„Die Polizei“: mit Witz und Biss

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General (Timo Knop), Häftling (Behlül Taskingül), Polizeipräsident (Ulrich Penquitt) und Adjutant (Jonas Wenz): Es wird darüber beratschlagt,wie dem Häftling die Schuld nachzuweisen ist.
 
Den Häftling (Behlül Taskingül) piekst etwas in den Schritt.
Gelsenkirchen: die Flora |

„Wir haben eine gute Regierung“, sagt der Häftling nachdem er zehn Jahre in Haft saß und nun doch plötzlich den Unterwerfungsakt bei der Polizei unterschreiben will. Ein Geheimdienstwirrwarr mit pointiertem Witz...

Das im Jahr 1958 als Satire entstandene Theaterstück „Die Polizei“ von Slawomir Mrozek wird derzeit im Kulturraum „die flora“ inszeniert.

Dabei handelt es sich um eine Kritik am Leben in einer Gesellschaft, die geprägt ist von der Kontrolle durch die Polizei, einer Partei, dem Staat und der Bürokratie, die durch Absurdität glänzt.

Das Kammerspiel selbst spielt in einem fiktiven Land des Infanten und seines Onkels dem Regenten. Die Polizei hat nur noch einen politischen Häftling, der zehn Jahre zuvor eine Bombe auf den General warf. Ein plötzlicher Sinneswandel und seine ideologische Vereinsamung bringen ihn schließlich dazu, den Unterwerfungsakt der Polizei zu unterschreiben und entringen ihm die Worte „wir haben eine gute Regierung!“ Nicht nur das, er will sogar nach Haftentlassung in den Dienst der Regierung treten.

Eine Polizei ohne Häftlinge kann es aus Sicht des Polizeipräsidenten nicht geben, deshalb entschließt er sich kurzerhand, seinen Sergeanten anzustiften. Dieser wird nach öffentlicher Verleumdung der Regierung vom Polizeipräsidenten verhaftet.

Um dem Häftling seine Schuld nachzuweisen, will der ehemalige Häftling, der inzwischen Adjutant für Verschwörungstheorie ist, den jetztigen Häftling anstiften, eine Bombe auf den General zu werfen. Jene Bombe, die er damals selber nach ihm warf und die angeblich nicht funktionsfähig ist. Angestachelt vom Adjutanten und Polizeipräsidenten, wirft der Häftling also die Bombe auf den General - und diese explodiert. Nachdem sich Adjutant und General gegenseitig verhaften wollen, taucht plötzlich der noch lebende General wieder auf und verhaftet die beiden ebenfalls. So ist die Skurrilität komplett. „Wunderbar, die Polizei hat alle Hände voll zu tun“, jubelt der General und der Polizist und der Adjutant rufen aus „Es lebe die Freiheit!“

Auch wenn die thematische Aktualität einem nicht sofort in den Sinn kommt, ist sie doch sehr greifbar. Die Enthüllungen der Machenschaften der Geheimdienste und Überwachungsstaaten sind vergleichbar mit jenen von Edward Snowden. Der aktuelle BND-NSA-Skandal spiegelt nur allzu gut wieder, wie wir in unserer heutigen Gesellschaft ausspioniert und überwacht werden.

Und trotz der tiefgründigeren Thematik oder gerade deswegen, ist die Premiere „der Polizei“ in der „flora“ mit viel Witz und guter Umsetzung vollkommen gelungen. Die ganze Handlung wird dabei so ad absurdum geführt, dass der Zuschauer mitgerissen wird und sich viele Lacher und Kommentare nicht verkneifen kann.

Inszeniert vom Regisseur Elmar Rasch, ist die Aufführung in Kooperation dreier Bühnen entstanden: der Bühne im Revier, dem Trias Theater und dem Kulturraum „die flora“.

Dabei werden die Charaktere von den Darstellern Ulrich Penquitt (Trias Theater Gelsenkirchen) als Polizeipräsident, Timo Knop (Theater Glassboth, Essen) als General, Jonas Wenz (u.a. bekannt als Pontius Pilatus bei den Passionsfestspielen, Gelsenkirchen) als Häftling und Adjutant, Behlül Taskingül(„Petrus“ bei den Passionsfestspielen) als Sergeant und Häftling Alexander Welp (Bühne im Revier) gespielt.

Die Requisiten und das Bühnenbild sind gut gewählte und ebenso skurrile Gegenstände. Die Handlung spielt dabei in Gänze auf dem Polizeipräsidium, das als besonderes Augenmerk Porträts vom Infanten und seinem Onkel dem Regenten beherbergt. Allein diese Porträts bringen einen schon zum Schmunzeln, übertroffen von den vielen Szenen, in denen sich alle Charaktere zu den Porträts umdrehen und sie würdigen, sobald der Name der beiden genannt wird.

Im Publikum herrschte den ganzen Abend über ausgelassene Stimmung.

Ein kurzweiliges, mitreißendes und sehenswertes Stück, das am 16. und 17. Oktober, jeweils um 20 Uhr, erneut im Kulturraum „die flora“, Florastraße 26, aufgeführt wird.

Der Eintritt beträgt 14 Euro, ermäßigt 12 Euro. Karten gibt‘s unter Telefon 1699105. Der Vorverkauf findet ausschließlich in der Stadt- und Touristinfo im Hans-Sach-Haus statt. Weitere Informationen finden sie außerdem unter www.die-flora-gelsenkirchen.de.
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