verlieren, egal wie alt man ist. Das hilft einem jung im Kopf zu bleiben“, schmunzelt Dirk Chwialkowsky.
Zum Schluss zeigt Dirk Chwialkowsky noch ein Laserschwert, das als Requisit zu Hause liegt. Beim Versuch zu demonstrieren, welche Geräusche es machen kann, kommt ein Sound heraus, der verdächtig an einen Countdown erinnert.
„Pass bloß auf, dass du jetzt nicht die Selbstzerstörungssequenz aktiviert hast“, kommentiert seine Frau mit einem Schmunzeln.
Bei Interesse kann man Mandy und Dirk Chwialkowsky unter info@startrooper-germany.de kontaktieren oder die Website (www.startrooper-germany.de) besuchen.
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