Audio-Kreuzweg fürs Smartphone

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Mark Bothe, Dennis Kröger, Michael Simon (v.l.) haben die Audio-Kirche ins Rollen gebracht und wollen eine Dimension von Kirche eröffnen. (Foto: Andreas Probst/Bistum Essen)

Jesus mit Heiligenschein, römische Soldaten mit Helmen und Lanzen, Männer und Frauen in wallenden Gewändern – auf großen Wandgemälden stellt die St. Urbanus-Kirche in Gelsenkirchen-Buer den Leidensweg Jesu dar. Ein eindrucksvoller Anblick.

Nun kann man sich die bunten Bilder im Buerschen Dom auch anhören: Wer mit Smartphone oder Tablet-Computer und Kopfhörer in die Kirche kommt, kann gesprochene Erklärungen und Meditationen zu den Kreuzwegstationen abrufen.
Zudem hält die erste Audio-Kirche im Ruhrbistum zwei Kirchenführer bereit, einen für Erwachsene und einen für Kinder. „Wir wollen den Besuchern unserer Kirche eine weitere Möglichkeit des Erlebens erschließen“, sagt Pastoralassistent Mark Bothe. Gemeinsam mit Dennis Kröger und Michael Simon ist er verantwortlich für diesen innovativen Zugang zum Kirchenraum, der vor allem technisch einen gewissen Aufwand erfordert. „Hier im Beichtstuhl steht unser Webserver“, sagt Netzwerk-Techniker Simon und zeigt auf die Holztür in der Kirchenwand. Den Beicht-Betrieb stört der kleine Computer nicht, versorgt aber die diskret hinter den Liedanzeigen im Kirchenschiff versteckten Wlan-Antennen mit den nötigen Informationen.

Wer mit seinem Handy die Angebote der Audio-Kirche anhören möchte, wählt sich ins Wlan „urbanus-audio“ ein und kann sich Station für Station durch den Kreuzweg oder die Kirchenführer klicken. Das Wlan ist dabei nur in der Kirche zugänglich – und führt ausschließlich auf die Seite der Audio-Kirche. Das habe nicht nur etwas mit der „Störerhaftung“ bei öffentlichen Internetanschlüssen zu tun, sondern „hilft auch, die Aufmerksamkeit zu fokussieren“, erklärt Kröger.

Technische Seite ist handgemacht

Wie Bothe kommt der Student aus Bochum aus der „Podcast“-Szene, verbreitet also eigene Audio-Beiträge über das Internet. Mit der katholischen Kirche hatte Kröger bislang wenig am Hut. Er findet es „toll, dass es in dieser Pfarrei moderne Ideen gibt, Spiritualität umzusetzen“. Und letztlich drehe sich doch „ein guter Teil unserer Gespräche um den Glauben“, sagt Bothe.
Kröger unterstützt das Team mit seinen Programmier-Kenntnissen – denn die technische Seite der „Audio-Kirche“ ist sozusagen handgemacht, weshalb die drei jungen Männer mehrfach betonen, dass sich das Projekt „noch im absoluten Prototyp-Stadium“ befindet. Dennoch gibt’s schon einiges zu hören. Alle Beiträge der „Audio-Kirche“ sind individuell verfasst und von Männern und Frauen aus der Pfarrei eingesprochen worden. Bothe betont den „niederschwelligen Charakter“ des Angebots. „Man braucht keine Vorkenntnisse, wählt sich in das WLan ein – und los geht’s.“ Zugleich sei die Audio-Kirche keine technische Spielerei, sondern „ein pastorales Angebot. Uns geht es um Glaubensvermittlung!“

Und die darf gerne noch weitere Formen annehmen – Ideen haben die drei jungen Männer genug. So ist Bothe mit einer Schule im Gespräch, deren Schüler den Kinder-Kirchenführer kritisch unter die Lupe genommen haben. „Die haben sich weniger für den Altar und Tabernakel als für das Gewölbe über dem Kirchenschiff interessiert“, berichtet Bothe. „Und wir diskutieren über das Kopfhörer-Thema“, sagt Bothe – nicht jeder Smartphone-Nutzer hat immer gleich zwei Ohrstecker dabei. „Das wollen wir lösen.“

Mit mehreren weiteren Gemeinden im Ruhrbistum ist das Team der Audio-Kirche im Gespräch, um die Technik aus Buer womöglich auch dort einzusetzen. Gerade in manch großer, alter Kirchen dürfte dies den Budgetrahmen in St. Urbanus von bislang rund 4000 Euro sprengen. Aber es lohnt sich, wirbt Bothe: „Wir eröffnen in unseren Kirchen eine neue Dimension, die zu Inhalten unseres Glaubens führt und zugleich Möglichkeiten der Reflexion erlaubt.“ Und das nicht nur beim Kreuzweg in der Karwoche.
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