50 Jahre Kunstverein: Ulrich Daduna über Projekte, Wünsche, Faltschachteln

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Ulrich Daduna ist seit 1984 Vorsitzender des Vereins, ist selbst Architekt, der sich aber auch persönlich an künstlerischen Projekten beteiligt, ein Kunstfreund der alten Schule. Foto: Kaemper
 
Der Vorsitzende des Kunstvereins Gelsenkirchen Ulrich Daduna (rechts) und Uwe Gelesch richten gemeinsam die Ausstellungsräume in der Alten Villa in Buer her. Gezeigt werden anlässlich des 50. Jahrestages Faltschachteln, die von dem Verein verbundenen Künstlern gestaltet wurden. Freitag um 19 Uhr ist Eröffnung von "Kunst & Leidenschaft". (Foto: Gerd Kaemper)

Meilensteine aus Ideen: Die Alte Villa öffnet sich am Freitag, 16. Februar, für "Kunst & Leidenschaft", um dem Goldjubiläum des Kunstvereins Gelsenkirchen Bedeutung zu verleihen. Faltschachteln von Künstlern sind zu sehen. Der Vorsitzende Ulrich Daduna blickt zurück und spricht über erinnerungswürdige Projekte und besondere Ideen.

Sie sind nun 33 Jahre lang Vorsitzender des Kunstvereins Gelsenkirchen. Inwiefern berührt es Sie persönlich, in diesem Jahr den 50. Geburtstag des Kunstvereins zu feiern?
Na, nehmen wir doch den Titel unserer Ausstellung: „Kunst & Leidenschaft“. Da steckt für mich mehr hinter dem Begriff Leidenschaft, (lacht) das hängt auch mit Leiden zusammen - es ist nämlich manchmal gar nicht so einfach, einen solchen vielfältigen Verein zu führen. Aber Scherz beiseite:
Eigentlich macht es aber einen wahnsinnigen Spaß, mit Künstlern zu arbeiten. Und der Verein hat ja auch einen Namen, über Gelsenkirchen hinaus. Letztens hat eine Künstlerin aus Ostfildern – das liegt südöstlich von Stuttgart - unser Projekt „Kunst am Baum“, das eigentlich schon seit 26 Jahren bei uns läuft, wahrgenommen und hoch gelobt. So etwas zu hören, ist natürlich wahnsinnig schön und da weiß man, dass man einiges richtig gemacht hat. „Kunst am Baum“ widmet sich standunsicheren Bäumen in den Berger Anlagen, die gefällt werden müssen. Kunst im Landschaftsraum zu präsentieren, ist schon eine besondere Aktion.

Wenn Sie all die Jahre Revue passieren lassen, die Höhen und Tiefen, was hat sie an den Aktivitäten und Einflüssen des Kunstvereins am meisten begeistert und beeindruckt?
Da sind natürlich einige Projekte zu nennen. Die „Kunstmeile Gelsenkirchen“ zum Beispiel, und Projekte im Rahmen der IBA, wie das „Nachtzeichen“ auf der Halde Rungenberg, das durch die Initiative des Kunstvereins angestoßen wurde. Der Kunstverein hat nie Geld, aber immer innovative Ideen.
Als Architekt und Vorsitzender beschäftige ich mich oft mit Strukturen. Es gibt viele Bäche in Gelsenkirchen, die fast alle zur Emscher fließen. Da haben wir uns mal mit dem Verlauf des Springbachs auseinandergesetzt. Eine Künstlerin hat den historischen Verlauf des Springbachs dargestellt, indem sie Markierungen gesetzt hat. Ein weiteres Kunstprojekt war die „Emschertalbahn“, die bis nach Winterswijk führte. Da war man von Bismarck aus in sechs Stunden in Amsterdam. Künstlerisch haben wir uns zusammen mit einem weiteren Kunstverein damit auseinandergesetzt. Auch der Transportweg „Gahlenscher Kohlenweg“ wurde von uns künstlerisch markiert, in Kooperation mit vier anderen Kunstvereinen. Unser Verein hatte das kürzeste Kunstprojekt, in dem der historische Weg von einem Kunstflieger mit einer Rauchspur abgeflogen wurde.
Als weitere einzelne Projekte fallen mir „landmark“ ein, ein 14 Meter hohes, rot-weißes Stahlrohr, an der Hattinger Straße der A40/ B1, und der „Energiekubus aus Glasbausteinen“ am Musiktheater.
Kunstauktionen sind wichtig und die bis heute erfolgreiche Ausstellungsreihe "Lehrer - Schüler", die mit der Ausstellung "Günther Uecker und seine Schüler" Anfang der 80er begann, als Anneliese Knorr den Vorsitz hatte. Ich hatte ihr damals zugesagt, dass die Ausstellungsreihe fortgesetzt wird. … (staunend) Wenn ich mir überlege, wie viele Klassen hier durchs Museum geschleust wurden.

… und was würden Sie im Nachhinein als Tiefen betrachten?
Rein künstlerisch betrachtet, fällt mir ein, dass ein auf unsere Initiative hin künstlerisch gestalteter Gasbehälter fallen musste. Es gab zwei. Den Kugelgasbehälter Rhein-Elbe gibt’s heute nicht mehr.
Einschnitte betreffen natürlich auch immer das Finanzielle: Es ist gut, dass wir von der Stadt Gelsenkirchen unterstützt werden - und im Kunstmuseum ausstellen können, darum sind wir dankbar. Wir bekommen immer einen Sockelbetrag von der Stadt und werden unter anderem von der Sparkasse sowie projektbezogen gefördert. Aber immer, wenn es über die Ausstellung hinaus geht, wenn wir eine Dokumentation oder einen Katalog erstellen wollen, dann scheitert es oft an den Mitteln. Aber wenn man Kunst richtig fördern will, muss man weiterdenken. Dann geht es nicht ohne Kataloge.
Und die Zeiten haben sich geändert: Heutzutage ist das Vereinswesen als solches ein bisschen blockierend, wenn es um das Anwerben neuer Mitglieder geht. Wie alle Vereine haben wir Nachwuchsprobleme.

Wo steht der Kunstverein heute?

Heute sind wir ein recht bekannter, voll akzeptierter Kunstverein über die Region Ruhrgebiet hinaus. Wir sind dem ADKV angeschlossen, haben Ausstellungsmöglichkeiten im Kunstmuseum, worum uns andere Kunstvereine beneiden. Mit 240 Mitgliedern sind wir gut aufgestellt. Außerdem ist es uns zur Kulturhauptstadt 2010 mit dem Projekt „GrenzGebietRuhr“ gelungen, die 15 Kunstvereine im Ruhrgebiet für gemeinsame Projekte zu vereinigen.

Am kommenden Freitag, 16. Februar, eröffnet um 19 Uhr im Kunstmuseum, Horster Straße 5-7, die erste Ausstellung des Jahres im Rahmen des Jubiläums: „Kunst & Leidenschaft – 50 Jahre Kunstverein Gelsenkirchen“. Es ist auch ein Mitmachprojekt – was macht es für Sie besonders?
Mehr Kunst als Leidenschaft! Die Resonanz war super. Wir haben Faltschachteln an Künstler rausgeschickt, die sie gestalten sollten, 120 an der Zahl. Wir dachten, dass sich etwa 50 an der Aktion beteiligen würden, aber zurückgekommen sind insgesamt 77 Pakete von 81 Künstlern. Alles Künstler, die übrigens schon mal für den Kunstverein ausgestellt haben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Ausstellung läuft vom 16. Februar bis zum 8. April in der Alten Villa des Kunstmuseums in Buer.

Mit welchen Wünschen blicken Sie jetzt in die Zukunft?
Der Kunstverein ist ein Zusammenschluss von Kunstfreunden, die bereit sind, sich auf das Abenteuer „Junge Kunst“ einzulassen, sie zu verstehen und zu fördern.
Ich wünsche mir weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis zu den Freunden des Kunstvereins und zu den Künstlern und noch mehr neue Ideen.
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