Das Feuer weitergeben

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Dies ist ein Bild vom 21. Juli 2007. Die Arbeiten an Schacht 2 begannen vor zehn Jahren, doch eigentlich wurde die Idee zum Erhalt schon mit der Schließung im Jahre 2000 gesät. (Foto: Privat)
 
Die Tauben fühlten sich in der stillgelegten Zeche pudelwohl, wie man anhand der zahlreichen weißen Flecken sieht. Dass die Zeche heute so aussieht, wie sie es tut, ist den Ehrenamtlichen des Trägervereins Zeche Hugo Schacht 2 zu verdanken und den Personen, die den Verein immer wieder tatkräftig unterstützt haben und es noch immer tun. (Foto: Privat)

"Für uns gilt, wir wollen nicht nur die Asche bewahren, sondern das Feuer weitergeben", resümiert Klaus Herzmanatus, Geschäftsführer des Trägervereins Hugo Schacht 2, die mittlerweile zehnjährige Geschichte rund um den Erhalt des Schachtes. Vor zehn Jahren nämlich, wurde die Geschichte der Zeche zur Zukunft erklärt. Doch eigentlich begann alles schon viel früher ...

Von Michelle Lahmer

Die Geschichte rund um den Trägerverein beginnt eigentlich schon mit der Schließung des Bergwerks am 30. April 2000. Denn schon in diesem Jahr entstand "das kleine museum" in der Eschweilerstraße 47, welches als Andenken an die Bergbautradition dient. Doch um der Geschichte ihren wahren Tribut zu zollen, war mehr nötig, empfand Klaus Herzmanatus, der selbst Betriebsratsvorsitzender des Bergwerks Ewald/Hugo war. Man wollte Schacht 2 am Leben erhalten, denn immerhin hatte es dazu geführt, dass aus 3000 Bewohnern über die Jahre um die 120.000 wurden, die hier, durch die Zeche, Arbeit fanden.

"Dieses Stück Geschichte ist für die Menschen wichtig, also begannen wir 2003 um den Erhalt zu kämpfen, denn die Stadt und die deutsche Steinkohle (kurz DSK, Anm. d. Red.) hatten keine Gelder dafür. Klassisch fingen wir mit dem Sammeln von Unterschriften an und gründeten den Trägerverein. Uns war natürlich bewusst, dass, wenn wir den Schacht mitsamt des Fördermaschinenhauses retten wollen, war Geld nötig."
So gingen die Ehrenamtlichen los und erzählten verschiedenen Menschen von ihrem Vorhaben, so dass innerhalb von nur sechs Wochen 60.000 Euro zusammenkamen. Eine besondere Anekdote war der Besuch bei Rudi Assauer: "Auch Rudi Assauer erklärte ich, was wir vorhaben und ehe ich mich versah, kam seine Sekretärin und legte 3000 Euro auf den Tisch. Das war etwas ganz Besonderes, denn man merkte, dass ihm der Erhalt ebenso am Herzen lag."
Der Abbruch der Zeche war bis dato schon in vollem Gange, so dass in den Schacht, der regelrecht offen und ungeschützt war, Feuchtigkeit hineinzog, Tauben ihr Geschäft verrichteten (und das nicht zu wenig) und Kupferdiebe ihr Unwesen trieben. Immer wieder haben die Stadt Gelsenkirchen und DSK einen Aufschub gewährt. Auch unter der Voraussetzung, man solle sich ein Gutachten ausstellen lassen, wie hoch die Kosten der Sanierung werden würden. Diese Einschätzung überließ man den Architekten Böll aus Essen, da "sie sich mit Zechen auskannten", so Herzmanatus. "Insgesamt würde es 400.000 Euro kosten, gab man uns Bescheid und dann fragte Steinkohle im Jahr 2006, ob wir den Turm nun behalten wollen oder nicht." Die Entscheidung fiel den Ehrenamtlichen leicht, auch wenn es hieß 80.000 Euro sollten als Sicherheit hinterlegt werden.

"Glücklicherweise haben aber alle, die insgesamt 60.000 Euro gespendet haben und noch die 3000 Euro von Rudi Assauer, ihr Wort gehalten. Wir haben gemerkt, wie wichtig es den Menschen ist, dieses Stück Geschichte erlebbar zu machen und zu erhalten." Die restlichen 20.000 Euro erhielt man durch eine Bürgschaft beim Verein für Orts- und Heimatkunde, in dem Herzmanatus Beisitzer ist.
2007 begangen die Arbeiten, die es wirklich in sich hatten. "Allein der Taubendreck stand uns bis zu den Knöcheln, fast alles war hinüber", erinnert sich der ehemalige Bergmann. "Es ist absolut unglaublich, was geleistet wurde, dass wir nun ein fertiges Produkt hier haben, in dem Veranstaltungen stattfinden können, ist fast unvorstellbar. Und das, obwohl wir nur ein einziges Mal Fördergelder erhalten haben und zwar durch "Initiative ergreifen", die solche Vorhaben unterstützen." Zur Verfügung gestellt wurde ein Fördervolumen von 220.000 Euro unter der Bedingung, dass 180.000 Euro durch Eigenleistung erbracht werden.

"Wir haben uns also gesagt, 15 Euro pro Arbeitsstunde. Das mussten wir akribisch dokumentieren. Man gab uns zwei Jahre Zeit, wir haben es in anderthalb geschafft." Bis auf diese einmalige Förderung habe man in all den Jahren um die 500.000 Euro in den stillgelegten Schacht investiert. "Wir haben von Anfang an gesagt, wir machen es selbst, denn darum geht es ja auch bei einem gemeinnützigen Verein. So führte dann ein Punkt zum nächsten." Herzmanatus hebt die besondere Leistung derer hervor, die sich unentgeltlich am Bau beteiligt haben. Der Zusammenhalt ist das, was die Zeche hat wieder aufleben lassen. Der Trägerverein startete mit 15 Personen, mittlerweile sind es 25. "Viele sind geblieben, doch ich kann mich noch an 20 weitere Personen wenden, wenn es nötig ist." Ein Bekannter von Herzmanatus, der Klempnermeister ist, erklärte sich außerdem bereit, seine Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen. Die einzigen Kosten: das Material. Es gibt noch zahlreiche solcher Geschichten und der Verein lebt von genau dieser Gutmütigkeit der Menschen. "Sowas wie bei uns gibt es kein zweites Mal. Ein Denkmal das nicht nur die Geschichte erzählt, sondern Veranstaltungen, ein Museum und die Heimat miteinander verbindet. Wir sind sehr glücklich darüber, dass auch junge Menschen uns unterstützen und mitmachen."

Von Menschen für Menschen

Damit es weiterhin ehrenamtlich bleibt, hat der Verein beschlossen, einmal im Monat eine große Veranstaltung zu machen. Ansonsten finden natürlich auch viele kleinere Aktionen ihren Platz. Sogar Hochzeiten und runde Geburtstage kann man dort feiern. "Es soll immer noch etwas Besonderes bleiben," meint Herzmanatus. Der Trägerverein und damit auch Schacht 2 der Zeche Hugo sind gut aufgestellt. Die nächste Vorstellung steht schon fest und zwar der Saisontalk mit Manni Breuckmann aufm Pütt am Montag, 22. Mai, 20 Uhr, natürlich auf Schacht 2 am Brößweg 34.
Dass die Zeche Hugo für wirklich jeden etwas zu bieten hat, zeigt eine weitere Anekdote aus dem Jahr 2008. "Mich rief eine Dame an, die meinte, sie arbeite für ein Musiklabel und würde gerne die Metalband "Paradise Lost" bei uns ihre neue CD vorstellen lassen. Kein Problem, erklärte ich. Wir bereiteten alles vor und zu dem Zeitpunkt war die obere Plattform noch eine Lagerfläche. Diese dekorierten wir mit allem, was wir hatten, zum Beispiel Grablichter und als die Band dann zu uns kam und sah, was wir dort gemacht hatten, waren sie vollkommen erstaunt. Auch die Weltpresse verschiedener Heavy Metal-Zeitungen war vor Ort und schrieb später, dass unsere Location, die weltbeste war für ein solches Event. Das ist dann schon etwas ganz Besonderes."

Im Übrigen kann man dem Verein etwas Gutes damit tun, alte Teile zu spenden, von denen man selbst glaubt, sie wären Schrott oder wertlos. Firmen und Personen werden hiermit aufgerufen Dinge zu spenden, wie alte Leitungen, Metall, Schrauben und weiteres. Wer noch etwas Geschichtliches der Zeche Hugo zuhause hat, kann dies ebenfalls dem Museum zur Verfügung stellen. Kontaktaufnahme ist über Klaus Herzmanatus unter Telefon 594659 oder per E-Mail an hugoschacht2@aol.com möglich.
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