Anne Berens und Annett Schümann-Basse beim Hospizkreis Menden: Sternenkinder im Vincenz-Krankenhaus

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Anne Berens (li) und Annett Schümann-Basse (re)

Beim letzten öffentlichen Montagstreff ging es um das sensible Thema Totgeburten, um Kinder, die vor, bei oder nach der Geburt sterben. Sternenkinder werden sie genannt. Eltern, die sich auf das werdende Leben freuen, werden plötzlich mit dem Tod ihres Kindes konfrontiert. Aus freudiger Hoffnung wird abgrundtiefe Trauer. Die Eltern befinden sich in einer Ausnahmesituation. Schuldgefühle kommen bei manchen betroffenen Frauen auf: Habe ich mich in der Schwangerschaft falsch verhalten?
Seit 2012 erfahren diese Frauen im Vincenz-Krankenhaus in Menden eine besonders liebevolle Betreuung und ihre Sternenkinder eine würdevolle Verabschiedung und Bestattung. „Auch die Väter dürfen in ihrer Trauer nicht unbeachtet bleiben, da Männer und Frauen verschieden trauern und die Beziehung daran zerbrechen kann“, meint die Religionspädagogin, Krankenhausseelsorgerin und Trauerbegleiterin Anne Berens. Sie und die Krankenschwester Annett Schümann-Basse, die auf eine 25-jährige Berufserfahrung in der Geburtshilfe zurückgreifen kann, haben zusammen die Initiative Sternenkinder ins Leben gerufen. Für die verwaisten Eltern arbeiten sie mit Ärzten, Hebammen und dem Pflegepersonal eng zusammen. Sogar eine Handarbeitsgruppe stellt ehrenamtlich für die Sternenkinder kleine Mützchen, Strampler, Tücher und Kuscheldecken her, damit sie noch im Kreißsaal fürsorglich eingekleidet werden können. Danach dürfen sie in ein sog. Moseskörbchen gelegt werden. Die Eltern bekommen vom Vincenz-Krankenhaus eine Informationsmappe mit Hilfsangeboten.
Ein würdevolles Abschiednehmen ist für die Verarbeitung dieses immensen Verlusts unbedingt erforderlich. Die Eltern werden ermutigt zu trauern. Sie dürfen bis zu 12 Stunden mit ihrem Kind im Kreißsaal bleiben. Während dieser Zeit besteht auch für die Verwandtschaft die Möglichkeit sich von dem toten Kind zu verabschieden. Den Eltern hilft es in ihrem Schmerz, wenn sie die Trauer in Worte fassen können. Sie muss greifbar gemacht werden. Die Eltern müssen den Tod des Kindes begreifen. Anne Berens und Annett Schümann-Basse gehen behutsam auf die Bedürfnisse der trauernden Eltern ein. Obwohl nur Kinder, die mehr als 500 g wiegen, in den Personenstand erhoben werden, ist es für alle Eltern wichtig ihrem Kind einen Namen zu geben. Dieses Kind hinterlässt eine Lücke im Familiensystem. Deshalb ist es wichtig, die Erinnerung an das verstorbene Kind teilen zu können. Aus diesem Grunde werden auch gerne Fotos von den Sternenkindern gemacht. Die meisten Eltern wünschen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit, dass ihr Kind gesegnet wird. Es ist für sie wichtig den verstorbenen Kindern eine Ruhestätte zu geben, einen Ort für ihre Trauer. Dieser Ort ist das eigens für sie angelegte Grabfeld auf dem katholischen Friedhof. Mehrere Sternenkinder werden behutsam in einen Gemeinschaftssarg gelegt, der von einem Mendener Bestatter kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Gehäkelte Engelchen, von Ehrenamtlichen hergestellt, dürfen die Familien mit in den Sarg legen. Alle drei Monate findet in der Friedhofskapelle eine kleine Trauerfeier und danach die Bestattung statt. Ein kleiner vertrauter Kreis mit der Seelsorgerin Anne Berens sorgt dafür, dass für die betroffenen Eltern die Beisetzung ihrer Kinder nicht anonym abläuft. Für sie ist die Beerdigung kostenlos. Natürlich können sich Eltern auch für die Beisetzung ihres Kindes im Familiengrab entscheiden.
Jedes Jahr am 2. Advent wird in ganz Deutschland der Sternenkinder gedacht. Kerzen werden angezündet und in die Fenster gestellt (Candle light day). An diesem Tag sind alle verwaisten Eltern zum Gedenken an ihre verstorbenen Kinder zu einem ökumenischen Gottesdienst in die Kapelle des Vincenz-Krankenhauses eingeladen.
Ein betroffener Vater drückte seine Trauer einmal so aus: „Die Sonne ging unter, bevor es Abend wurde.....“ Hilfreich in diesem tiefen Schmerz sind Rituale. Der Ritus ist ein Geländer, an dem man sich festhalten kann.
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