Zum Volkstrauertag zitiert Petra Hinz Richard von Weizsäcker: „Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen…“

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Marsch der Frohnhauser Schützen zum Ehrenmal im Frohnhauser Gevinuspark
 
Gedenkrede zum Volkstrauertag in Frohnhausen SPD MdB Petra Hinz (Bildmitte)
 
Bürgervereinsvorsitzender Udo Karnath konnte zahlreiche Gäste begrüßen

Der Frohnhauser Bürgerverein und der Bürgerschützenverein hatten am Ehrenmal im Frohnhauser Gervinuspark zur traditionellen Gedenkfeier für die Opfer von Krieg und Gewalt eingeladen. Der Vorsitzende der Frohnhauser Bürgerschaft, Udo Karnath konnte zahlreiche Gäste begrüßen. Darunter Bezirksbürgermeister Klaus Persch, der sich für die Fortführung der Tradition durch die Bürgerschaft und durch den Schützenverein einen Volkstrauertag in Frohnhausen durchzuführen, bedanke.

Für die Gedenkrede hatte in diesem Jahr der Bürgerverein die Essener SPD Bundestagabgeordnete Petra Hinz eingeladen. MdB Petra Hinz in ihrer Gedenkrede zum Volkstrauertag:
“Wir haben uns hier versammelt, um der Opfer der Gewalt und der Opfer der beiden Weltkriege zu gedenken. Das heißt: Sich zu erinnern und unsere Gedanken so auf die Toten und ihr Schicksal zu richten, dass ihr Schicksal, ihr Leiden und ihr Sterben in unsere Gedanken und Bewusstsein eingehen. Uns damit zum Nachdenken darüber bringen, ob wir nicht nur heute am Volkstrauertag, sondern an jedem anderen Tag des Jahres genug tun, damit sich Leiden und Sterben nicht wiederholt.

Ich möchte auf die schrecklichen Ereignisse in Paris eingehen.


Es war ein Terrorangriff, es waren heimtückische Morde. Der Anschlag in Paris galt uns allen. Viele in Deutschland, aber auch wir in Essen-Frohnhausen, fühlen in diesen Stunden mit der französischen Nation und mit den Familien und Freunden die einen Angehörigen verloren haben. In den zahlreichen Sendungen und Liveübertragungen ist mir ein Interview in ganz besonderer Erinnerung, weil es so deutlich macht, wie verletzbar unsere Demokratie und wir Menschen sind. Eine französische Mutter sagte: „Ich glaubte ich habe meinem Sohn eine Konzertkarte geschenkt und es war eine Karte in den Tot.
Die Morde haben ganz bewusst auf unsere Vorstellung von Freiheit und Sicherheit gezielt. Ein freier Staat ist immer verletzlich. Und trotzdem wollen wir ein offenes Land und eine offene Gesellschaft bleiben. Der IS trägt den Terror, den Krieg und die Gewalt in die Welt. Dies darf aber nicht zu einer Verallgemeinerung gegenüber aller Muslimen führen.

Ich fordere auf, sich weiterhin vor die Flüchtlinge zu stellen, die aus islamischen Ländern in Deutschland Schutz und Sicherheit suchen.

Wir dürfen sie jetzt nicht darunter leiden lassen, dass sie aus Regionen kommen, aus denen der Terror zu uns in die Welt getragen wird. Das ist der Grund warum sie flüchten. Und aus diesem Grunde rufe ich auf, sich auch weiter schützend vor Flüchtende zu stellen.
Wollen wir uns am heutigen Volkstrauertag noch einmal ins Gedächtnis rufen, wie viele Opfer es zu beklagen gilt. Allein im 2. Weltkrieg – weit über sieben Millionen in Deutschland, über 30 Millionen in Europa, mehr als 50 Millionen in der ganzen Welt und schon vorher im 1. Weltkrieg fast 10 Millionen Menschen.

Nur die Zahlen der Opfer von Kriegen, Terror und Gewalt vor Augen zu führen - reicht nicht aus.

Wir müssen auch sagen, wer diese Toten waren: Die sechs Millionen Juden, die in Konzentrationslagern ermordet wurden, das sind Millionen Männer und Frauen aller Völker, die im Krieg ihr Leben verloren haben, Millionen von Bürgerinnen und Bürgern der ehem. Sowjetunion, Polen und vielen anderen Ländern, das sind unsere eigenen Landsleute, die als Soldaten und bei den Fliegerangriffen in der Heimat, in Gefangenschaft und bei der Vertreibung ums Leben gekommen sind.
Die Flucht vor Vertreibung, Mord, Folter oder Vergewaltigung, können wir dies zum Vergleich heranziehen, um das heutige Ausmaß der Flüchtenden zu bereifen. Ich weiß es nicht, aber eins weiß ich: Derzeit sind 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Nicht alle wollen und kommen nach Europa. Es muss uns bewusst werden, dass wir heute sehr viele Krisengebiete und Kriege auf unserer Welt noch verzeichnen haben

Für uns sind die Kriege oft weit weg und doch sind die so nah.

Wenn uns die Bilder in den Nachrichten oder den Sondersendungen aus den Brennpunkten zu viel werden, dann können wir umschalten, aber die Wahrheit ist, die Krisen und Kriege gehen weiter. Kein Krieg hat wirklich zur Befriedung geführt. Ich nenne exemplarisch Irak, Afghanistan und Syrien.
Die meisten der heute Lebenden sind zu jung, um mitverantwortlich oder gar schuldig zu sein, aber niemand kann sich der Verantwortung entziehen.
Wäre dies nur ein Tag der Trauer und des leidvollen Blickes zurück – das wäre sicher zu wenig. Es ist auch ein Tag der Entschlossenheit, des Mutes und der Mitverantwortung für den Frieden in Europa und der Welt.
Ich habe NEIN gesagt im Bundestag zu den Kriegseinsätzen, weil ich keine neuen Gräberfelder will in Deutschland oder anderswo. Wir haben derer genug und haben derer genug zu verantworten.
Am Volkstrauertag gehen unsere Gedanken zu den Gräberfeldern, zu den Soldatengräbern, die das Jahrhundert der beiden Weltkriege und der vielen Kriege sowie Bürgerkriege hinterlassen haben.

Soldatenfriedhöfe sind heute Stätten der stillen Trauer.

Einer Trauer, die nichts zu tun hat mit Triumph, nichts mit Heldengedenken. Wer sich diesen Gräbern zuwendet, wer sie pflegt und betreut, der dient tatsächlich dem Frieden, der dient der Versöhnung zwischen den Völkern und damit dem Leben.
Richard von Weizsäcker sagte 1985 zum 40. Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkrieges: „Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Hass gegen andere Menschen, gegen Russen oder Amerikaner, gegen Juden oder Türken, gegen Alternative oder Konservative, gegen Schwarz oder Weiß. Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.“

Feindschaft und Hass widersprechen - Dies gilt heute mehr denn je.

Kriege oder Terror entstehen immer dann und dort, wo Menschen keine Perspektive für sich und ihr Leben sehen. Dort wo Menschen ausgegrenzt sind oder werden. Wenn Menschen von der Teilhabe und von der Partizipation abgehängt sind oder werden. Wenn wir sie nicht mehr sehen, weil sie sich zurückgezogen haben, oder weil wir mehr damit beschäftigt sind auf unseren eigenen Erfolg und weiterkommen zu achten, dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn diese Menschen, unsere Nachbarn, auf den bereiteten Boden der Rechten, der Nazis reinfallen. Wir alle müssen hinsehen und jeden Tag für unsere Demokratie eintreten.
Dazu mahnt uns der Volkstrauertag. Nicht nur zum Blick in die Vergangenheit, sondern zum Wachsein in der Gegenwart, um unserer Zukunft willen. Und darum wird dieser Tag unverzichtbar für Demokratie und Gesellschaft.“
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