Ein Haus der Kunst

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Leane Schäfer, die Leiterin des Kunstmuseums Gelsenkirchen. Foto: Privat
 
Mit dem Anspruch an eine neue, unbelastete Kunst stützten die Mitglieder der ZERO-Gruppe ihre Werke auf moderne Technik und naturwissenschaftliche Erkenntnisse.Die Sammlung Kinetischer Kunst ist in Deutschland einzigartig und bietet einen großen Überblick über die Kunstrichtung, deren Ausdrucksform die Bewegung als ein integraler ästhetischer Bestandteil des Kunstobjektes ist. Foto: Kunstmuseum Gelsenkirchen
Gelsenkirchen: Kunstmuseum |

Die „Arbeiterstadt“ Gelsenkirchen kann auf eine lange Geschichte künstlerischer Aktivitäten zurückblicken. So wundert es nicht, dass das Kunstmuseum an der Horster Straße 5-7 ein breites Spektrum an Kunstwerken zu bieten hat und das, ohne seit 1962 Eintrittsgelder zu erheben.

Bereits in den 1910er Jahren gab es Ausstellungsaktivitäten im Bereich der Bildenden Kunst, etwa mit Werken der Künstlergruppe „Niederrhein“ (1914) oder Adolf Menzels (1916). Nach dem Ersten Weltkrieg bildete sich 1921 der Städtische Museumsausschuss und baute die Aktivitäten aus. Es entstand eine Kunstsammlung, die bis 1930 Arbeiten von Chagall, Kubin, Dürer, Rembrandt, Marées und Pankok aufwies.
Diese Aktivitäten wurden durch das nationalsozialistische Kunstverständnis und die Aktion „Entartete Kunst“ 1937 erheblich beeinträchtigt, weitere Teile der Sammlung wurden durch die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg vernichtet.
Im Jahr 1950 fasste die Stadt den Beschluss, die ursprünglichen Aktivitäten wieder aufzugreifen und eine städtische Kunstsammlung unter fachkundiger Leitung aufzubauen. Der Bau des Musiktheaters im Revier, an dem Künstler wie Yves Klein und Jean Tinguely beteiligt waren, beflügelte das Engagement für die Kunst. In der Folge kam es zu Ankäufen, Schenkungen und Dauerleihgaben zahlreicher Werke.
Durch den ständigen Zuwachs wurde schnell klar, dass die städtische Sammlung mehr Platz benötigte. Nach Plänen des Architekten Albrecht E. Wittig wurde 1982 mit dem Neubau an der Horster Straße begonnen, der die alte Villa durch eine Brücke mit den neuen Ausstellungsräumen verbindet. Die Realisierung des zweiten Bauabschnitts fiel bis heute der klammen Stadtkasse zum Opfer. Das „neue Museum“ wurde 1984 an der Horster Straße 5-7 eröffnet. 2008 beschloss der Kulturausschuss die Umbenennung in „Kunstmuseum Gelsenkirchen“.
In der Sammlung befinden sich Werke vom 19. Jahrhundert bis hin zu aktuellen Tendenzen. Arbeiten von Max Liebermann, Lovis Corinth, Max Slevogt und Auguste Rodin geben einen Einblick in den Aufbruch zur Moderne. Mit Künstlern des deutschen Expressionismus wie Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Alexej von Jawlensky, Karl Schmidt-Rottluff oder Karl Hofer enthält sie Arbeiten, die die Suche nach neuen Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks verdeutlichen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg fing für viele Künstler eine neue Zeitrechnung an. Man wollte sich von allem bereits Dagewesenen abgrenzen und neue Wege der Darstellung ausloten. Diese Positionen des Suchens sind in der Sammlung des Museums unter anderem vertreten durch Hans Hartung, Karel Appel, Emil Schumacher oder Pierre Soulages.
Einen weiteren Schwerpunkt der Sammlung bildet die konstruktiv-konkrete Kunst um das Werk des in Gelsenkirchen geborenen Grafikers Anton Stankowski. Künstler wie beispielsweise Francois Morellet, Ad Reinhardt oder Heinrich Siepmann isolieren die künstlerische Mittel, um ihre Wirkung und ihre Beziehungen zueinander zu hinterfragen.
Im wechselnden Rhythmus werden in den drei Abteilungen im Neubau des Hauses Kunstwerke aus städtischem Eigenbesitz gezeigt: Im gläsernen Trakt wird der „Weg in die Moderne“ durch vorwiegend klassische und moderne Gemälde sowie Skulpturen vom 19. bis ins 21. Jahrhundert aufgezeigt, erweitert durch ein grafisches Kabinett.
In der offenen Galerie sind es Bildtafeln und Objekte, die der „Konkreten und Konstruktiven Kunst“ zuzurechnen sind. Im Untergeschoss des Kunstmuseums eröffnet sich dem Besucher die Bandbreite der „Kinetischen Sammlung“, die optische Phänomene, Licht, Klang und Bewegung von den späten 1960er Jahren bis heute zum Thema haben.
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