Mühlradkragen und Schriftrolle - Wieder Historische Führungen in Fröndenberg

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Als Pestarzt hätte Rainer Ströwer wenig helfen können, da die Ursachen unbekannt waren. Die Opfer wurden ins Siechenhaus gebracht. In der Szene trifft der Pestarzt auf den lutherischen Pfarrer Philipp Nicolai (geb. 1556, gest. 1608). Über eine Pest-Epidemie in der Ruhrstadt gibt das Stadtarchiv indes nichts her, wohl aber zu Häufungen von Cholera, Diptherie und und Typhus. "Es gibt Indizien aus Kirchenbüchern", soJochen von Nathusius.
 
Fröndenbergs Stadtarchivar Jochen von Nathusius gibt öfter die Ideen zu den Szenen, die von den Gästeführern gespielt werden.
Fröndenberg/Ruhr: Museum Fröndenberg | Von St. Reimet

Historische Führungen in Fröndenberg begeistern die Besucher mit ihren Szenen aus dem Lebensalltag in der Ruhrstadt im Mittelalter. Die Gästeführer stecken in den Vorbereitungen für das Tourenprogramm 2018. Die Äbtissin, Pest und Erbschaftsstreitigkeiten sind nur einige Themen.

Authentisch wirken die Einblicke ins Mittelalter nicht nur durch die zeittypische Kleidung. Die Gästeführer haben sich Geschichten ausgedacht, die ihren Ursprung im Stadtarchiv haben. In Kooperation mit Fröndenbergs Stadtarchivar Jochen von Nathusius erstellen sie aus zwei, drei Sätzen eine komplette Szene. Aus einem Handlungsgerüst, das mit Texten gefüllt wird, entstehen die Darstellungen. Etwa als die Äbtissin Ida von Plettenberg einen Diamantring und Kleider vererbte, die Nutznießer sich aber treffen und in Sgtreit geraten über ihren Rang bei der Äbtissin. Oder die Geschichte rund die Äbtissin Anna-Maria von Fürstenberg, die erzählt, wie ihr Bruder "Geld zugeschustert" habe, damit sie hier Fuß fassen konnte. Als Moderator leitet Rainer Ströwer die Besucher durch die Führung. "Wir sind aber nicht in der Zeitmaschine und sprechen Hochdeutsch mit Einschlag." In den historischen Kostümen begeistern die Gästeführer das Publikum. Manche haben direkt mehrere Kostüme im Laufe der Zeit erworben.

Pestarzt

Rainer Ströwer etwa wandelt bei den klassischen Führungen als Pestarzt oder Pfarrer und bei der szenischen Führung, die einmal im Jahr stattfindet, als Medicus. Ein Mühlradkragen ist sein markantes Erkenungszeichen. Die Farbe der Mütze markiert den Beruf. Rot steht für den Medicus, schwarz eher für einen Pfarrer. Die Kostüme sind maßgeschneidert. Einen Sonntagsrock hat Rainer Ströwer noch im Schrank. Anlässlich der 100-Jahr-Feier der Stadtwerke Fröndenberg nähten Auszubildende einer Berufsschule in Menden die Kostüme. Rainer Ströwer tritt in dem Gehrock als Direktor der Gemeindewerke Fröndenberg, Möller, auf. Auch auch bei den Henriette-Davidis-Führungen in Unnan nutzt er ihn. Als Pestarzt hätte Rainer Ströwer wenig helfen können, da die Ursachen unbekannt waren. Die Opfer wurden ins Siechenhaus gebracht. In der Szene trifft der Pestarzt auf den lutherischen Pfarrer Philipp Nicolai (geb. 1556, gest. 1608). Über eine Pest-Epidemie in der Ruhrstadt gibt das Stadtarchiv indes nichts her, wohl aber zu Häufungen von Cholera, Diptherie und und Typhus. "Es gibt Indizien aus Kirchenbüchern", so von Nathusius.
Wobei der Weg nicht durch die ganze Stadt führt, sondern im Bereich des Stift Fröndenberg. "Die Fußläufigkeit ist hier besser gegeben", so Rainer Ströwer. Jede Führung hat eine kurze Pause, in der ein Imbiss angeboten wird.

Info
Historische Führungen initiierten die Gästeführer aus dem Kreis Unna 1999. Mit der Jahrtausendwende begannen die ersten Führungen, die vom Start weg das Publikum anzogen. An historisch aussagefähigen Plätzen im Stadtgebiet geben die Akteure einen Rückblick auf das Mittelalter, Anekdoten und Geschichten werden erzählt. Als zwei Mitspielerinnen verstarben ruhte das Angebot. Vor vier Jahren starteten die erfahrenen Gästeführer aus Unna und Fröndenberg gemeinsam mit neuen Kollegen die Führungen. Nach einer kreativen Pause in diesem Jahr ist das Programm für 2018 jetzt in Arbeit. Termine werden noch bekannt gegeben.
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