Dr. med. Hilscher beim Hospizkreis Menden

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Dr. med. Hans-Jörg Hilscher
Was ist wichtig in der letzten Lebensphase? Wie kann der Sterbenskranke diese Zeit in Autonomie erleben? Welche Hilfen gibt es? Diese und ähnliche Fragen sollten beim öffentlichen Montagstreff beantwortet werden. Dazu hatte der Hospizkreis Menden den Allgemein- und Palliativmediziner Dr. med. Hans-Jörg Hilscher eingeladen. Seit 15 Jahren betreut er das stationäre Hospiz Mutter Teresa in Letmathe.
Bis zum Ende des 20. Jh. gab es für sterbende Menschen keine Schmerzbehandlung. Morphine waren Mangelware. Sterbende im Krankenhaus wurden in Abstellkammern geschoben. Um diesen Menschen ein Leben in Würde bis zuletzt zu ermöglichen entstanden damals, ausgehend von Cicely Saunders in England, nach und nach auch in Deutschland stationäre Hospize. Zwei davon befinden sich in Schwerte und Letmathe. Kranke Menschen, deren Tod in absehbarer Zeit eintreten wird, können dort aufgenommen werden. Sie werden palliativ-medizinisch versorgt, d.h. ihre Schmerzen und Ängste werden behandelt und damit ein würdevolles Sterben ermöglicht. Übernommen werden die tatsächlichen Kosten zu 80 % von den Kranken- und Pflegekassen, 20 % werden durch Spenden gedeckt. Daher ist der Aufenthalt für die Patienten, die im Hospiz Gäste genannt werden, kostenfrei. Seit 2007 ist die Durchsetzung der Palliativmedizin gesetzlich geregelt. In der Praxis führen diese Aufgabe Palliativmedizinische Konsiliardienste durch. Davon gibt es 22 in Westfalen-Lippe. Zuständig für den Bezirk Iserlohn, Schwerte, Hemer, Menden ist der PKD-NIL (Palliativmedizinischer Konsiliardienst – Netz Iserlohn Letmathe). Dazu gehören acht Palliativmediziner und zwei Palliativschwestern. Palliativmediziner sind über das Hospiz Mutter Teresa in Letmathe 24 Stunden am Tag erreichbar. Schwerkranke Menschen werden auch zu Hause (ambulant) palliativ-medizinisch versorgt. Der PKD-NIL kooperiert mit Pflegediensten, ambulanten Hospizdiensten, Apotheken und hat Zugang zu Patientendaten und Medikamentendepots. Patienten können diesen Dienst in Anspruch nehmen, sobald sie sich bei ihrem Hausarzt in den PKD eingeschrieben haben. Das Pflegepersonal, das palliativ-medizinische Versorgung betreibt, muss eine spezielle Zusatzausbildung dafür haben. Die Palliativmediziner werden bei der Ärztekammer geprüft. Alle PKD-Mitglieder bilden sich regelmäßig fort und bieten den Hausärzten Weiterbildung in Palliativmedizin an. Seit 2009 gibt es ein Gesetz zur ärztlichen Indikation. Bis dahin wurde Organtherapie betrieben, d.h. war ein Organ beschädigt, wurde versucht es wieder funktionstüchtig zu machen. Die ärztliche Indikation besagt: In das weitere medizinische Vorgehen wird nicht nur das beschädigte Organ sondern die gesamte Lebens- und Behandlungssituation des Patienten einbezogen. So kann es passieren, dass nicht der Patientenwille sondern die ärztliche Indikation zum Tragen kommt, wenn in der Patientenverfügung die gewünschte Regelung nicht unmissverständlich und verbindlich formuliert ist oder der Vorsorgebevollmächtigte den Willen des Patienten nicht eindeutig glaubhaft zum Ausdruck bringen kann. Einige Angehörige meinen den Kranken zum essen und trinken anhalten zu müssen. In der Meinung damit das Richtige für ihn zu tun, wollen sie ihr Gewissen beruhigen. Dagegen setzte Dr. Hilscher neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Es gibt keinen Grund Patienten mit Essen und Trinken zu bedrängen, wenn sie nicht wollen. Es können Verschleimungen entstehen. Die Nieren sind nicht mehr in der Lage die Flüssigkeit auszuscheiden. Sie lagert sich ein. Entwässerungstabletten werden dann eingesetzt. Es entstehen Herz-Kreislauf Komplikationen. Patienten am Lebensende verdursten nicht, sie trocknen aus. Dagegen hilft den Mund feucht zu halten, am besten mit Wasser oder Olivenöl. Sinnvoll ist eine Sprayflasche mit dem Getränk, das der Patient mag. Dr. Hilscher gab ein Beispiel aus seiner Praxis um den Besuchern der gut besuchten Veranstaltung zu verdeutlichen welche Ängste einen Menschen mit Schluckbeschwerden bei der Nahrungsaufnahme beherrschen. Eine davon ist die Angst vor Erstickungsgefahr, wenn die Nahrung in die Luftröhre gelangt. Der Vortrag des erfahrenen Palliativmediziners gab Anlass für viele Fragen.
Die zahlreichen Besucher des Abends gingen bereichert durch neue Erkenntnisse aber auch nachdenklich nach Hause.
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