Bewegende Gedenkveranstaltung am Knappen Ehrenmal in Horst

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Gruppenbild am Ehrenmal des knienden Knappen bei der Gedenkveranstaltung auf den Horster Friedhof : Reinhold Adam begrüßt die Anwesenden. (Foto: Jürgen Sattler)
 
Berührende Klänge trug das Bergwerksorchester Consol vor (Foto: Bernd Ozimkowski)
Gelsenkirchen: Friedhof Süd | Auf der 11. Sohle in einer Teufe von 840 m starben am 26. Juni 1955 im Flöz G auf der Zeche Nordstern in Gelsenkirchen - Horst 14 Kumpel nach einer Explosion den Bergmannstod. Es war ein Sonntag, Rot – Weiß Essen wurde in Hannover deutscher Fußballmeister, weswegen die Kumpels die Schicht getauscht hatten. An diesem Tage war die Belegschaft der Nachtschicht, die an sich erst am Abend dieses Tages hätte anfahren sollen, ausnahmsweise in der Frühschicht angefahren. Diese Leute hatten nämlich die Aufgabe, jeweils in der Nachtschicht den Streb durch Abtun einer Anzahl von Schüssen in der Oberbank für die anschließende Förderschicht vorzubereiten; am Wochenende führten sie diese Arbeit aber nicht am Samstag, sondern erst am Sonntag aus. Für den 26.6. hatten sie bei ihrem zuständigen Fahrsteiger die Genehmigung eingeholt, am Sonntag in der Frühschicht anfahren zu können. Gleichzeitig hatte aber auch die Zechenverwaltung auf Antrag von dem zuständigen Bergamt die Genehmigung erhalten, den einen ihrer beiden Ventilatoren zum Zwecke von Reparaturarbeiten am Sonntag - Vormittag stillsetzen zu können. Das diese Genehmigung enthaltende Schreiben war am Freitag bei der Verwaltung eingegangen, aber nicht sofort in den Betrieb weitergeleitet worden; dort ist er erst am Montag, also einen Tag nach dem Unglück, eingetroffen. Der Tagesbetriebsführer hatte aber von dem Schreiben Kenntnis erhalten, den Betriebsführer unter Tage gelegentlich eines Gespräches mehr privater Natur hiervon unterrichtet und dementsprechend am Sonntagmorgen um 7 Uhr den Ventilator still setzen lassen, heißt es in den alten Akten. Dem Fahrsteiger, der den Leuten die Erlaubnis zum Wechsel ihrer Schicht gegeben hatte, war hiervon nichts bekannt geworden. Als Auswirkung des Stillsetzens des Ventilators ging, wie bei einer Rekonstruktion dieser Sachlage nach der Explosion festgestellt wurde, die Wettermenge in dem Streb Flöz G auf etwa 60 – 70 m3/Min. herunter; die Wetter stagnierten dann und schlugen schließlich in ihrer Richtung um, d.h. sie zogen von unten nach oben.; der CH4 – Gehalt stieg dabei auf etwa 2% an. So dass es beim Schießen in der Kohle zu der folgenschweren Explosion kam. Die gesamte Bevölkerung nahm damals Anteil an dem Unglück, das sich wie ein Lauffeuer verbreitete ,woran das Geschichtsforum Nordsternpark unter der Leitung von Reinhold Adam am 60. Jahrestag des Grubenunglücks in einer Gedenkveranstaltung auf den Friedhof Horst – Süd erinnerte. Es waren Verwandte und Freunde von Verunglückten gekommen, auch Liesel Wolter, die als junge Frau vor 60 Jahren ihren Mannbei den Unglück verlor und seit 10 Jahren an den Aktivitäten des Geschichtsforums teilnimmt. Abordnungen verschiedener Knappen Vereine waren ebenso Anwesend, wie der Bundesvorsitzende des Bundes Deutscher Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, Kurt Wardenga , sowie das Bergwerksorchester Consol, die zwischen den kurzen Reden auftraten und manches Bergmanns Herz und das der zahlreichen Teilnehmer aufweichten. So erklangen das Lied von den treuen Kameraden, Il Silenzio und das Steigerlied. Reinhold Adam langjähriger Betriebsratsvorsitzender der Zeche Nordstern bemerkte mit sichtlich berührter Stimme bei seiner Begrüßungsansprache ,das es für die Kumpels vom Geschichtsforum und Freundeskreis Nordstern wichtig sei, „ die Erinnerung auch in Zeiten wach halten, wo der Bergbau in Gelsenkirchen bereits Geschichte ist und nach 2018 auch in Deutschland Geschichte sein wird“. Er gedachte aller Bergleute, die in Ausübung ihres Berufes ums Leben kamen, auch die 884 russischen Zwangsarbeiter, die in der NAZI Herrschaft auf Nordstern ihr Leben ließen. Und ebenso auf den Horster Friedhof ihre letzte Ruhe fanden. Adam betonte in seiner bewegten Rede, der Satz „Wir werden euch nie vergessen ist für uns Bergleute keine leere Worthülse- es ist für uns eine besondere Verpflichtung.“ Kurt Wardenga sprach die gefahrenvolle Arbeit der Bergleute an und erinnerte an die zahlreichen Toten im Bergbau. Bezirksbürgermeister und Schirmherr Joachim Gill dankte den Organisatoren um Reinhold Adam, Wilhelm Weiß und ihre Kumpels und überbrachte die Grüße des Oberbürgermeisters Baranowski. Er betonte, dass er sehr stolz sei, das es in Horst zwei solche Institutionen gebe, wie das Geschichtsforum Nordsternpark und der Freundeskreis Nordstern, die die Gedenkfeier organisiert hatten ,die die Erinnerung an den Bergbau und die dort arbeitenden Menschen aufrecht halten. „Horst ist durch den Bergbau groß geworden und hat den Kumpels viel zu verdanken“, gerade auch Bergleute, wie diese 14, die bei ihrer gefährlichen Arbeit ihr Leben ließen.“ Am Ehrenmal des in ehrfurchtsvoller Haltung knienden Knappen verlasen Pastor Cornelius und Pfarrer Pingel die Namen der 14 verunglückten , es waren in Einzelnen Heinrich Stüning (50), Wilhelm Bachmura (47), Heinrich Podschoss (44), Ernst Kasper (43), Artur Urbanek (39), Franz Jesorek (37), Heinrich Ahling (34), Ludwig Wolter (33), Erwin Becker (32), Werner Ronzeck (32), Egon Höffken (28), Artur Eckert (25), Adolf Fischer (21) und Norbert Wysocky (20). Im Anschluss an der Gedenkveranstaltung lud das Geschichtsforum zu einem Imbiss im Pfarrsaal St. Laurentius ein, wovon fast 100 Teilnehmer Gebrauch machten.
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